Gematik feiert "Meilenstein"

Telematik-Rollout vermutlich erst ab Herbst

  • News des Tages
iStock_81457399_LARGE.jpg
© iStock.com/onurdongel

Die Gesellschaft für Telematikanwendungen der Gesundheitskarte (Gematik) hat  angekündigt, dass "voraussichtlich ab Herbst" dieses Jahres die ersten Geräte für den Start des staatlichen digitalen Gesundheitsnetzes Telematik zur Verfügung stehen könnten. Dem war die offizielle Freigabe der finalen Vorgaben zur gerätetechnischen Zulassung und der Telematikinfrastruktur vorausgegangen. "Wir sind glücklich über diesen Meilenstein", sagte Gematik-Geschäftsführer Alexander Beyer Ende vergangener Woche in einer entsprechenden Pressemitteilung.

Die Hersteller der für die Telematik benötigten Geräte können laut Gematik ab jetzt ihre Produkte finalisieren und anschließend zur Zulassung anmelden. Die Geräte sind die Grundlage für den flächendeckenden Start der Telematik zum Beispiel in den Krankenhäusern. Der Rollout der mit der Inbetriebnahme verbundenen grundlegendsten Funktion der Telematik, dem Versichertenstammdatenmanagement (VSDM), verschiebt sich demnach auf den Abschluss der Geräte-Marktzulassungen; der frühestmögliche Zeitpunkt wäre dann Herbst 2017.

Laut E-Health-Gesetz muss der Rollout der Telematik mit VSDM zum 1. Juli 2018 abgeschlossen sein. Andernfalls drohen empfindliche finanzielle Strafen für die Gesellschafter der Gematik, darunter die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) und den Spitzenverband der Gesetzlichen Krankenversicherung. Fraglich ist, ob der Rollout in dieser Form bis zur gesetzten Frist überhaupt umgesetzt werden kann. Während die Gematik mitteilt, man stehe nun für Zulassungsanträge bereit und die Industrie sei "am Zuge", beklagten Krankenhaus-IT-Leiter und Industrie bis zuletzt die schlechte Informationspolitik der Gematik. Es mangele selbst an den grundlegendsten Informationen, die jetzt bereits nötig wären, um zum Beispiel Support-Strukturen für den Betrieb der neuen Geräte aufzubauen oder wenigstens Mitarbeiter in den vermutlichen veränderten Arbeitsprozessen in Verbindung mit dem VSDM zu schulen (siehe auch neue f&w-Ausgabe 6/2017).

Vor der Bundestagswahl wird es deshalb vermutlich keinen flächendeckenden Einsatz der Telematik mehr geben. Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) hatte Anfang 2015 in einem Gastbeitrag in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung scharfe Kritik an den "Blockierern" in der Gematik geübt und schnelle Ergebnisse bei der Digitalisierung des Gesundheitswesens gefordert. Zu diesem Zweck hatte sich sein Ministerium noch im gleichen Jahr über das E-Health-Gesetz vorbehalten, die Nicht-Einhaltung diverser Fristen im Gesetz mit harten finanziellen Strafen für die Gesellschafter der Gematik zu quittieren.

Das VSDM etwa hätte demnach schon im Juli 2016 in Betrieb gehen sollen. Diese Frist verschob Gröhe schon kurz nach Gesetzesbeschluss auf den 28. November 2016 und, als auch dieser Termin nicht eingehalten werden konnte, schließlich auf den 30. Juni dieses Jahres. Als Gründe wurden eine unzureichende Gerätetechnik genannt sowie die deshalb immer wieder verschobene Erprobung der VDSM und der elektronischen Signatur in den zwei Testgebieten Nordwest und Südost. Deren Ergebnisse sollten die Grundlage für die nun erfolgte Freigabe des Online-Produktivbetriebs der Telematik darstellen.

Aus der im Frühjahr angelaufenen Testregion Nordwest liegen bis dato keine Ergebnisse vor. Die Erprobung im Südosten wurde bis auf weiteres abgesagt, wie dem Status-Bericht der Gematik im März 2017 zu entnehmen war. Kritik an der schleppenden Umsetzung des E-Health-Gesetzes kam vergangene Woche von Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries. Sie stellte ein Eckpunktepapier vor, welches unter anderem zusätzliche 500 Millionen Euro für Investitionen in die Digitalisierung von Universitätskliniken vorsieht. Die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) begrüßte den Vorschlag und bewertete ihn als ein "Bekenntnis der Koalition zur Förderung der digitalen Infrastruktur in Krankenhäusern".

Autor

 Peter Carqueville

Abonnieren Sie unseren Newsletter

Mit unserem täglichen Newsletter informieren wir bereits rund 10.000 Empfänger über alle wichtigen Meldungen aus den Krankenhäusern und der Gesundheitsbranche


Kontakt zum Kundenservice

Rufen Sie an: 0 56 61 / 73 44-0
Mo - Fr 08:00 bis 17:00 Uhr

Senden Sie uns eine E-Mail:
info@bibliomedmanager.de

Häufige Fragen und Antworten finden Sie im Hilfe-Bereich