Laut Barmer könnten 3,5 Millionen Krankenhausfälle ambulant erfolgen. Das Potenzial bleibt weitgehend ungenutzt.
Nach Berechnungen der Barmer hätten im vergangenen Jahr bundesweit knapp 3,5 Millionen vollstationäre Krankenhausfälle grundsätzlich ambulant erfolgen können. Zwar ist der Anteil gegenüber dem Jahr 2019 gesunken, als noch gut 4,5 Millionen Fälle beziehungsweise 24 Prozent als ambulantisierbar galten. Nach Auffassung der Krankenkasse wird das Potenzial jedoch weiterhin nicht ausreichend ausgeschöpft. Frühere Erhebungen, etwa des Wido, hatten ein noch höheres Ambulantisierungspotenzial von bis zu 60 Prozent benannt.
Grundlage der Auswertung ist der erweiterte Versorgungskompass der Barmer, der Daten zu vermeidbaren Krankenhausfällen bis auf Kreisebene darstellt und neue Abrechnungsmöglichkeiten für Eingriffe berücksichtigt. Die Daten reichen bis zum Jahr 2025 und sollen Unterschiede zwischen Regionen sowie Entwicklungen im Zeitverlauf sichtbar machen.
"Der Gesetzgeber hat zwar einiges getan, um das Prinzip ,ambulant vor stationär‘ zu stärken. Der bisherige Effekt reicht aber noch nicht aus. Es muss deutlich mehr getan werden, um das verbleibende Ambulantisierungspotenzial zu heben", sagt der Vorstandsvorsitzende der Barmer, Christoph Straub.
Daten zeigen Rückgang, aber weiterhin hohes Potenzial
Dem Versorgungskompass zufolge bestehen in allen Bundesländern erhebliche Möglichkeiten, Behandlungen aus dem stationären in den ambulanten Bereich zu verlagern. Die Spannweite reicht für das Jahr 2025 von 17,8 Prozent der Krankenhausfälle in Bremen bis zu 21,9 Prozent in Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt. Auch in Rheinland-Pfalz (21,5 Prozent) und Nordrhein-Westfalen (21,4 Prozent) ist das Potenzial der Ambulanisierung vergleichsweise hoch. In ihrem Versorgungskompass stellt die Barmer diese Daten erstmals bis auf die Ebene einzelner Kreise dar.
"Aus medizinischer Sicht ist das Potenzial ambulanter Operationen in allen Regionen Deutschlands noch längst nicht ausgeschöpft. Deshalb sollten weitere geeignete Eingriffe in den Abrechnungskatalog für ambulantes Operieren aufgenommen und die sektorengleiche Vergütung weiterentwickelt werden", sagt Straub.
Bei allen Zahlen handelt sich jeweils um Barmer-Daten. Sie sind nach Angaben der Krankenkasse hochgerechnet basierend auf Angaben des Statistischen Bundesamtes zur Bevölkerung in Kreisen und kreisfreien Städten nach Geschlecht und Altersgruppen im jeweiligen Jahr.
