Notfallversorgung

Düllings: „Nicht den Bock zum Gärtner machen“

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Düllings: „Nicht den Bock zum Gärtner machen“
© VKD

Die vom BMG angekündigte Neuregelung zur Notfallversorgung sorgt für eine Mischung aus Grübeln und Kritik. VKD-Präsident Josef Düllings findet besonders harsche Worte.

"Gesundheitsversorgungsweiterentwicklungsgesetz" – was groß klingt, ist im Grunde eine Ansammlung vieler kleiner Einzelteile. Dazu gehört auch die Regelung zur Notfallversorgung – und so fragen sich derzeit viele: War es das jetzt mit der großen Reform der Notfallversorgung, die Jens Spahn immer wieder angekündigt hat? Die Reform des Rettungsdienstes hat der Minister schon vor einem Jahr kassiert, weil die Länder nicht mitmachten. Die Integrierten Notfallzentren (INZ) sind jetzt offenbar auch Geschichte.

Was bleibt, ist die nun postulierte Triage-Regelung in der Hand der Kassenärztlichen Vereinigungen (KV) – und die bringt die Klinikvertreter in Rage. Am deutlichsten äußert sich Josef Düllings zu dem Thema. „Nun sollen die KVen Vorgaben dafür machen, wer überhaupt in einer Krankenhausnotaufnahme behandelt werden darf. Ohne diese Ersteinschätzung soll das Krankenhaus seine Leistung, falls es sie dennoch erbringt – es geht ja um Notfälle – dann auch nicht abrechnen dürfen. Heißt im Klartext: Die, die es bisher schon für ihren eigenen Bereich nicht hinbekommen haben, sollen es jetzt auch noch für die Krankenhäuser regeln“, poltert der Präsident des Verbands der Krankenhausdirektoren Deutschlands (VKD).

Nach Angaben des Zentralinstituts der Kassenärztlichen Versorgung (ZI) werden pro Jahr in den Krankenhäusern etwa zehn Millionen ambulante Notfallpatienten versorgt, in den KV-Bereitschaftsdienstpraxen sind es etwa neun Millionen Patienten. „Da muss man sich doch fragen, warum die Patienten überwiegend bei den Krankenhäusern Hilfe suchen. Die Antwort ist einfach: Sie wissen, dass sie hier zu jeder Zeit medizinisch und pflegerisch Hilfe bekommen. Die Krankenhäuser leisten seit Jahren zu unterirdischen Vergütungen den größten Teil der Notfallversorgung für die Bürger in hoher Qualität – den Sicherstellungsauftrag haben sie dafür nicht. Den haben die Kassenärzte, die ihn nicht erfüllen können“, kritisiert Düllings. „Man kann nicht den Bock zum Gärtner machen. Sachgerecht und patientenorientiert wäre eine Lösung der ambulanten Notfallversorgung in der Hand der Krankenhäuser – etwa, wie in Österreich, der Schweiz oder Dänemark – in Form von Polikliniken, die den Patienten zeitnah die richtige Diagnostik und integrierte fachärztliche Versorgung ermöglichen.“

Laut Düllings haben Kassenärzte auch in der Corona-Krise keine gute Figur gemacht. „Nicht wenige Vertreter des KV-Systems haben sich in den letzten Monaten vor Ort weggeduckt, als es darum ging, mit Corona-Tests an der Eindämmung der Pandemie mitzuhelfen. Hausärzte waren im Alarmzustand. Kinder- und Jugendärzte lehnten die Durchführung von Corona-Tests ab. Sicherstellung sieht anders aus. Die Bevölkerung hat das zur Kenntnis genommen. Sie weiß, an wen sie sich im Ernstfall wenden muss. Dies ist offenbar auf der Gesetzgebungsebene noch nicht angekommen. Wir plädieren sehr dafür, die Praxis zur Kenntnis zu nehmen.“

Autor

 Jens Mau

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