Corona-Update vom 19.11.2021

Hilferufe aus Bayern, Spahn für Pflegebonus

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Hilferufe aus Bayern, Spahn für Pflegebonus
Das Anlegen der ECMO erfordert sehr viel Personal und äußerste Konzentration © Mühlenkreiskliniken/Kai Senf

Corona-Update vom 19. November 2021.

+++ Patienten aus Bayern werden nach Italien verlegt +++

Aus Bayern werden Patienten wegen überfüllter Krankenhäuser jetzt nach Italien verlegt, sagte der Präsident des Verbandes der Leitenden Krankenhausärzte Deutschlands (VLK), Michael Weber. Die Kapazitäten würden knapp. Er erwarte innerhalb der nächsten 21 bis 23 Tage eine Verdopplung der Zahl der Intensivpatienten.

 

+++ Immer mehr Kliniken voll ausgelastet +++

Während die Corona-Infektionszahlen in die Höhe schießen, sinken die Bettenkapazitäten vieler Krankenhäuser. Inzwischen vermelden immer mehr Kliniken, keine freien Intensivbetten mehr zu haben, wie mehrere Medien berichten. Zwar sei die Zahl der Intensivpatienten niedriger, als auf den Höhepunkten der zweiten und dritten Welle, doch wegen akuten Personalmangels sind aktuell weniger Betten insgesamt betreibbar. Am kritischsten sieht die Situation in Bremen, Berlin, Brandenburg, Hessen und Bayern aus, wobei besonders der Süden des Landes betroffen ist. Der wissenschaftliche Leiter der DIVI, Dr. Christian Karagiannidis, schreibt auf Twitter: "In Baden-Württemberg melden uns noch sieben Krankenhäuser, dass sie im High-Care-Intensivbereich grün und damit voll aufnahmefähig sind. Fast 80 Prozent sind rot." Aber auch in Sachsen-Anhalt, Niedersachsen und Schleswig-Holstein gibt es einzelne Landkreise, in denen maximal ein Bett zur Verfügung steht. [Quelle: dpa]

 

+++ Besuche verboten, Operationen abgesagt +++

Immer mehr Kliniken reagieren auf die sich zuspitzende Corona-Infektionslage und sprechen Besuchsverbote aus oder verschieben planbare Eingriffe. Das berichten unter anderem die Lübecker Nachrichten, Rheinische Post und die Erlanger Nachrichten. In der Lungenklinik Großhansdorf gelte beispielsweise seit Dienstag ein Besucherstopp. „Dies bedeutet für Besucher, dass das Betreten der Klinik nur noch im Ausnahmefall bei lebensbedrohlich Erkrankten und Notfallpatienten nach Rücksprache mit unserem Dienstarzt gestattet ist“, betonte Kliniksprecherin Rebecca Bellano gegenüber den Lübecker Nachrichten. Am Mittwoch zog das St.-Adolf-Stift in Reinbek nach und verhängte einen Besuchsstopp. „Die Sicherheit aller uns anvertrauten Patienten steht bei uns an erster Stelle. Darum ist und bleibt unser Krankenhaus zum Schutz vor einer Infektion unserer Patienten, aber auch unsere Mitarbeitenden während der Corona-Pandemie nur für Ausnahmen geöffnet“, sagte die Reinbeker Klinik den Lübecker Nachrichten. Ausnahmen gelten wie in Großhansdorf nur für Härtefälle, also schwerstkranke oder sterbende Patienten, und auch die Geburtshilfe. Auch in der Asklepios-Klinik in Bad Oldesloe gelten strengste Sicherheits- und Hygienevorschriften. Besuche sind hier aber noch erlaubt. Während die Sana-Kliniken in Lübeck und Travemünde ihr Besuchsverbot verlängern, teilte die Geschäftsführerin der Sana-Klinik an der Siepenstraße in Radevormwald gegenüber der Rheinischen Post mit, dass Besucher das Haus noch beteten drüften, jedoch nur, wenn sie symptomfrei sind. „Besuche in der Isolationsbereichen sind nicht gestattet“, sagte sie. Andere Häuser verschieben immer häufiger planbare Eingriffe, um Kapazitäten zu schaffen. Beispielsweise im Malteser Waldkrankenhaus St. Marien in Erlangen. Nur so könne die Klinik lebensbedrohliche Notfälle bewältigen. Von diesem Vorgehen ist das gesamte Haus mit all seinen Kliniken betroffen, also auch die Belegärzte. „Die medizinische Beurteilung des Einzelfalls ist hier allein ausschlaggebend“, zitieren die Erlanger Nachrichten Klinik-Geschäftsführer Haeckel. Eine genaue Zahl der zu verschiebenden Eingriffe sei schwer zu schätzen. Haeckel gehe allein in seinem Haus von insgesamt 100 bis 150 Behandlungen bis Ende des Jahres aus. [Quellen: Lübecker Nachrichten, Rheinische PostErlanger Nachrichten]

