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Krankenhaus Rating Report 2019

Jede vierte Klinik im Minus

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Jedes achte Krankenhaus ist in erhöhter Insolvenzgefahr, jedes vierte Haus schreibt Verluste - das ist ein Ergebnis des Krankenhaus Rating Reports 2019. Der Report bezieht sich auf Zahlen aus 2017. Demnach ging es deutschen Kliniken in diesem Jahr so schlecht wie lange nicht mehr: 12 Prozent der Krankenhäuser befanden sich im "roten Bereich" erhöhter Insolvenzgefahr, 81 Prozent im "grünen Bereich". Im Jahr zuvor lagen noch 7 Prozent im "roten Bereich" und 84 Prozent im "grünen Bereich".

Die Ertragslage hat sich 2017 ebenfalls verschlechtert: 28 Prozent der Krankenhäuser schrieben auf Konzernebene einen Jahresverlust, 2016 waren es nur 13 Prozent. "Ausschlaggebend für die schlechtere wirtschaftliche Lage dürfte der Rückgang der stationären Fallzahl um 0,5 Prozent gewesen sein", erklärten die Verfasser (s. auch f&w-Titelstrecke: Das Ende des Wachstums) Als Gründe dafür nennen sie die zunehmende Ambulantisierung, den Personalmangel, ein bereits hoher Sättigungsgrad bei (unter anderem) kardiologischen und orthopädischen Leistungen und intensivere MDK-Prüfungen. Der Fixkostendegressionsabschlag sei dagegen kein großer Faktor. "Wir hatten ihn auch auf der Liste. Dass er die finanzielle Situation von Kliniken nur marginal beeinflusst, hat mich selbst überrascht", erklärte Boris Augurzky, der Vater des Reports.

Am schlechtesten fällt das Rating in Niedersachsen/Bremen, Bayern, Hessen und Baden-Württemberg aus, signifikant besser in Ostdeutschland. Große Krankenhäuser haben typischerweise ein besseres Rating als kleine, auch ein hoher Grad an Spezialisierung beeinflusst das Rating positiv. Kliniken in freigemeinnütziger und privater Trägerschaft schneiden besser ab als öffentlich-rechtliche.

Der Report wird federführend von den Wirtschaftsforschern des RWI um Augurzky erstellt. Datengrundlage des Krankenhaus Rating Reports 2019 sind 466 Jahresabschlüsse von Kliniken aus dem Jahr 2016 und 84 aus dem Jahr 2017. Sie umfassen insgesamt 877 Krankenhäuser mit einem am Umsatz gemessenen Marktanteil von 70 Prozent.

Sächsische Strukturen kosten elf Milliarden Euro

"Die Reformen der Vergangenheit waren rein symptomatisch und haben keine nachhaltige Krankenhausstruktur entstehen lassen", erklärte Sebastian Krolop, einer der Autoren der Studie. Positiv bewerten die Autoren den Strukturfonds, dem der Gesetzgeber kürzlich vier Milliarden Euro bewilligt hat. Er erreiche im Wesentlichen seine Ziele, die Mittel reichen jedoch nicht aus, um in Deutschland eine optimale Struktur der Krankenhäuser zu erreichen. "Nach derzeitigem Stand sollen mithilfe der Fondsgelder 29 Standorte geschlossen werden, insgesamt ist das ein Abbau von 5.290 Betten", so Augurzky. Allerdings handle es sich bei 2.460 davon nur um Verschiebungen an andere Standorte, der Netto-Abbau liebe also nur bei 2.830 Betten. "Das Verschieben beziehungsweise Abbauen eines Bettes kostet demnach 155.000 Euro",  bemerkt der Gesundheitsökonom. "Wenn wir eine schlankere Krankenhausstruktur wie beispielsweise in Sachsen anstreben, müssten wir circa 280 Kliniken schließen. Hochgerechnet auf die Ergebnisse, die wir mit der einen Milliarde aus dem Strukturfonds erzielt haben, hieße das: Wir brauchen insgesamt 11 Milliarden Euro."

Antwortsuche auf die Pflege-Lücke

Auch die Personalentwicklung ist eine Frage, die Augurzky umtreibt. In den kommenden zehn Jahren gehen die Babyboomer in Rente. Sie fehlen auf dem Arbeitsmarkt und rufen mehr gesellschaftlichen Pflegeeinsatz auf. Das führe bis Ende der 2020er Jahre zu einer Lücke von 1,3 Millionen Fachkräften im Gesundheitswesen, so Augurzky. Wie diese Lücke geschlossen werden kann, ist auch für den Ökonom schwer zu sagen. Er liefert Denkansätze wie die hohe Teilzeitquote in der Pflege zu reduzieren, den Beruf generell attraktiver machen sowie eine qualifizierte Zuwanderung.

Autor

 Jens Mau

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