Interview

Bätzing-Lichtenthäler: "Wir vernetzen die Krankenhäuser miteinander"

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In Rheinland-Pfalz sollen fünf Maximalversorger die Versorgung der Covid-19-Patienten koordinieren und dabei die anderen Krankenhäuser miteinbeziehen - eine Struktur, die sich möglicherweise für die Zukunft eignet, wie die rheinland-pfälzische Gesundheitsministerin Sabine Bätzing-Lichtenthäler (SPD) im Interview sagt. 

Jens Spahn hat mit der Verdopplung der Intensivkapazitäten ein sportliches Ziel ausgegeben. Wie versuchen Sie, es zu erreichen?

Wir haben eine Rechtsverordnung erlassen. Darin ist etwa festgelegt, dass Krankenhäuser planbare Eingriffe auf einen späteren Zeitpunkt verlegen müssen, sofern es medizinisch vertretbar ist. Darüber hinaus schaffen wir zusätzliche Intensiv- und Beatmungskapazitäten. Landesweit wollen wir die Beatmungsplätze um 50 Prozent auf 1.500 aufstocken.

Wie koordinieren Sie all die Kapazitäten?

Wir wollen insgesamt die Versorgung verbessern, indem wir in den Regionen die Krankenhäuser miteinander vernetzen. Dafür koordinieren fünf Maximalversorger die Versorgung der Covid-19-Patienten. Das sind für die Region Mittelrhein-Westerwald das Gemeinschaftsklinikum Mittelrhein, für Rheinhessen-Nahe die Uniklinik Mainz, für Rheinpfalz das Klinikum Ludwigshafen, für Westpfalz das Westpfalzklinikum Kaiserslautern und für Trier das Klinikum Mutterhaus der Borromäerinnen. Kapazitätsplanung, Verlaufsmonitoring und Steuerung machen die Häuser gemeinsam. Das Gesundheitsministerium übernimmt die überregionale Steuerung. Sind in einer Region 80 Prozent der Intensivkapazitäten erreicht, weist ein Alarm darauf hin. Dann schauen wir, wo man weitere Kapazitäten schaffen kann, etwa in dem wir Reha-Kliniken in die Versorgung einbeziehen.

Derzeit stellen Kliniken freiwillige Helfer ein und gleichzeitig wird durch die Verschiebung von Operationen Pflegepersonal frei. Wie viel zusätzliches Intensivpflegepersonal rekrutiert Ihr Bundesland und wie koordinieren Sie diese Arbeitskräfte?

Viele dieser Menschen sind Pflegekräfte, die zum Beispiel vor Jahren eine Fortbildung zur Intensivpflegefachkraft gemacht haben. Für sie gibt es einen Kurs zur Auffrischung. Und wir haben einen Kurs für Fachkräfte, die die Intensivpflegefachkräfte unterstützen. Insgesamt wollen wir 2.000 Pflegekräfte für den Intensivbereich fit machen, knapp 1.000 wurden bereits geschult. Darüber hinaus gibt es Pflegefachkräfte aus dem Ausland, die sich derzeit in der Anpassungsqualifizierung befinden. Diese geben wir jetzt schon in die Pflege rein, weil sie wertvolle Arbeit leisten in der Unterstützung. Daneben gibt es von unserer Landespflegekammer eine Registrierungsstelle, bei der sich Pflegekräfte im Ruhestand melden können. Für die vielen Freiwilligen wurde ebenfalls das Portal "Team Rheinland-Pfalz" gestartet.

Ärzte des Medizinischen Dienstes sollen ebenfalls für den Einsatz in der Patientenversorgung vorbereitet werden. Wie ist bei Ihnen der Stand der Dinge?

Die Bereitschaft zu unterstützen ist sehr groß. Derzeit klären wir die rechtlichen Rahmenbedingungen für einen möglichen Einsatz der 70 Ärzte und 30 Pflegekräfte.

Einzelne Landkreise und Städten richten derweil auf eigene Faust Behelfseinrichtungen ein. Was gibt es da für Absprachen mit Ihnen?

Wir gehen fest davon aus, dass wir mit der regionalen Netzwerkbildung der Krankenhäuser gut gerüstet sind für diese Situation. Die Kommunen dürfen Behelfseinrichtungen aufbauen, sollten dort aber Erkrankte behandelt werden, muss das in Abstimmung mit dem Gesundheitsministerium geschehen, weil qualitative Standards erfüllt werden müssen. Eine Turnhalle mit Feldbetten ist beispielsweise nicht für Patienten mit Covid-19 geeignet.

Für jede neu geschaffene intensivmedizinische Behandlungseinheit mit Beatmungsgerät bekommen Kliniken 50.000 Euro aus der Liquiditätsreserve des Gesundheitsfonds. Zusätzliche Kosten pro Bett sollen die Länder finanzieren. Welche Pläne gibt es bei Ihnen?

Wir übernehmen die Finanzierung der Beatmungsgeräte.

Wie teuer sind die im Schnitt?

Aufgrund der Unterschiedlichkeit der jeweiligen Geräte und dem Zubehör kann ich nur eine grobe Schätzung abgeben: circa 20.000 Euro

Noch einmal zurück zum Konzept der regionalen Netzwerkbildung der Krankenhäuser. Was bedeutet das für kleine Häuser?

Das Konzept soll allen Krankenhäusern helfen. Es bedeutet nicht, dass die Maximalversorger, die mit der Koordinierung betraut sind, allein Covid-19-Patienten behandeln. Das dürfen auch kleine Häuser, wenn sie Intensivplätze haben. Wir haben aber festgestellt, dass ein kleines Krankenhaus an seine Grenzen stößt. Das Krankenhausentlastungsgesetz wiederum ist zwar noch nachbesserungsbedürftig, sorgt aber doch für eine große Hilfe für die Krankenhäuser. Nach wie vor besteht aber das Problem, das wir auch schon vor Corona hatten: Das DRG-System bildet die Situation kleinerer Kliniken nicht entsprechend ab, weil die erforderlichen Vorhalte- und Betriebskosten dort nicht berücksichtigt werden. Es gibt eine Länderarbeitsgruppe unter Beteiligung des Bundes, die Überlegungen anstellt, wie man diese Kosten besser refinanziert. Ich glaube, die Menschen merken gerade, wie wichtig eine flächendeckende Versorgung mit Krankenhäusern ist. Das merken auch die Krankenkassen.

Also wird sich die Debatte über die Krankenhauslandschaft nach der Krise verändern?

Es wird einen Strukturwandel geben, den wir gestalten. Vielleicht ist unsere Idee der regionalen Netzwerkbildung für die Versorgung der Covid-19-Patienten eine Struktur für die Zukunft - nämlich dass die Maximalversorger als steuerndes Element die anderen Krankenhäuser miteinbeziehen.

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