Digitalisierung und Künstliche Intelligenz (KI) könnten im deutschen Gesundheitswesen jährlich rund 80 Milliarden Euro Nutzenpotenzial erschließen. Das geht aus einer aktuellen McKinsey-Studie hervor. Gegenüber der Vorgängerstudie aus dem Jahr 2022 mit 42 Milliarden Euro hat sich das Potenzial innerhalb von vier Jahren nahezu verdoppelt.
Die Analyse beziffert das jährliche Nutzenpotenzial digitaler Technologien und KI im deutschen Gesundheitswesen für 2026 auf rund 80 Milliarden Euro. 2022 lag der Wert noch bei 42 Milliarden Euro.
Als Treiber des Anstiegs nennt die Studie höhere Gesundheitsausgaben, breiter einsetzbare Basistechnologien, den systematischen Einsatz von KI sowie bereits realisierte Digitalisierungserfolge.
Für die Untersuchung analysierte McKinsey 28 digitale Technologien und berücksichtigte Erkenntnisse aus rund 150 zusätzlichen aktuellen Publikationen.
KI: 22,8 Milliarden Euro zusätzliches Potenzial
Einen wesentlichen Anteil des Potenzials schreibt die Studie der KI zu. Insgesamt beziffert sie den KI-bedingten Hebel auf 23,9 Milliarden Euro. Davon gelten 22,8 Milliarden Euro als bislang nicht erschlossenes jährliches Potenzial.
Erstmals berücksichtigt die Analyse vier neue KI-basierte Anwendungsfelder: prädiktive Bedarfs- und Kapazitätsplanung, optimierte Dienst- und Personalplanung, erweiterte Mustererkennung sowie Umsatzzyklus- und Abrechnungsoptimierung.
Gesundheitsausgaben steigen auf 479 Milliarden Euro
Die dem Modell zugrunde liegende Kostenbasis für digitale Lösungen stieg laut Studie von 343 Milliarden Euro im Jahr 2022 auf 479 Milliarden Euro im Jahr 2026. Das entspricht einem Anstieg um 136 Milliarden Euro. Allein dieser Effekt vergrößert das bislang unerschlossene Nutzenpotenzial um 12,6 Milliarden Euro.
Zusätzlich verweist die Studie auf eine deutlich breitere Evidenzbasis für digitale Anwendungen. Nach Angaben der Autoren weisen 85 Prozent der aktuellen europäischen E-Health-Studien einen klaren Nutzen nach. Das Modell wurde deshalb um elf zusätzliche Anwendungsfälle bestehender Technologien erweitert. Dadurch erhöhte sich das erschließbare Potenzial gegenüber 2022 um weitere 11,5 Milliarden Euro.
Realisierter Nutzen steigt auf 11,5 Milliarden Euro
Neben dem theoretischen Potenzial weist die Studie auch auf bereits erreichte Effekte hin. Der realisierte Nutzen digitaler Technologien beträgt 2026 rund 11,5 Milliarden Euro pro Jahr. 2022 lag dieser Wert noch bei 1,4 Milliarden Euro. Damit hat sich der tatsächlich gehobene Nutzen innerhalb von vier Jahren mehr als verachtfacht.
Weitere 10,1 Milliarden Euro wurden seit 2022 zusätzlich realisiert. Als Ursachen nennt die Studie regulatorische Vorgaben und die zunehmende technologische Reife digitaler Anwendungen.
Größter Hebel liegt in der Nutzung bestehender Anwendungen
Für die weitere Entwicklung sieht die Studie den größten Hebel nicht mehr primär in zusätzlichen Zugängen zu digitalen Angeboten. Erstmals unterscheidet das Modell konsequent zwischen Zugang und tatsächlicher Nutzung digitaler Technologien.
Nach Angaben der Autoren lässt sich durch die intensivere Nutzung vorhandener Anwendungen rund zehnmal mehr Potenzial erschließen als durch die bloße Ausweitung bestehender Zugänge.
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