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Ohne digitale Kompetenzen keine digitale Transformation

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Jared Sebhatu
Jared Sebhatu © Klaus D. Wolf / Europäischer Gesundheitskongress München

Die Vermittlung digitaler Kompetenzen wird über den nachhaltigen Erfolg der digitalen Transformation entscheiden. Jared Sebhatu, Chief Executive Officerfordert bei der Genossenschaft digital health transformation, fordert neue Ausbildungsformate, denn sie bilden das Fundament für die Digitalisierung klinischer Abläufe.

Die Pflege arbeitet am Anschlag und das spürt man längst nicht nur auf Station, sondern schon in der Ausbildung. Hohe Belastung, Personalmangel und ständiger Zeitdruck treffen auf Auszubildende, die früh Verantwortung übernehmen, ohne sich in Abläufen, Priorisierung und Kommunikation wirklich sicher zu fühlen. Das Ergebnis ist bekannt: Überforderung, Unzufriedenheit, Jobwechsel und Ausbildungsabbrüche, die die ohnehin schmale Personaldecke weiter ausdünnen.

Digitalisierung kommt obendrauf

In genau diesem Kontext sollen dann Datenanalysen, Künstliche Intelligenz und klinische Entscheidungsunterstützung den Fortschritt bringen. Aber in der Praxis scheitert Digitalisierung selten an fehlenden Ideen. Sie scheitert daran, dass wir den wichtigsten Teil unterschätzen: Menschen müssen sie umsetzen, häufig unter extremen Bedingungen.

Wenn neue digitale Prozesse eingeführt werden, entsteht schnell das Gefühl: „Noch mehr Aufwand.“ Nicht, weil Digitalisierung grundsätzlich abgelehnt wird, sondern weil sie obendrauf kommt, statt den Arbeitsalltag spürbar zu entlasten.

Genau deshalb ist die Ressourcenfrage auch eine Kompetenzfrage. Digitale Transformation braucht Zeit und Raum für Vorbereitung und Sicherheit im Umgang mit Daten. Wer keine digitale Routine hat, kann mit zusätzlichen Informationsquellen wenig anfangen. Daten werden dann nicht zur Entscheidungsgrundlage, sondern zur zusätzlichen Belastung. Und Systeme, die eigentlich unterstützen sollen, erzeugen neue Dokumentationspflichten.

Ausbildung neu denken

Die Konsequenz liegt auf der Hand: Wir brauchen Ausbildungsformen, die digitale Kompetenz nicht als Zusatzmodul behandeln, sondern als Grundlage. Dazu gehören Datennutzung, Prozessdenken und technologiegestützte Entscheidungen. Der Einsatz von Innovationen wie Virtual Reality und digitale Simulationen in der Pflegeausbildung zeigt bereits, welches Potenzial in der Vermittlung digitaler Kompetenzen steckt.

Digitalisierung wird nur dann wirksam, wenn sie in Kompetenz übersetzt wird. Und Kompetenz entsteht nicht durch Software, sondern durch Lernen. Wer Transformation will, muss deshalb zuerst in Ausbildung und Rahmenbedingungen investieren, sonst bleibt digitale Transformation weiterhin eher ein Konzept als tatsächliche Versorgungspraxis.

Autor

 Jared Sebhatu

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