Bilanzgespräch

„Wir hecheln nicht jeder Kostenbremse hinterher“

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  • 02.09.2026

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Ausgabe 9/2026

Seite 826

Sven Heise, Geschäftsführer der Bodden-Kliniken Ribnitz-Damgarten.

Der Plan, aus den Bodden-Kliniken Ribnitz-Damgarten in Ostseenähe eine Plattform regionaler Versorgung zu machen und so die Lücke in der ambulanten Versorgung zu schließen, steht. Gleichzeitig muss Geschäftsführer Sven Heise es auch schaffen, das Minus von 4 Millionen Euro zu verkleinern. Das will auch der Landkreis als Gesellschafter.

Herr Heise, die Bodden-Kliniken Ribnitz-Damgarten sind ein kleines kommunales Haus mit 155 Planbetten, ein typischer Grund- und Regelversorger am Eingang zum Fischland-Darß. Das aktuelle Minus liegt bei 4 Millionen Euro. Ihre Vision für die Klinik ist eine Plattform regionaler Versorgung. Wie weit und wie steinig ist der Weg dorthin?

Wir führen Gespräche mit niedergelassenen Ärzten und weiteren Akteuren im Gesundheitswesen. Die Zusammenarbeit entwickelt sich unterschiedlich schnell. Aber ich gehe davon aus, dass wir 2027 in die volle Umsetzung gehen können. Die Medizinstrategie des Hauses sieht einen sektorenverbindenden Gesundheitscampus vor – mit gemeinsamer Eingangsebene, stationärer Kernversorgung, am-bulanter Fachmedizin, radiologischer Plattform und Telemedizin sowie einer Vernetzung mit Hausärzten, Rettungsdienst, Rehabilitation und Maximalversorgern.

Regional sind wir in der Situation, dass wir relativ dicht an der nächsten Großstadt, Rostock, liegen. Das sind 38 Minuten Fahrzeit. Nach Stralsund sind es 45 Minuten. Das ist wiederum so weit entfernt, dass wir als Krankenhaus für die Versorgung insbesondere der Halbinsel Fischland-Darß an dieser Stelle benötigt werden. Unser Sicherstellungszuschlag könnte dabei eine wichtige Rolle spielen. Mit einem Profil als Fachversorger für elektive Leistungen auf der einen Seite und einer Notfallversorgung, die gegebenenfalls über einen Sicherstellungszuschlag bezuschusst wird, auf der anderen Seite, können wir eine wirtschaftlich sinnvolle Situation herstellen. Das war zumindest die Sichtweise vor Inkrafttreten der aktuellen gesetzlichen Änderungen.

Ziel ist es, sich als Klinik stärker in die ambulante Versorgung einzubringen?

Ja, denn das Entweder-oder von stationär und ambulant halte ich für keine gute Konstruktion. Ich glaube, ein Krankenhaus in einer ländlichen Versorgung braucht eine Art SüV-Struktur. Es gibt de facto einen Mangel an ambulanter Versorgung vor Ort. Teilweise müssen die Menschen da längere Wege in Kauf nehmen als zum Krankenhaus. Das ist widersinnig. Deshalb wollen wir auch mithilfe anderer Partner am Klinikstandort zusätzliche fachärztliche Angebote schaffen und sind in Gesprächen. Mit unserem MVZ bilden wir schon Teile der ambulanten Versorgung ab, wollen das aber ausbauen.

Gelingen könne so eine Plattform regionaler Versorgung nur mit einem veränderten Rollenverständnis, heißt es in Ihrem Fachartikel dazu in unserer Zeitschrift. Gerade das ist doch aber ein dickes Brett, oder?

Wir beginnen zunächst bei uns selbst. Im vergangenen Halbjahr haben wir sieben Klausurtagungen mit unseren Führungskräften durchgeführt. Grundlage war eine umfangreiche Mitarbeiterbefragung, die wissenschaftlich fundiert ausgewertet wurde. Parallel führen wir die Gespräche mit den anderen Akteuren im Gesundheitswesen. Für mich ist entscheidend, zunächst die Frage zu beantworten: Welche Versorgungsstruktur braucht diese Region? Erst danach sollte man über Refinanzierung sprechen. Aus meiner Sicht hat die starke Orientierung an Finanzierungslogiken das Gesundheitswesen in eine Situation geführt, in der einzelwirtschaftlich sinnvolle Entscheidungen nicht zwangsläufig zu guten Ergebnissen für das Gesamtsystem führen.

Wie gut ist die Klinik ausgelastet? Im Sommer in der Urlaubszeit ist die Notaufnahme der Klinik vermutlich voll, in den Wintermonaten bleibt es eher ruhig?

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