Mordserie

Anklage gegen Ex-Führungskräfte von Niels Högel zugelassen

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Anklage gegen Ex-Führungskräfte von Niels Högel zugelassen
© iStock.com/Kuzma

Vier (teils ehemalige) leitende Mitarbeiter des Klinikums Oldenburg müssen sich in Zusammenhang mit der Mordserie des ehemaligen Krankenpflegers Niels Högel vor Gericht verantworten. Wie das Landesgericht Oldenburg mitteilt, handelt es sich bei den Angeschuldigten um einen ehemaligen Geschäftsführer, einen ehemaligen ärztlichen Leiter der kardiologischen Intensivstation, einen Leiter des Bereichs Pflege der kardiologischen Intensivstation, eine ehemalige Pflegedirektorin und einen ärztlichen Leiter der Anästhesiestation des Klinikums Oldenburg. Da sich der Anklagevorwurf gegen den Leiter der Anästhesiestation lediglich auf Todesfälle in Delmenhorst bezieht, hat die Schwurgerichtskammer die Eröffnung des Hauptverfahrens gegen diesen Angeschuldigten abgelehnt.

Die Staatsanwaltschaft wirft den Angeschuldigten in der Anklageschrift Totschlag durch Unterlassen vor. Das Verfahren betrifft drei Todesfälle im Klinikum Oldenburg und 60 Todesfälle im Klinikum Delmenhorst. Die Schwurgerichtskammer des Landgerichts Oldenburg hat die im September 2019 erhobene Anklage der Staatsanwaltschaft aber nur teilweise und mit abweichender rechtlicher Bewertung zum Hauptverfahren zugelassen. Die 60 Todesfälle im Klinikum Delmenhorst werden demnach nicht Teil der Anklage sein. Die Angeschuldigten seien als Geschäftsführer, Ärzte bzw. Pfleger lediglich für das Wohl der ihnen anvertrauten Patienten im Klinikum Oldenburg verantwortlich gewesen, heißt es in der Mitteilung. Schutzpflichten gegenüber den Patienten des Klinikums Delmenhorst hätten hingegen nicht bestanden.

Die Kammer hat das Verfahren im Hinblick auf die drei Todesfälle im Klinikum Oldenburg zudem mit der Abweichung eröffnet, dass eine Verurteilung lediglich wegen Beihilfe zum Totschlag durch Unterlassen in Betracht komme. Die Angeschuldigten kommen nicht als Mittäter, sondern lediglich als Gehilfen Högels in Betracht, teilte das Gericht mit. "Es sei nach dem Akteninhalt nicht zu erkennen, dass die Angeschuldigten sich die Taten des voll verantwortlich und autonom handelnden Begehungstäters Högel zu eigen machen wollten", heißt es in der Mitteilung. Es bestehe lediglich der für die Eröffnung des Hauptverfahrens hinreichende Verdacht, dass sie die ihnen eigentlich unerwünschten Taten des Högel – aus Sorge um das Ansehen der eigenen Person, der Station oder der Klinik – unterstützt haben könnten, indem sie ihn gewähren ließen.

Autor

 Florian Albert

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