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Digitalisierung bringt Einsparpotenzial in Milliardenhöhe

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Digitalisierung bringt Einsparpotenzial in Milliardenhöhe
© GettyImages/Jackie Niam

Laut einer aktuellen McKinsey & Company-Studie könnten durch die Digitalisierung im Gesundheitswesen 42 Milliarden Euro pro Jahr gespart werden. Das entspricht rund zwölf Prozent der jährlichen Gesundheits- und Versorgungskosten von zuletzt 343 Milliarden Euro, heißt es in einer Mitteilung. Durch den Einsatz digitaler Technologien könnten Versorgungsqualität und Kosteneffizienz erhöht und gleichzeitig Behandlung und Betreuung von Patienten sowie die Arbeitssituation der Mitarbeitenden im Gesundheitswesen verbessert werden. Das größte Einsparpotenzial liegt in der elektronischen Patientenakte (ePA), Online-Interaktionen und -Terminvereinbarungen zwischen Arzt und Patient sowie die Fernüberwachung und -unterstützung von chronisch Erkrankten. Insgesamt habe sich das Digitalisierungspotenzial im Gesundheitswesen innerhalb von vier Jahren um rund acht Milliarden Euro (24 Prozent) erhöht. In der Vorgängerstudie aus dem Jahr 2018 wurde noch ein Einsparpotenzial von 34 Milliarden Euro beziffert.

Die 42 Milliarden Euro setzen sich aus verschiedenen Komponenten zusammen, von denen alle Akteure im Gesundheitswesen profitieren würden. Auf der einen Seite durch Produktivitätssteigerung bei den Leistungserbringern (61 Prozent). Die Produktivitätssteigerungen (28,8 Milliarden Euro) verteilen sich auf die stationäre Krankenhausversorgung (12,4 Milliarden Euro), die ambulante (hausärztliche) Versorgung (11,1 Milliarden Euro) und andere Bereiche wie die Langzeitpflege (2,3 Milliarden Euro). Auf der anderen Seite steht die Verringerung des medizinischen Bedarfs (39 Prozent, 16,4 Milliarden Euro). Diese resultiere aus der Vermeidung unnötiger Doppeluntersuchungen oder einer Verlagerung hin zu weniger invasiven Untersuchungsmethoden. Dadurch verbessert sich gleichzeitig die Qualität der Behandlung. Dazu gehört etwa die Reduzierung der stationären Krankenhausaufenthalter chronisch kranker Menschen dank Fernüberwachung. 

Für die Studie wurde das Nutzenpotenzial von 26 digitalen Gesundheitstechnologien analysiert und in sechs Lösungskategorien zusammengefasst:

  1. Online-Interaktion: Telekonsultation, Fernüberwachung chronisch kranker Patienten. Dadurch wird der Zeitaufwand bei Patienten und Ärzten reduziert. Einsparpotenzial: 12 Milliarden Euro (2018: 8,9 Milliarden Euro)
  2. Umstellung auf papierlose Datenverarbeitung durch elektronsiche Patientenakte und eRezept: 9,9 Milliarden Euro (2018: 9 Milliarden Euro)
  3. Arbeitsabläufe/Automatisierung durch mobile Vernetzung von Pflegepersonal oder die auf Barcodes basierte Verabreichung von Medikamenten: 6,7 Milliarden Euro (2018: 5,6 Milliarden Euro)
  4. Entscheidungsunterstützung durch Datentransparenz, zum Beispiel durch den Einsatz von Software, um Doppeluntersuchungen von Patienten zu vermeiden: 6,4 Milliarden Euro (2018: 5,6 Milliraden Euro)
  5. Patientenselbstbehandlung, zum Beispiel durch Gesundheits-Apps oder digitale Diagnosetools: 4,6 Milliarden Euro (unverändert seit 2018)
  6. Patienten-Self-Service durch Onlineportale zur Terminvereinbarung: 2,5 Milliarden Euro (unverändert seit 2018)

Die Digitalisierung verspreche darüber hinaus auch einen Nutzen für agrenzende Bereiche der Wertschöpfungskette. Ein besserer Datenaustausch eröffne beispielsweise die Möglichkeit einer gezielteren pharmazeutischen Forschung und Entwicklung mit einer entsprechend höheren Wirksamkeit von Therapien. Die Digitalisierung wird jedoch häufig vom Datenschutz ausbremst. „Der Datenschutz kann etwa dazu führen, dass ein Arzt in der Notaufnahme aufgrund einer technischen Zugriffsblockade nicht die Behandlung desselben Patienten durch den Facharzt einsehen kann, da der Notfallmediziner nicht an der ursprünglichen Behandlung beteiligt war“, sagte Markus M. Lerch, Vorsitzender des Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM), Ärztlicher Direktor und Vorstandsvorsitzender am LMU-Klinikum München. Mit einem Gesetzenwurf für einen europäischen Gesundheitsdatenraum könnte nun jedoch Bewegung in die Sache kommen.

Autor

 Luisa-Maria Hollmig

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