Bundesgesundheitsministerin Nina Warken hat die Weiterentwicklung der Digitalisierungsstrategie für Gesundheitswesen und Pflege vorgestellt. Im Zentrum stehen der Ausbau digitaler Versorgungsprozesse.
Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) hat die Weiterentwicklung der Digitalisierungsstrategie für das Gesundheitswesen und die Pflege vorgestellt. Die Ministerin will digitale Innovationen im Versorgungsalltag fördern, außerdem „hochwertiger Gesundheitsdaten“ stärker für die digitale Versorgungssteuerung nutzen. „Die elektronische Patientenakte wird dabei als zentrales Instrument einer modernen Versorgung so weiterentwickelt, dass sie für alle Versicherten den einfachsten Einstieg in das Gesundheitssystem bedeutet. Bisher bringt sie vor allem für Versicherte mit Krankheitsgeschichte einen Mehrwert“, erklärte die Ministerin. Ihre Digitalisierungsstrategie basiert auf drei Handlungsfeldern: personenzentrierte Versorgungsprozesse, hochwertige Daten für die Forschung und nutzenorientierte Anwendungen.
Personenzentrierte und digital unterstützte Versorgungsprozesse
Über ihre Funktion als digitaler Datensatz hinaus soll die elektronische Patientenakte (ePA) als digitaler Begleiter weiterentwickelt werden. Durch Einbindung weiterer Anwendungen wie der digitalen Ersteinschätzung, digitalen Terminvermittlung und E-Überweisung soll sie in der aktiven Nutzung spürbare Mehrwerte für Versicherte bieten. „Während heute rund vier Millionen Versicherte die ePA nutzen, sollen es bis zum Jahr 2030 rund 20 Millionen sein“, erklärt das Minsterium. Der Zugang werde durch niedrigere Authentifizierungs-Hürden erleichtert, außerdem soll noch in diesem Jahr der digital gestützte Medikationsprozess implementiert werden.
KI soll zum Standard werden
KI-Anwendungen sollen künftig in sicheren Testumgebungen erprobt und auf ihre Wirksamkeit bewertet werden. Da heute insbesondere die KI-gestützte Dokumentation administrative Effizienzgewinne und spürbare Entlastung für Fachkräfte verspricht, soll sie künftig zum Standard in der Gesundheits- und Pflegeversorgung werden. Für Leistungserbringer stehe zugleich die Gewährleistung von Rechtssicherheit bei der KI-Nutzung im Fokus.
Nutzung qualitativ hochwertiger Daten
Bisher würden Gesundheitsdaten noch zu selten strukturiert, standardisiert und verknüpft. Das Ministerium verspricht eine „systematische Nutzung von Gesundheitsdaten aus unterschiedlichen Quellen in einem europäisch anschlussfähigen System“. Dazu sollen der Zugang zu Gesundheits- und Pflegedaten für grenzüberschreitende Versorgung und Forschung erleichtert sowie das Forschungsdatenzentrum Gesundheit (FDZ) an den neuen Europäischen Gesundheitsdatenraum (EHDS) angebunden erleichtert werden.
Nutzenorientierte Technologien und Anwendungen
Die Voraussetzung für digitale Anwendungen sei die Telematikinfrastruktur (TI). Um die Anfälligkeit des Systems für Störungen zu verringern, soll die Komplexität der TI reduziert werden, erklärt das Ministerium. Die Rolle der Gematik als zentral Verantwortlicher für digitale Anwendungen werde gestärkt. Dazu erhält die Gematik mehr Durchgriffsrechte, damit vereinbarte Standards und Regelungen künftig noch konsequenter umgesetzt werden.
Referentenentwurf in diesem Quartal
Noch im ersten Quartal 2026 soll ein Referentenentwurf für ein „Gesetz für digitale Versorgung und den Gesundheitsdatenraum“ kommen, der wesentliche Vorhaben der Strategie aufgreift.
Hören Sie passend zum Thema unsere neue Podcastfolge zur Implementierung der elektronischen Patientenakte im Krankenhaus:
