Ambulantisierung

"Aus der Trennung eine Naht machen"

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"Aus der Trennung eine Naht machen"
© Chinnapong

Wie die Verzahnung von ambulanter und stationärer Gesundheitsversorgung gelingen könnte, das war Thema beim Herbstsymposium der Alb Fils Kliniken.

Einen Korb voller Krisen präsentierte eingangs Boris Augurzky vom RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung. Darunter der demografische Wandel, die Euro-Krise, die Corona-Pandemie, die neue Weltordnung, der Klimawandel oder eine veraltete Infrastruktur. Vor allem die Inflation setze Kliniken aktuell unter Druck. "Über 60 Prozent der baden-württembergischen Krankenhäuser befürchten für dieses Jahr rote Zahlen", schilderte Edgar Wolff, Vorsitzender des Aufsichtsrats der Alb Fils Kliniken. Und laut Augurzky seien die 4,3 Prozent Fördermittel der Länder "definitiv zu wenig", da sich die Gesamterlöse der Krankenhäuser in den vergangenen Jahren dramatisch reduzierten. Seit der Pandemie 2020 gebe es einen enormen Leistungseinbruch – bis zu 13 Prozent weniger Fälle seien es.

20 Prozent Ambulantisierungspotenzial

Die ausgleichenden Freihaltepauschalen im Rahmen der Pandemie sind inzwischen ausgelaufen, aber "die Kosten gehen weiter hoch und die Erlöse der Krankenhäuser gehen nicht mit“, so Augurky. Sein Vorschlag: Die Standorte zusammenlegen und die regionale Krankenhausstruktur optimieren. Im deutschen Gesundheitssektor bestehe ein 20-prozentiges Potenzial für Ambulantisierung, verdeutlichte Augurzky. Das Verütungssystem müsse hierfür duchlässiger werden, beispielsweise anhand von komplex-ambulanten DRG – auf Basis eines Stufenmodells – und regionalen Vorhaltebudgets – aus den DRG-Erlösen finanziert. Auf Basis der komplex-ambulanten DRG könnten aus kleinen Häusern "ambulante Großkliniken" werden wie ambulante Kliniken, Überwachungskliniken oder Fachkliniken. Mithilfe von Vorhaltefinanzierungen könnten Kliniken besser auf Schwankungen und plötzliche Ereignisse regieren sowie ihre Fixkosten decken, so der Experte. 

Innovationen verbinden

"Aber wie aus der Trennung eine Naht machen – etwas Verbindendes schaffen?", fragte Johannes Fechner, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der KV Baden-Württemberg. Die Leistungserbringer der verschiedenen Sektoren müssten mit den Krankenkassen und Vertretern der Länder zusammenkommen, schlug Johannes Bauernfeind, Vorstandsvorsitzender der AOK Baden-Württemberg, dazu vor. Eine ambulante Versorgung könnte Ressourcen einsparen. In diesem Zusammenhang forderte er dringend eine Reform der Notfallverorgung und mehr Innovationsprojekte. Beispielsweise könne die Telemedizin helfen, eine sektorenunabhängige Versorgung besser zu gestalten. "Wir brauchen eine gleichförmige Versorgung", verdeutlichte Bauernfeind. In der Verzahnung von ambulant und stationär stecke laut Fechner vor allem eine "Win-win-win-Situation für Krankenhäuser, Vertragskassen und Patienten". Er gab Impulse aus dem Sektor der niedergelassenen Ärzte zur ambulanten Notfallversorgung und kritisierte die nicht funktionierende Kommunikation beider Sektoren. Es brauche "eine gute elektronische Patientenakte, die nicht nur eine Sammlung aus PDF-Dateien ist", urteilte der Arzt. "An dieser Stelle ist der deutsche Datenschutz noch ein Hindernis." Vor allem die elektronische Patientenakte und eine funktionierende Patient Journey seien wichtige Schlüssel für eine funktionierende Verzahnung von ambulanter und stationärer Versorgung.

Das Herbstsymposium ging heute zum Thema Neubau und einer anschließenden Baustellenführung in Göppingen in die zweite Runde. 

Autor

 Anika Pfeiffer

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