Intensivmedizin

Impfstatus ist kein Kriterium bei Triage

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Impfstatus ist kein Kriterium bei Triage
© Getty Images/Sascha Schuermann/Freier Fotograf

Der ungebremste Anstieg an Infektionen beschert Deutschland jeden Tag einen neuen Negativrekord. Mit mehr als 76.000 Neuinfektionen steigt die Sieben-Tages-Inzidenz auf 438,2. Mit den steigenden Infektionszahlen laufen immer mehr Intensivstationen im Land voll. Uwe Janssens, Past Präsident der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI), Sprecher der Sektion Ethik sowie Chefarzt der Klinik für Innere Medizin und Internistische Intensivmedizin am St.-Antonius-Hospital, rechnet damit, dass in Kürze der Höchststand vom Januar mit über 5.000 Covid-Patienten auf den Intensivstationen erreicht wird und dass man diesen sicherlich überschreiten wird. In vereinzelten Regionen liege der Anteil an intensivpflichtigen Covid-Patienten bei bis zu 60 Prozent. In dieser Woche wurde das Kleeblatt-Konzept für die Regionen Ost und Süd aktiviert, verschiedene Mediziner warnen vor Triage. „Wir alle bereiten uns auf eine Triage vor“, sagte der Vorsitzende des Weltärztebundes, Frank Ulrich Montgomery den Zeitungen der Funke Mediengruppe. 

Die DIVI äußerte sich in einer Pressekonferenz am Freitag zu den Themen Triage und Priorisierung. Im März 2020, kurz nach Beginn der Pandemie, veröffentlichte die Fachgesellschaft die erste Version der Empfehlungen über die Zuteilung intensivmedizinischer Ressourcen im Kontext der Covid-Pandemie. Damals hatten die Bilder aus Bergamo erschütternd den Zusammenbruch des westlichen Gesundheitssystems vor Augen geführt. Bis zum heutigen Tag mussten diese Empfehlungen nicht angewendet werden. „Jetzt, knapp 23 Monate später, hat sich die Situation dramatisch verändert. Wir kämpfen mit der hohen Infektion der Delta-Variante und dem zunehmenden Verlust von Intensiv-Mitarbeitern“, sagt Janssens. Hinzu komme eine unzureichende Impfquote, vor allem in stark betroffenen Regionen. Die Empfehlungen wurden im März 2020 mit Experten unterschiedlicher Fachgebiete formuliert, um für den damals in „Deutschland unwahrscheinlichen Fall einer totalen Überlastung des Gesundheitssystems mit fatalen Folgen für die Versorgung schwerkranker Patienten gewappnet zu sein, so Janssens. Inzwischen sei es eine zunehmend realistische Befürchtung, dass die Krankenhäuser aufgrund nicht mehr ausreichend verfügbarer Ressourcen Patienten nicht mehr versorgen können und man dann entscheiden müsse, wer eine Behandlung erhält. Vor diesem Hintergrund war es zwingend notwendig, die Handlungsempfehlungen zu ergänzen. 

Impfstatus nicht entscheidend

Im Kern sind diese Empfehlungen gleich geblieben, so Prof. Dr. Georg Marckmann, Vorstand des Instituts für Ethik, Geschichte und Theorie der Medizin an der LMU München. Ließe es sich nicht vermeiden und man müsse priorisieren, gelte stets das Kriterium der klinischen Erfolgsaussicht, gemessen an der Überlebenswahrscheinlichkeit im Hinblick auf den aktuellen Intensivverlauf. Hier sind auch der allgemeine Gesundheitszustand und Begleiterkrankungen entscheidend. „Wir sind der Überzeugung dass es nach wie vor das richtige Kriterium ist, weil wir damit sicherstellen können, dass mit den begrenzten Ressourcen möglichst viele Menschenleben gerettet werden können“, so Marckmann. Es würden allenfalls solche Menschen nicht behandelt, die trotz Intensivmedizin mit ganz großer Wahrscheinlichkeit ohnehin versterben würden.

Der Impfstatus der Patienten spielt keine Rolle, „die ärztliche Hilfspflicht gilt in jeder Situation“, betont Marckmann. 

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Autor

 Luisa-Maria Hollmig

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