Neues IGES-Gutachten

Ersatzkassen fordern mehr Leistungskonzentration in Ballungsgebieten

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Ersatzkassen fordern mehr Leistungskonzentration in Ballungsgebieten

Das Forschungsinstitut IGES hat im Auftrag des Verbands der Ersatzkassen (vdek) eine Studie mit dem Titel „Qualitätsverbesserung durch Leistungskonzentration in der stationären Versorgung“ vorgelegt. Schlussfolgerung: Mehr Konzentration in den Ballungsgebieten. Für die Untersuchung wurden drei Leistungsbereiche ausgewählt: minimalinvasive Aortenklappenimplantation (darunter primär Transkatheter-Aortenklappenimplantation – TAVI), anatomische Lungenresektion und die Implantation von Hüft-Totalendoprothesen. Für diese Leistungsbereiche wird gezeigt, wie sich die Verteilung bzw. Konzentration der Fallzahlen auf die Klinikstandorte zwischen den Jahren 2010 und 2018 verändert hat.

Für keinen der drei Bereiche wurde bislang eine gesetzliche Mindestfallzahl je Einrichtung festgelegt, für TAVI und Lungenresektionen wird darüber aber beraten. Knapp ein Drittel der Leistungsfälle mit anatomischer Lungenresektion wurde der Studie zufolge an Klinikstandorten behandelt, welche die Mindestfallzahl für eine Zertifizierung (75 pro Jahr) nicht erreichten. Für minimalinvasive Aortenklappenimplantationen ist der entsprechende Anteil – legt man studienbasiert eine Mindestfallzahl von 157 pro Jahr zugrunde – mit knapp 10 Prozent deutlich niedriger. Die TAVI hat sich von einer im Jahr 2010 noch innovativen Methode zum Behandlungsstandard für ältere Patienten entwickelt. Im Zuge dessen sind die Fallzahlen stark gestiegen, so dass viele Einrichtungen höhere Fallzahlen erreichen. Die damit verbundenen Lerneffekte hätten dazu geführt, dass sich Sterblichkeitsunterschiede zwischen Standorten mit hohen/niedrigen Fallzahlen verringert habe, so die Studie. Doch nach wie vor gelte, dass Klinikstandorte mit größeren Fallzahlen eher eine geringere Sterblichkeit erreichen – auch jenseits der hier betrachteten Mindestfallzahl. Die Verteilung der Behandlungsfälle mit Implantation einer Hüft-TEP sei – im Vergleich zu den beiden anderen Leistungsbereichen – deutlich weniger konzentriert. Zudem hat sich die Leistungskonzentration im Zeitraum 2010 bis 2018 kaum verändert. Ein Großteil der Kliniken (87 Prozent) erreichte im Jahr 2018 die Mindestfallzahl für eine Zertifizierung von 50 pro Jahr. Allerdings schwankt dieser Anteilswert regional: So lagen in Brandenburg mehr als ein Drittel der Krankenhäuser unter diesem Schwellenwert. Insgesamt lassen sich für den Leistungsbereich Hüft-TEP keine relevanten Qualitätsdefizite auf Einrichtungsebene nachweisen.

IGES fordert mehr Mindestmengen

Die Studienautoren schlussfolgern: „Für die Gesundheitspolitik ergibt sich hieraus die Schlussfolgerung, die mit einer Zunahme der Leistungskonzentration (zum Beispiel Zentrenbildung) verbundenen Potenziale zur Qualitätssteigerung stärker zu nutzen, und zwar auch oberhalb von Mindestfallzahlen. Allerdings unterscheiden sich diese Potenziale: Nicht jeder Leistungsbereich mit geringer Konzentration benötigt Zentren.“ Auch die Anpassung bestehender Mindestmengen sowie weitere Mindestmengen fordern die Studienautoren. Die Erkenntnisse zeigten aber auch Ergänzungsbedarf: Mindestmengen können den Zugang zu spezialisierten Versorgungsangeboten in fallzahlschwachen Regionen erschweren, hier sollten weitere Optionen für digitale Kooperationen mit größeren Zentren geschaffen werden. 

Anpassung des Kartellrechts

Eine weitere Empfehlung der Autoren ist, die kartellrechtliche Bewertung von Krankenhauskooperationen und -fusionen zu erweitern. Die Konzentration der Krankenhausversorgung solle stärker für spezifische Leistungsmärkte gemessen werden anstatt ausschließlich für das gesamte Leistungssortiment von Krankenhäusern. Denn auch die Patienten würden eine Klinik jeweils für eine bestimmte Behandlung auswählen. Zudem sollten mögliche Qualitätseffekte bei der Prüfung von Krankenhausfusionen stärker einbezogen werden. Der jüngst mit dem GWB-Digitalisierungsgesetz gewählte Ansatz, die Fusionskontrolle für Kliniken mit Krankenhausstrukturfondsförderung auszusetzen, könne den Zielkonflikt dagegen letztlich nicht lösen.
 

Autor

 Jens Mau

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