Barmer Krankenhausreport 2020

Barmer will mehr OPs in erfahrenen Kliniken

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Barmer will mehr OPs in erfahrenen Kliniken
Male veterinarian picking up surgical tool from tray. Surgeon is preparing for surgery in operating room. He is in animal hospital. © GettyImages/Morsa Images

Etliche Todesfälle könnten bei Operationen verhindert werden, wenn sie in Krankenhäusern mehr Fallzahlen durchgeführt würden. Zu diesem Ergebnis kommt der neue Barmer Krankenhausreport. Christoph Straub, Vorstandsvorsitzender der Barmer, fordert bei Operationen einen Masterplan für mehr Wettbewerb um Qualität. 

Wie die Kasse berichtet, sterben jährlich rund 100.000 Menschen nach einer Operation im Krankenhaus. Viele dieser Todesfälle wären durch einen Eingriff in einer Klinik mit mehr Erfahrung vermeidbar, so das Fazit. So könnten allein bei Eingriffen wie bei Pankreas- und Darmkrebs fast 380 Todesfälle pro Jahr verhindert, wenn diese Eingriffe in Kliniken mit doppelt so hoher Fallzahl durchgeführt würden. Hinzu kommen aber noch weitere Faktoren. Mindestens ebenso wichtig sei eine hohe Prozess- und Strukturqualität. Es würden interdisziplinäre Teams sowie eingespielte Abläufe vor und während der Eingriffe und eine entsprechende instrumentelle Ausstattung benötigt. 

Volume-Outcome-Zusammenhang

In dem Report wurden fünf komplexe, planbare chirurgische Eingriffe untersucht: Bariatrische Chirurgie, Eingriffe bei Bauchaortenaneurysmen, Chirurgische Behandlung bei Darmkrebs, Pankreaskrebs und Wirbelsäulenchirurgie. Um die Ergebnisse vergleichbar zu machen, wurden dieselben Analyseparameter zugrundegelegt. Die Behandlungsqualität wurde anhand der 30-Tages-Sterblichkeit sowie Wiedereinweisungs- und Komplikationsraten gemessen. Die Ergebnisse der Analyse weisen auf vorhandene Volume-Outcome-Zusammenhänge hin. Dieser Zusammenhang liegt vor, wenn die Qualität einer Krankenhausbehandlung mit steigender Fallzahl zunimmt, was darauf zurückgeführt wird, dass das medizinische Personal bei einer höheren Fallzahl auch mehr Erfahrung und bessere Routinen hat. 

Der Volume-Outcome-Zusammenhang ließ sich jedoch nicht für jede der untersuchten Behandlungen nachweisen. So gibt es zum Beispiel bei Bauchaortenaneurysmen ohne Ruptur keinen Volume-Outcome-Zusammenhang bei der 30-Tages-Sterblichkeit. Auch bei den anderen Parametern gibt es keinen klaren Zusammenhang. So treten in Krankenhäusern mit hohen Fallzahlen zwar weniger allgemeine, dafür aber mehr spezifische Komplikationen auf. Auch bei Eingriffen an der Wirbelsäule war kein Volume-Outcome-Zusammenhang erkennbar. Aus dem Report geht hervor, dass neurologische Komplikationen im Vordergrund stehen, die in den Routinedaten aber nicht erfasst werden. 

Fallzahlen wichtiger als Wohnortnähe

Zuletzt wurde auch die Erreichbarkeit der Kliniken analysiert. Demnach erreicht ein Großteil der Bevölkerung Kliniken mit hohen Fallzahlen innerhalb von 60 Minuten. "Um bessere Qualität bei planbaren Operationen zu erzielen, lohnt sich ein etwas längerer Anfahrtsweg", so Straub, "Vor allem bei komplizierten Eingriffen sollten hohe Fallzahlen und Spezialistenteams bei der Auswahl gewichtger sein als die unmittelbare Wohnortnähe." Im Fall von Darmkrebs-Behandlungen trifft die Erreichbarkeit innerhalb von 60 Minuten zum Beispiel auf 99 Prozent der Bevölkerung zu. Kliniken mit höherer Fallzahl weisen bei diesen Eingriffen eine geringere Sterblichkeitsrate, insbesondere bei lokalen Exzisionen auf. Bei einer Verdoppelung der Fallzahl je Klinik könnten jährlich 240 Todesfälle vermieden werden.

Mehr Daten würden jedoch zu noch verlässlicheren Ergebnissen führen. „Es braucht zusätzliche Datenquellen mit medizinischen Parametern. Hier sind klinische Register enorm hilfreich. Diese müssen nun zügig und konsequent ausgebaut werden“, sagt Prof. Dr. Boris Augurzky, Autor des Krankenhausreports und Leiter des Kompetenzbereichs Gesundheit am RWI. Eine Zertifizierung von Krankenhäusern könne für die Patienten eine gute Orientierung bieten.

Hier geht es zum vollständigen Krankenhausreport.

Autor

 Luisa-Maria Hollmig

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