Ex-Vivantes-Chefin Andrea Grebe

"Wir Frauen müssen Flagge zeigen"

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  • 08.03.2021

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Ausgabe 12/2020

Seite 1092

Dr. Andrea Grebe

Andrea Grebe hat Ende Oktober ihren Job als Vivantes-Chefin an den Nagel gehängt. Im Interview erklärt die Topmanagerin, warum sie sich für den Posten als DKG-Präsidentin beworben hat und wie die Arbeit im Expertenbeirat läuft, für den sie nach einem kurzen Disput innerhalb der DKG nachnominiert wurde.

Frau Grebe, Sie verlassen Vivantes nach sieben Jahren an der Spitze – was bedeutet dieser Schritt für Sie persönlich?

Das ist schon emotional, da ich mich auf eine ganz besondere Art und Weise mit Vivantes – ich sage und denke immer noch „unserem“ Unternehmen – verbunden fühle. Ich war zu Beginn der Gründung, also des Zusammenschlusses der ehemaligen bezirklichen Häuser Anfang der 2000er-Jahre, dabei und habe die Höhen und Tiefen miterlebt. Für mich sind und waren die Begegnungen und der Austausch mit den Menschen Antrieb und Motor. Auch oder gerade in kritischen Lagen, die wir immer wieder gemeistert haben. Das werde ich sicher vermissen, bleibe aber Vivantes immer verbunden. Veränderungen gehören aber zum Leben und ich bin gespannt und neugierig auf das, was kommt.

Sie sind im besten Manageralter, zudem erfolgreich und geschätzt – wieso haben Sie Vivantes verlassen?

Managerinnenalter – wenn schon. Nach insgesamt fast zwölf Jahren Vivantes in Führungspositionen, davon über sieben Jahre als Vorsitzende, habe ich mir die Entscheidung in der Tat nicht leicht gemacht, meinen Vertrag nicht zu verlängern. Gemeinsam haben wir viel erreicht und darauf bin ich stolz. Irgendwann kommt für jeden in diesen Positionen der Moment. Für mich ist der Zeitpunkt jetzt richtig – und selbst den Zeitpunkt zu bestimmen, ist doch ein Privileg!

Sie haben in der Corona-Krise noch einmal verlängert – an was werden Sie sich als Führungskraft besonders erinnern?

Der Umgang und die Bewältigung der Pandemie ist eine weltweite Herausforderung und es war für mich eine Selbstverständlichkeit, die erste Phase mit zu managen. In Erinnerung bleiben werden sicher das Zusammenstehen, die Fokussierung auf das Wesentliche, die Bereitschaft, schnell und unbürokratisch zu handeln, die täglichen virtuellen Krisensitzungen mit dem Pandemiestab. Es ist zwar etwas platt, aber Krisen bieten immer auch Chancen und ermöglichen rasche Gestaltungsmöglichkeiten. Die Übernahme der Betreiberverantwortung für das Corona-Behelfskrankenhaus, die Reaktivierung zusätzlicher Kapazitäten in einer unserer ehemaligen Kliniken, der Einkauf medizinischer Schutzausrüstung für das Land Berlin sind nur einige Beispiele.

Vivantes, Charité und Berliner Landespolitik – das ist seit jeher eine brisante Mischung. Welchen Tipp geben Sie Ihrem Nachfolger/ Ihrer Nachfolgerin mit auf den Weg?

Guter Versuch – aber ich werde mich hüten, quasi von der Seitenlinie wem auch immer gute Ratschläge zu geben. Die jetzige operative Geschäftsführung hat mein volles Vertrauen. Ganz zu Anfang habe ich in einem Interview mal gesagt, dass Berlin ein Haifischbecken ist. Ich hatte immer bei aller Ernsthaftigkeit auch Spaß daran, mit all den Akteuren für Vivantes zu handeln, vor allem aber auch, Gesundheitsversorgung in einer Metropole mit zu gestalten.

Im Expertenrat des Gesundheitsministers war von Krankenhausseite ursprünglich keine Frau vorgesehen. Das hat zu einer Diskussion geführt, an deren Ende Sie als Krankenhausvertreterin nominiert wurden. Wie sind Sie denn genau auf die Liste gekommen?

In der Berliner Krankenhausgesellschaft war ich jahrelang stellvertretende Vorsitzende und wurde nach dieser Diskussion seitens der DKG aufgestellt, sodass wir die Vielfalt doch noch ganz gut abgebildet haben.

Im Expertenbeirat prallen ziemlich gegensätzliche Interessen aufeinander, trotzdem liefert das Gremium relativ schnell Ergebnisse. Wie würden Sie die Arbeitsatmosphäre beschreiben?

Als durchweg sachlich und konstruktiv und sich der Ernsthaftigkeit der Lage bewusst. Auch mit den beiden externen Experten, die mit dem Blick von außen und vor allem mit datengetriebenen Analysen unterstützen. Ein gutes Beispiel, dass es abseits der üblichen gepflegten Feindbilder und Stereotypien doch gehen kann – trotz systemimmanenter unterschiedlicher Positionen.

Dem Vernehmen nach haben Sie sich auch auf den Präsidentenposten der Deutschen Krankenhaus­gesellschaft (DKG) beworben. Was hat Sie dazu bewogen?

Mein Landesverband hat mich gefragt, ob ich für dieses Ehrenamt zur Verfügung stehen würde, was mich sehr gefreut hat. Ich habe dies bejaht und kandidiert. Denn wir haben im Klinikwesen überproportional viele Frauen in Führungspositionen, aber das spiegelt die Verbandsebene nicht wider – da ist also noch viel Luft nach oben. Hier müssen wir Frauen Flagge zeigen.

Wie erklären Sie sich diesen Mangel an Frauen in den Krankenhausgesellschaften?

Das ist gerade im Gesundheitswesen mit über 70 Prozent Frauen und durchaus auch in Führungspositionen nicht zu verstehen und zeugt davon, dass noch viel zu tun ist. Aktuell findet ja gerade auch eine politische Auseinandersetzung über Quoten in DAX-Vorständen statt. Interessant, wer da welche Position bezieht. Ich halte diese Entwicklung für die Zukunftsfähigkeit auch und gerade von Verbänden für überlebenswichtig und werde mich auch weiterhin dafür einsetzen und soweit möglich unterstützen. Hier geht es nicht um „Gendergedöns“, sondern um innovative, erfolgreiche diverse Führungsstrukturen.

Haben Sie schon einen Plan für die Zukunft?

Meine „To-do-Liste“ von Aktivitäten, die in der letzten Zeit zu kurz gekommen sind, ist sehenswert! Über die bisherigen Anfragen habe ich mich natürlich gefreut – ich habe aber mit mir selber eine Vereinbarung getroffen, erst einmal etwas Abstand zu gewinnen. Ich habe über 20 Jahre aktives Klinikmanagement betrieben, den überwiegenden Teil bei Vivantes als größtem kommunalen Klinikkonzern Deutschlands. Da kann ich mir diesbezüglich nichts mehr danach vorstellen, durchaus aber weiterhin im Gesundheitswesen. Berlin bleibt mein Lebensmittelpunkt, zurzeit unterstütze ich auch meine Familie bei der Versorgung meiner Mutter in Nordhessen. Wir werden sehen, ich bleibe aktiv neugierig.

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