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Auch Experten brauchen Führung

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Auch Experten brauchen Führung

Nun ist es raus. Die Mitglieder der lange angekündigten Regierungskommission zur Weiterentwicklung der Krankenhauslandschaft sind benannt. Wie erwartet hat sich der Gesundheitsminister einen breiten Stab an wissenschaftlichen Expertinnen und Experten aus allen Teilen des Gesundheitswesens zusammengestellt.

Natürlich haben viele Akteure im Vorfeld ihr eigenes Interesse an einer Mitarbeit in diesem Kreis bekundet. Die öffentliche Bewertung nach der Bekanntgabe fällt allerdings überwiegend wohlwollend aus. Nun gebietet es die Höflichkeit nicht einzelne Personen mit nachweisbarer wissenschaftlicher Expertise öffentlich zu diskreditieren. Aber auch sonst kann eigentlich niemand, dem ein gutes Ergebnis dieses Arbeitskreises wichtig ist, etwas gegen die Besetzung einwenden.
Ein wenig scheint sich die öffentliche Auseinandersetzung so zu entwickeln, wie seinerzeit als Jürgen Klinsmann im deutschen Fußball die Einbindung ausgewiesener Spezialist:innen für konkrete Teilbereiche des Trainings beziehungsweise der Teambetreuung salonfähig gemacht hat. Die etablierten Akteure verwiesen auf die eigenen Kompetenzen und vertrauten trotzdem je nach finanziellen Möglichkeiten einem immer größeren Stab an Beratern und Expert:innen. Ob sich die Qualität des Fußballs dadurch nachhaltig verbessert hat und welchen Beitrag die Expert:innen daran haben, darf jeder selbst bewerten.

Einen gravierenden Unterschied gibt es in diesem Vergleich allerdings schon. Jürgen Klinsmann war in dieser Situation als unangefochtene Führungskraft mit weitreichenden Entscheidungskompetenzen ausgestattet und konnte in dieser Rolle die Meinungen der verschiedenen ExpertInnen selbst gewichten und im Kontext des Gesamtergebnisses einordnen. Karl Lauterbach hingegen obliegt die ausführende Gewalt für den Willen einer Koalition aus drei Parteien. Hinzu kommen noch die zwingende Abstimmung und Zusammenarbeit mit den Bundesländern für einen nachhaltigen Erfolg jeglicher Reform der Krankenhausstrukturen. Das Ergebnis der Regierungskommission ist dementsprechend eher ein fachkundiger Diskussionsbeitrag als eine handfeste Entscheidungsgrundlage. Im Anschluss daran soll ein Bund-Länder-Pakt konkrete Umsetzungsschritte für ein Gesetzgebungsverfahren herbeiführen. Und erst dann beginnt das übliche politische Kräftemessen im Bundestag. 

Es braucht also einen entscheidungsfreudigen und führungsstarken Gesundheitsminister, der seine Rolle als Moderator zwischen den verschiedenen politischen Interessenslagen erkennt und mit Hilfe seiner Expertinnen und Experten im Gesundheitsministerium und in der Regierungskommission mehrheitsfähige Kompromisse entwickeln kann. Es stellt sich also weniger die Frage, ob der Minister die richtigen Persönlichkeiten in die Regierungskommission berufen hat, sondern ob die Koalition und die Bundesländer dem Minister den notwendigen Gestaltungsspielraum zusichern.
 

Autor

Dr. Matthias Bracht

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