Corona-Tagebuch

Schluss mit der Polemik – oder: #PflegenachCorona

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Schluss mit der Polemik – oder: #PflegenachCorona

Ironie versteht nicht jeder, und Polemik ist ohnehin in den sozialen Medien unter dem Deckmantel der Anonymität omnipräsent. Die Medizin- und Pflegebubble stellt da keine Ausnahme dar und hat als direkt Betroffene der Corona-Pandemie Hochkonjunktur. 

Prinzipiell ist es richtig, auf die schlechte Situation der Pflege mit angemessenen Mitteln aufmerksam zu machen und insbesondere als „Pflege“ auch Ellenbogen zu zeigen. Es ist auch wichtig, auf Abgrenzung zu pochen, auf die besondere Situation professioneller Pflege hinzuweisen und deutliche Forderungen zu stellen. 

Von Gesundheitseinrichtungen wird verlangt zu funktionieren, trotz aller Probleme. Das ist auch in letzter Konsequenz korrekt, denn es ist unser Auftrag, den jeder Mitarbeiter und jede Mitarbeiterin in einem Krankenhaus sinnbildlich unterschrieben hat – egal ob gerade der Corona-Virus grassiert, eine MANV-Lage ausgerufen ist oder es eben der berühmt berüchtigte Alltag ist. 
Damit soll keine Entkräftung der Politik gemeint sein - ganz im Gegenteil. Es ist seit Jahren der nicht vorhandenen Pflegepolitik geschuldet, dass die Pflege in systemischen Problemen steckt, d.h. im unentgeltlichen Heldentum und der Berufung aus vollstem Herzen für kranke Menschen da zu sein.

Dennoch haben viele Pflegefachfrauen und Pflegefachmänner immer noch ein hohes und vor allem stolzes Selbstbild. Aufrufe wie #proudtobeanurse oder „save a life and you are a hero, save a hundred lives and you are a nurse“ zeigen eben doch auch, dass unabhängig von einer Pandemie das Bewusstsein über die eigene Stärke vorhanden ist. Sicher: Die Bezeichnung „Schwester“ gilt als veraltet und unprofessionell. Dennoch unterstreicht diese Bezeichnung auch, dass ein Beruf mit stolzem Haupt ausgeübt wird. Bei der Bevölkerung kommt dies natürlich auch an, sie applaudiert und solidarisiert sich mit der Pflege. Vergessen wir nicht: Unabhängig von Corona, jetzt sogar noch verstärkt, ist auch weiterhin das Jahr der Pflegenden und Hebammen. 

Leider wird insbesondere in sozialen Medien aktuell häufig das Gegenteil praktiziert, frei nach dem Motto: „wer am lautesten brüllt, wird auch gehört“ – ganz egal, was er brüllt. Es ist eine deutliche Zunahme polemischer und völlig überzogener Forderungen zu vernehmen. Der Stolz aus #proudtobeanurse hat umgeschlagen in einen Stolz, nun besonders in die Kerbe zu schlagen. Dabei ist es eigentlich sehr gut, dass wir als eher schweigende Berufsgruppe verstärkt öffentlich auftreten, nur macht der Ton eben auch die Musik.

Ich spreche  niemandem das Recht zur Meinungsfreiheit ab oder das Recht, für seinen Beruf frei und lautstark einzutreten. Ich bin allerdings der Auffassung, dass dafür jetzt nicht die richtige Zeit ist. Auf uns rollt eine Welle zu, deren Ausmaß wir nicht einschätzen können. Wir aus der Pflege stehen dabei in der ersten Reihe, und von uns wird es maßgeblich davon abhängen, ob dieses Land diese einzigartige Krise – vielleicht sogar Katastrophe – bewältigen wird. 

Daher heißt es nun solidarisch zusammenstehen, bestmöglich und mit allen Widrigkeiten unseren Beruf in Krisenzeiten auszuüben und nicht als Splittergruppe des Gesundheitswesens aufzutreten. Danach wird die Zeit kommen, in der wir gehört werden. Danach wird die Zeit kommen, in der wir als Pflegefachmänner und -frauen aktiv werden müssen. Danach ist ein Diskurs über die Bedeutung professioneller Pflege mit ganz klarem Zugewinn für die professionell Pflegenden zu führen und Forderungen sind zu stellen. Danach haben die anderen zu funktionieren. Und danach reden wir über #PflegenachCorona.

Lassen Sie uns also unseren Stolz und unsere Professionalität auch in Krisenzeiten nicht verlieren! Zeigen wir stattdessen gemeinsam, was wir leisten können! Das ist unsere Chance.

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