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"Es brennt": Eindringlicher Appell der DIVI

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"Es brennt": Eindringlicher Appell der DIVI
© pixabay/ fernando zhiminaicela

Angesichts der immer weiter steigenden Infektionszahlen fordert die Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) einen harten Lockdown. Die Intensivmediziner rechnen bis Ende April mit mehr als 5.000 Covid-Patienten auf den Intensivstationen. 

In einer kurzfristig einberufenen Pressekonferenz am Freitag wiesen die Intensivmediziner auf die Situation auf den Intensivstationen hin. "Die Lage spitzt sich zu", sagte DIVI-Präsident Prof. Dr. Gernot Marx. Mit fast 4.500 Covid-Patienten auf den Intensivstationen setze sich der ungebremste Anstieg weiter fort. Prof. Dr. Steffen Weber-Carstens von der Klinik für Anästhesiologie der Charité und medizinisch-wissenschaftlicher Leiter des DIVI-Intensivregisters verwies auch auf die Lage in der Hauptstadt. Aktuell seien deutlich jüngere Patienten auf den Intensivstationen, rund 30 Prozent wären zwischen 35 und 39 Jahre alt, die übrigen zwischen Anfang 60 und Ende 70. Dies sei eine "dramatische Verjüngung", so Weber-Carstens. Durch die Mutante B.1.1.7 gehe man auch von schwereren Verläufen mit einer längeren Liegedauer aus.

Marx rechnet bis Ende April mit mehr als 5.000 Covid-19-Patienten auf den Intensivstationen. Knapp 3.000 Intensivbetten sind laut Intensivregister (Stand: 8.4.) noch frei (davon Low-Care: 882, High-Care 2.106; plus ECMO 311), diese sind aber nicht nur für Corona-Patienten, sondern für alle. "Es brennt", bringt es Marx auf den Punkt. 

Notfallreserve kann Triage verhindern

In diesem Zusammenhang wies Prof. Dr. Christian Karagiannidis, medizinisch-wissenschaftlicher Leiter des DIVI-Intensivregisters, auf den vermeintlichen Bettenabau im Intensivbereich hin. "Keine Klinik baut freiwillig Betten ab", so Karagiannidis. Vielmehr liege der Rückgang daran, dass Betten nur als betreibbar gemeldet werden dürfen, wenn auch Personal vorhanden sei. Ein weiterer Punkt sie die Notfallreserve mit 10.000 Betten. Dies bedeute, dass die Kliniken in einen "katastrophenähnlichen Zustand" gehen würden. Es würden Bereiche aus Kliniken genutzt werden, die keine Intensivstationen sind, Personal aus Bereichen, die nicht oder nur zum Teil für Intensiv ausgebildet sind, werde zusammengezogen. Dadurch könne eine Triage-Situation vermieden werden, "die wird in Deutschland, denke ich, auch nicht eintreten", sagte Karagiannidis. Dennoch werde diese Versorgung qualitativ nicht an dem Punkt sein, wie die normale intensivstationäre Versorgung. Der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG), Gerald Gaß, hatte vor einigen Tagen noch auf diese Reserve verwiesen und war dafür u.a. von Karagiannidis kritisiert worden.

Rückgang der Fallzahlen in anderen Bereichen

Während die Zahl der Covid-Patienten steigt, sind in anderen Bereichen Fallzahlrückgänge zu verzeichnen. So wurden im Bereich der Orthopädie 20 Prozent weniger Eingriffe (im Vergleich zu Vor-Corona) vorgenommen. "Man darf aber nicht vergessen, dass eine lange aufgeschobene OP auch zur Schädigung des Patienten führen kann", mahnt Prof. Dr. Frank Wappler, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin (DGAI). Auch in die Tumorchirurgie sind die Fallzahlen gesunken, bei Darmkrebserkrankungen zum Beispiel um 20 Prozent. Unverändert hingegen bleibt die Zahl bei nicht-planbaren Eingriffen (Notfälle). Die Akutversorgung sei zum gegenwärtigen Zeitpunkt gewährleistet. 

Damit die steigende Anzahl der Covid-Patienten versorgt werden könne, müsse weiter reduziert werden. So hat die Charité bereits angekündigt, ab der kommenden Woche den regulären Betrieb einzuschränken. Mit dem Aufschieben von Operationen eröffnet sich jedoch ein weiteres Problem, das bisher noch nicht angegangen werden konnte. "Man redet nur über die Akutsituation, die nächste Mangelsituation ist jedoch vorprogrammiert", sagt Wappler. Denn die Operationen, die wegen Corona abgesagt wurden, müssten noch abgearbeitet werden. Studien aus dem vergangenen Jahr hätten gezeigt, dass Krankenhäuser dafür für mindestens 27 Wochen auf 110 Prozent ihrer Auslastung vor Corona gehen müssten. "Es wird deutlich mehr Zeit vergehen, bis diese Patienten versorgt werden."

Autor

 Luisa-Maria Hollmig

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