 

+++ Spahn für Pflegebonus +++

Der geschäftsführende Bundesgesundheitsminister Jens Spahn spricht sich für den Bonus für die Pflegekräfte aus. "Alle, die mit den Covid-19-Patienten arbeiten, haben eine enorm hohe Belastung", so Spahn in der Bundespressekonferenz. Über die Höhe des Bonus sei noch nicht gesprochen werden. Aus seiner Sicht bräuchte man den Pflegekräften aber nicht mit "ein paar Hundert Euro" kommen. Bei den geplanten verpflichtenden Impfungen im Pflegebereich sei er jedoch skeptisch, noch skeptischer sei er bei einer allgemeinen Impfpflicht. Spahn appellierte jedoch zur Impfung. "Man möchte jeden Ungeimpften mal auf eine Intensivstation zerren, um zu zeigen, welchen Unterschied eine Impfung machen kann", zitiert ihn der Focus. [Quelle: Focus]

 

+++ Meißen: Landrat erwägt Katastrophenvoralarm +++

Im sächsischen Landkreis Meißen liegt die Sieben-Tage-Inzidenz bei 1248,9 (Stand: Donnerstag). „Wir überlegen aufgrund der sehr hohen Corona-Infektionszahlen und der mehr als angespannten Lage, in den Elblandkliniken Katastrophenvoralarm für den Landkreis Meißen auszulösen“, sagt Landrat Ralf Hänsel am Donnerstag beim digitalen Krisenstab. Wie die Dresdner Neueste Nachrichten berichtet, fehl es es an Personal. An den drei Standorten der Elblandkliniken würden jeweils acht Soldaten der Bundeswehr unterstützen. Ausreichen würde das jedoch nicht, sagt Rainer Zugehör, Vorstand der Elblandkliniken. Aktuell werden 120 Einwohner des Landkreises stationär behandelt, 27 sind geimpft, 93 ungeimpft. Durch den Katastrophenvoralarm würden die notwendigen Vorbereitungen im Bereich des Brand- und Katastrophenschutzes anlaufen. [Quelle: DNN]

 

+++ Hilferufe aus Bayerns Kliniken +++

"Die aktuelle Lage ist so dramatisch, wie sie noch nie in der gesamten Pandemie-Zeit in Bayern war", mahnt Roland Engehausen, Geschäftsführer der Bayerischen Krankenhausgesellschaft in der Augsburger Allgemeinen. Schon jetzt gebe es kaum noch Kapazitäten, sogar Krebs-Operationen müssten auf unbestimmte Zeit verschoben werden. Im Moment sehe er keine ausreichend wirksamen Gegenmaßnahmen, die in den Kliniken in den nächsten zwei bis vier Wochen eine Entlastung bringen würde. Ohne Gegensteuern würde die Zahl der Corona-Intensivpatienten in Bayern um etwa 30 Prozent jede Woche ansteigen. Schon jetzt würden Intensivpatienten in andere Bundesländer verlegt werden, doch auch im Nachbarland Baden-Württemberg spitze sich die Lage zu, berichtet der Tagesspiegel. Eine Triage-Situation sieht Engehausen jedoch nicht. Vorbereitungen gibt es dennoch. Im Klinikum der Barmherzigen Brüder (München) gebe es ein Papier zur Triage, das im Rahmen des Pandemieplans im vergangenen Jahr ausgebareitet wurde. Dieses folgt den Empfehlungen des Deutschen Ethikrats. Die Priorisierung erfolge nach der Erfolgsaussicht der Behandlung. Alter oder Herkunft spielen eine untergeordnete Rolle, berichtet die Süddeutsche. Eingriffe werden auch in Erlangen verschoben. Allein im Malteser Waldkrankenhaus St. Marien rechnet Geschäftsführer Carsten Haeckel mit etwa 100 bis 150 Behandlungen, die zugunsten lebensbedrohlicher Notfälle aller Art verschoben werden müssen. [Quellen: Tagesspiegel, Süddeutsche, Nordbayern]

 

+++ Nach MPK: Söder kündigt Verschärfungen in Bayern an +++

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder hat nach dem gestrigen Corona-Gipfel eine Verschärfung der Beschränkungen in Bayern angekündigt. Nach Angaben des Bayerischen Rundfunks werde alles augeschöpft, was nach altem Recht und dem neu beschlossenen Infektionsschutzgesetz möglich sei. Dem Gesetz werde Bayern im Bundesrat zustimmen, auch wenn es aus Sicht Söders der Lage nicht angemessen ist. Bei den Maßnahmen im Land sollen jedoch die "verfassungsmäßigen Rechte" der Geimpften gewahrt werden. Einen Generallockdown mit Schulschließungen werde es nicht geben, so Söder. Details sollen im Laufe des Freitags bekannt gegeben werden. [Quelle: BR]

Autoren

 Luisa-Maria Hollmig
 Anika Pfeiffer
 Jens Mau

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