Bilanzgespräch

„Vor der Welle bleiben“

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  • 03.03.2026

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Ausgabe 3/2026

Seite 230

Joachim Gemmel (links) ist seit 2024 Asklepios-CEO. Dem Vorstand gehört er seit dem Jahr 2019 als Chief Operating Officer (COO) an. In seiner Funktion als CEO verantwortet er unter anderem die Asklepios Kliniken Hamburg. Marco Walker ist seit 2024 Asklepios-CEO. Seit dem 1. Juli 2016 ist er Mitglied des Vorstands der Asklepios Kliniken GmbH. Begonnen hat er im Jahr 2002 als Trainee im Konzern. Anschließend hat er unterschiedliche Verantwortlichkeiten übernommen. 

Beide sind Freunde flacher Hierarchien, schneller Prozesse und von Capitation-Modellen. Ihre Vision für Deutschlands zweitgrößte private Klinikkette Asklepios: „Der Gesundheitsversorger für den gesamten Patientenpfad werden, mit den besten Mitarbeitern.“ Die CEO Joachim Gemmel und Marco Walker im Interview.

Herr Gemmel, Herr Walker, die meisten Kliniken schreiben aktuell rote Zahlen, Asklepios hingegen meldet ein positives erstes Halbjahr. Wie erklären Sie das – trotz gleicher Kostensteigerungen wie für den Rest der Branche?

Gemmel: Die wirtschaftliche Lage im Gesundheitswesen ist angespannt. Das zeigen Umfragen und Prognosen quer durch die Häuser – der Ausblick ist düster. Was uns dennoch stabile, wie wir sagen „solide“ Ergebnisse ermöglicht, sind drei Dinge: erstens der anhaltende Zuspruch der Patientinnen und Patienten – wir behandeln mehr Menschen, weil wir gute Medizin machen. Zweitens der Verbund: Wir agieren nicht als isolierte Krankenhäuser, sondern nutzen Skaleneffekte durch vernetzte Standorte und standardisierte Prozesse. Drittens haben wir die Kostensteigerungen nicht eins zu eins wie andere, weil der Verbund administrative Fixkosten drückt, zum Beispiel bei EDV, Abrechnung, Controlling und Einkauf.

Walker: Ebenso wichtig: Agilität. Wir reagieren schnell, passen uns konsequent regulatorischen Neuregelungen an und denken Veränderungen vor. Viele gesetzliche Themen – ob Pflegepersonalvorgaben, Kapazitätsfragen oder neue Regelwerke – haben wir strategisch bereits antizipiert. Oft kommen wir mit Lösungen, bevor andere die Frage stellen. Wir bleiben meist vor der Welle.

Gemmel: Ergänzend dazu: Eine stabile wirtschaftliche Situation ist letztlich ein sich selbst verstärkender Prozess. Wer nicht im Krisenmodus Gehälter und Liquidität sichern muss, kann vorausschauend planen – für das nächste Jahr ebenso wie für die nächsten drei bis fünf Jahre.

Herr Walker, können Sie ein konkretes Beispiel für die besondere Schnelligkeit im Unternehmen nennen? Oft gilt, je größer ein Unternehmen, desto langsamer manche Prozesse …

Walker: Wir organisieren sehr viel an bürokratischen Dingen zentral und entlasten damit die Kliniken vor Ort. Die Geschäftsführungen können sich somit auf Geschäftsentwicklung, Medizin, Pflege, Einweiser, Patienten und Prozesse in ihren Häusern fokussieren. Außerdem lernen wir systematisch voneinander, aus unseren Best Practices und aus Fehlern. Unser „Machmichbesser“-Prozess ist täglich gelebte Verbesserung.

Ihre Marge hält sich stabil bei 2,7 Prozent. Ist Stabilität das Ziel oder wohin soll sie sich entwickeln?

Gemmel: In Zeiten mit oft unklarem politischen Kompass ist es gut, eine stabile Marge zu haben. Daher arbeiten wir täglich daran, sie stabil zu halten. Am Ende ist diese kein Selbstzweck, sondern das, was uns Gestaltungsspielraum eröffnet. Den brauchen wir für Investitionen in Personal, Qualität, Digitalisierung und Infrastruktur.

Walker: Wir zählen zu den Krankenhausträgern mit hohen Investitionsquoten aus dem laufenden Ergebnis. Das verstärkt den positiven Kreislauf: Verdientes Geld fließt in unsere Technologie, IT, Prozesse und Mitarbeiter.

Was sind Ihre Top-3-Prioritäten als CEO für Asklepios für das kommende Jahr?

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