"Orientierungswert" zur Bertelsmann-Studie

"Als seriöser Partner hat sich die Stiftung längst diskreditiert"

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"Als seriöser Partner hat sich die Stiftung längst diskreditiert"

Die Bertelsmann Stiftung bemängelt in einer Studie die Pandemie-Bekämpfung der deutschen Krankenhäuser. Das Papier hat Michael Weber zu folgender Kritik an der Stiftung und ihrer Autoren veranlasst.

Wenn noch irgendein Zweifel bestand: Spätestens jetzt ist er widerlegt! Die Bertelsmann Stiftung betreibt für die Krankenkassen wissenschaftlichen Lobbyismus  in Reinkultur. Denn auch die neue „Studie“ eines Ländervergleichs der stationären Pandemieversorgung aus der ersten Welle wiederholt die altbekannten Thesen des Krankenhaus-Bashings. Dabei sollte inzwischen jedem in der wirklich bedrohlichen zweiten Welle klargeworden sein, wie wichtig die Reservekapazitäten in deutschen Krankenhäusern für die Versorgung sind und waren. Trotzdem können Kassen und von diesen beauftragte Experten der Versuchung nicht widerstehen, die Pandemie als Katalysator für Standortschließungen zu nutzen. Dazu ist jetzt aber wirklich nicht der passende Zeitpunkt. Zum Höhepunkt der zweiten Welle waren die Intensivstationen mit fast 6.000 Covid-Fällen am Limit und Pflegende und Ärzte mehr als überlastet. Nach Daten des DIVI-Intensivregisters wurden 40 Prozent der Intensivbehandlungen in mittleren und kleinen Krankenhäusern durchgeführt, in einigen Bundesländern wie Brandenburg und Sachsen sogar 50 Prozent. Ohne diese Häuser wäre die Versorgung zusammengebrochen. Deshalb ist es mehr als unanständig deren enorme Leistung für unser Gesundheits- und Sozialsystem zu diskreditieren und ihre Schließung zu fordern. Maximalversorger waren kaum noch aufnahmebereit, und mussten ihre Kapazitäten für die besonders schweren Fälle mit ECMO-Therapie bereitstellen. 

In Deutschland konnten immer alle Covid-19 Patienten wenn notwendig stationär versorgt werden, was in den in der Studie aufgeführten Ländern wie Schweden sicher nicht der Fall war. Wollen wir wirklich eine – von niemandem gewollte – Triage durch Kapazitätsengpässe provozieren? Besonders die irritierende Interpretation der Studie durch die Autoren J. Böcken und U. Preusker macht sprachlos. So sei der Schutzschirm der Krankenhäuser 2020 mit Zahlungen aus Steuermitteln von insgesamt neun Milliarden Euro völlig unnötig gewesen, auch wenn durch die Analysen von Professor Boris Augurzky belegt ist, dass sie fast als Punktlandung die Erlösausfälle der somatischen Kliniken bis September 2020  ausgeglichen haben. Glaubt wirklich jemand, dass Kliniken mit finanziellen Existenzsorgen eine gute Versorgung leisten können? 

Zur Schaffung zusätzlicher Krankenhauskapazitäten für Covid-19 Patienten wurden und werden elektive Eingriffe soweit medizinisch verantwortbar verschoben. Jetzt die Frage zu stellen, ob wegen dieser Verschiebung die Eingriffe überhaupt notwendig gewesen seien, ist mehr als unseriös. Es ist an der Zeit, Transparenz darüber zu fordern, wer diese Studien in Auftrag gibt und in welchen Höhen sich die Honorare der fast immer gleichen Gutachter und Autoren bewegen. Als seriösen Partner in der notwendigen Diskussion um eine zukünftige Krankenhausstruktur hat sich diese Stiftung längst diskreditiert. Die Politik muss sich fragen, wessen Interessen hier vertreten werden, sicher nicht die einer qualitativ hochwertigen Versorgung aus Patientensicht.
 

Autor

PD Dr. med. Michael Weber

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