Digitale Souveränität wird für Krankenhäuser zur Überlebensfrage. Während Cyberangriffe zunehmen und Abhängigkeiten von Hyperscalern wachsen, verlangen KRITIS‑Vorgaben 2026 mehr Kontrolle über Daten, Systeme und Infrastruktur. Kliniken müssen jetzt Strategien entwickeln, um unabhängiger, sicherer und resilienter zu werden — von souveränen Cloud‑Lösungen bis zu Open‑Source‑Alternativen.
Es wirkt paradox: Je digitaler Krankenhäuser werden, desto stärker geraten sie in neue Abhängigkeiten. Abhängigkeiten von Hyperscalern, proprietären Systemen und globalen Techgiganten. Digitale Souveränität ist längst keine Option mehr, sondern eine strategische Notwendigkeit für Resilienz, Sicherheit und Innovationskraft. Dennoch fehlt es in den meisten Krankenhäusern an einer klaren Linie. Laut dem „Index Digitale Souveränität“ verfügen nur 21 Prozent der Organisationen über eine definierte Souveränitätsstrategie. Bei Krankenhäusern dürfte der Wert noch deutlich geringer ausfallen.
Digitale Souveränität entsteht nicht nebenbei
Dabei drängt die Zeit. Cyberangriffe nehmen zu, geopolitische Risiken wachsen. Neue Vorgaben wie das KRITIS-Dachgesetz verlangen von Kliniken künftig mehr Schutz vor hybriden Bedrohungen. Gleichzeitig machen der US Cloud Act und Quasi-Monopole deutlich, dass Kliniken, die auf Cloud-Dienste sowie Büro- und Produktivitätssoftware US-amerikanischer Herkunft setzen, im Zweifel die Kontrolle über Daten, Zugriffe und Betriebsfähigkeit verlieren.
Digitale Souveränität entsteht nicht „nebenbei“, sondern durch eine strategische Entscheidung. Das heißt, Kliniken müssen ihre Daten selbst kontrollieren und verarbeiten, ohne dass externe Zugriffe möglich sind. Sie müssen auf flexible, austauschbare Systeme setzen, die auf offenen Standards und Open Source basieren, und sie müssen in der Lage sein, digitale Prozesse eigenständig zu betreiben und bei Bedarf weiterzuentwickeln.
Alternativen zu Platzhirschen
Dass dies kein utopisches Ziel ist, zeigen erste Beispiele: So haben die Sana Kliniken eine Partnerschaft mit STACKIT geschlossen, um eine eigene, hochsichere Cloud-Infrastruktur aufzubauen: autark, skalierbar und europäisch. Bei Büro- und Kollaborationssoftware existieren längst Alternativen zu den Platzhirschen: LibreOffice statt Office 365, Nextcloud statt SharePoint. Plattformen wie „European alternatives for digital products“ oder „Open source alternatives to proprietary software“ verdeutlichen die mittlerweile vorhandene Breite und Professionalität europäischer Lösungen.
Auch die öffentlichen Verwaltungen sind in Bewegung. Vorzeigebeispiel ist Schleswig-Holstein: Trotz der dabei entstandenen Reibungen sind rund 60.000 Mitarbeitende in der Verwaltung auf Open Source umgestiegen. Auch der Bundestag möchte seine digitale Infrastruktur neu denken. Auf EU-Ebene fordern Parlament und Kommission zudem eine strategische Stärkung europäischer Kapazitäten.
Für Kliniken bietet 2026 die Chance, die Weichen selbst zu stellen. Das erfordert Know-how und Geld. Vor allem aber braucht es den Willen, etwas zu verändern. Wenn nicht jetzt, wann dann? Für mehr Zukunftssicherheit, Kontrolle und Vertrauen.