Digitalisierung hinkt hinterher

BMWi will 500 Millionen Euro in Klinik-IT investieren

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BMWi will 500 Millionen Euro in Klinik-IT investieren
© iStock.com/PashaIgnatov

Das Bundeswirtschaftsministerium prescht in der aktuellen Debatte um die mangelhafte Digitalisierung des Gesundheitswesens nun vor. Ministerin Brigitte Zypries hat die Gesundheitsbranche bei der heutigen Vorstellungen eines neuen Eckpunktepapiers "zu den am wenigsten digitalisierten Branchen" gezählt. Sie schlägt daher unter anderem vor, Investitionen in die digitale Infrastruktur mit zusätzlichen 500 Millionen Euro für die deutschen Universitätskliniken zu fördern. Die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) begrüßte den Vorschlag und bewertete ihn als ein "Bekenntnis der Koalition zur Förderung der digitalen Infrastruktur in Krankenhäusern", auch mit Bezug auf die jüngsten Cyberattacken, denen in Großbritannien 48 Kliniken zum Opfer gefallen sind. Es sollten allerdings nicht nur die Unikliniken, sondern alle Krankenhäuser von einer zusätzlichen Förderung profitieren, forderte DKG-Hauptgeschäftsführer Georg Baum.

Deutschland hinkt bei der Digitalisierung des Gesundheitswesens stark hinterher und macht immer noch grundlegende Fehler bei der Bewältigung dieser Aufgabe. Zu diesem Ergebnis kommen auch die Autoren der aktuellen f&w-Titelstrecke zu den andauernden Cyberattacken auf Krankenhäuser. "Schluss mit der Mangelwirtschaft", fordert etwa der Leiter der IT bei den Sana Kliniken, Bernd-Christoph Meisheit, in einem Gastbeitrag in der aktuellen f&w. Zwar habe die Bundesregierung zum Beispiel mit dem IT-Sicherheitsgesetz den richtigen Schritt getan. Es fehle jedoch auch bei diesem Vorhaben an einer soliden Gegenfinanzierung, die Häuser bräuchten sowohl Personal als auch Geld.

Ähnlich sieht das Bild aus Sicht der Krankenhäuser beim angeblich anstehenden Rollout der Telematikinfrastruktur aus. Ein Prozess, der aus Sicht des Bundesgesundheitsministeriums schon kommendes Jahr abgeschlossen sein soll. „Es gibt zu wenige zuverlässige und verbindliche Aussagen“, sagt Uta Knöchel, Leiterin der Stabsstelle IT beim Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (UKSH), gegenüber f&w. Projekt- und Finanzplanung hingen dadurch in zentralen Bereichen in der Luft. Vor allem könnten bisher weder Hersteller noch Kliniken die für den Betrieb dringend benötigten Support-Strukturen aufbauen. Aus der verantwortlichen Gesellschaft für Telematikanwendungen der Gesundheitskarte (Gematik) erreichten die Häuser selbst zu grundlegendsten Anliegen - wie etwa dem Stand der Telematik-Testläufe - keine Informationen, wie Recherchen von f&w ergaben.

Auch Vertreter der Ärzteschaft teilen die grundsätzliche Kritik am Stand der Digitalisierung im Gesundheitswesen. Der letzte Deutsche Ärztetag habe aber gezeigt, "dass sich die Ärzteschaft – wenn auch mit Verspätung – in einer Aufbruchphase befindet und in hohem Maße bereit ist, die Chancen von Digital Health anzunehmen und aktiv mitzugestalten", sagte der Vorsitzende des Hartmannbundes, Klaus Reinhardt, heute in Berlin. Er fordert die Schaffung neuer Strukturen, die schnell die Sinnhaftigkeit und Qualität neuer Entwicklungen zum Beispiel im "explodierenden" Markt von Gesundheits-Apps bewerten können.

Autor

 Peter Carqueville

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