Nachgefragt

Wertvolle Begleiter

  • Patientensicherheit
  • Szene
  • 30.07.2021

f&w

Ausgabe 8/2021

Seite 676

Ab dem kommenden Jahr wird es für Menschen mit Behinderung erheblich einfacher, eine vertraute Person mit ins Krankenhaus zu nehmen, wenn dies für die erfolgreiche Behandlung notwendig ist.

Was sind die größten Herausforderungen bei der Behandlung und Begleitung von behinderten Menschen im Krankenhaus?

In Deutschland gibt es rund 1,7 Millionen Menschen mit geistiger Behinderung. Auf deren Bedarfe sind nur wenige Krankenhäuser in Deutschland spezialisiert. Im evangelischen Bereich sind dies zum Beispiel die besonderen Einrichtungen wie Krankenhaus Mara in Bielefeld oder Epilepsie- zentrum Kork sowie die Krankenhäuser Alsterdorf in Hamburg oder das Diakonie-Klinikum Stuttgart. Für diese vulnerablen Patient:innen ist die Kommunikation mit dem Krankenhauspersonal häufig kaum möglich. Zusätzlich werden die ungewohnte Umgebung, fremde Personen und die Behandlungsprozeduren als äußerst bedrohlich empfunden. Sie reagieren oftmals mit Abwehr. Die Folge ist, dass eine erfolgreiche Behandlung unmöglich werden kann. Eine Lösung ist die Begleitung durch eine vertraute Bezugsperson. Sie übernimmt die Kommunikation, lindert Ängste und kann in therapeutische Konzepte eingebunden werden. Bisher war die Mitaufnahme von Begleitpersonen ins Krankenhaus zwar grundsätzlich möglich, eine Finanzierung ihres Verdienstausfalls erfolgte aber nicht. Daher konnte eine solche Begleitung oft nicht realisiert werden.

Welche Verbesserungen hat der Gesetzgeber nun auf den Weg gebracht?

Es wurde nun gesetzlich geregelt, dass nahe Angehörige von Menschen mit Behinderung, wenn sie diese ins Krankenhaus begleiten, von der Krankenkasse einen Ersatz des Verdienstausfalls erhalten. Mitarbeitende der Eingliederungshilfe werden dafür von der Eingliederungshilfe vergütet. Dies gilt ab dem vierten Quartal 2022. Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) hat den Auftrag festzulegen, für welche Personengruppen eine solche Begleitung medizinisch notwendig ist. Diesen Prozess werden wir als DEKV im Sinne der betroffenen Menschen aktiv begleiten.

Wie können Kliniken darüber hinaus den Bedürfnissen dieser Menschen gerecht werden?

Die Behandlung von Menschen mit Behinderungen ist zeitintensiv und erfordert Ein- fühlungsvermögen in die besondere Situation. Seit 2019 besteht die Möglichkeit, Qualitätsverträge nach § 110 a SGB V mit den Krankenkassen abzuschließen, um die Versorgung von Menschen mit geistiger Behinderung oder schweren Mehrfachbehinderungen zu verbessern und diesen Mehraufwand für Aufnahme- und Entlassmanagement, Schulung des Behandlungsteams und Kommunikation vergütet zu bekommen. Beim Evangelischen Krankenhaus Alsterdorf besteht der bundesweit erste dieser Verträge. Der DEKV setzt sich dafür ein, dass es mehr werden. 

Christoph Radbruch ist Vorsitzender des Deutschen Evangelischen Krankenhausverbandes e.V. (DEKV)

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