Corona-Tagebuch

Improvisation ist gefragt

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Improvisation ist gefragt

Namen sind Nachrichten. Einer der ältesten Grundsätze des Journalismus hat auch heute noch seine Gültigkeit. Dass dies der Fall ist, beweist ein Blick in den Lokalsportteil der örtlichen Tageszeitung genauso wie in die Fachpublikationen der Klinikbranche. Die Szene kennt sich, und jeder will mitbekommen, was frühere Weggefährten, Ex-Kollegen, Mitspieler, Vorgesetzte, Kommilitonen heute so machen, welches Amt sie übernommen, wie viele Tore geschossen oder welche Krankenhaus-Geschäftsführung sie übernommen haben. 

Was für Texte gilt, gilt genauso für Fotos. Abgewandelt lässt sich sagen: Gesichter sind Nachrichten. Unsere Gehirne sind seit Urzeiten darauf programmiert, Gesichter zunächst einmal als solche zu erkennen, ihre Merkmale zu scannen, sich Proportionen und Relationen einzuprägen und das Ganze dann bei einem erneuten Aufeinandertreffen auch noch einzuordnen und wiederzuerkennen. Sogar, wenn das Gesicht auf dem Kopf steht, wie die Psychologen Helmut Leder und Victoria Bruce nachweisen konnten.

Nach diesem Epilog folgt eine kurze und schmerzlose Überleitung zum aktuellen Problem: Masken. In der Corona-Pandemie wichtig, sinnvoll, unverzichtbar. Aber in der PR-Fotografie: Ein Albtraum. Gesichter sind keine Nachrichten mehr, wenn man maximal Augen erkennt. Was haben wir und die Kolleginnen und Kollegen in den Redaktionen nicht alles an Kreativität entwickelt, um brauchbare Bilder zu produzieren. Die Weitwinkel maximal strapaziert, um die ganze Gruppe mit 1,50 Metern Abstand zueinander aufs Foto zu bekommen. Wilde Montagen angefertigt. Archivbilder verwendet und ausdrücklich dazugeschrieben, dass die sich in den Armen liegenden Krankenpflegerinnen zum Examen NATÜRLICH VOR CORONA aufgenommen wurden.

Mit dem Herbst ist die Zeit der verlässlichen Außenaufnahmen jetzt auch noch vorbei. Trübes Licht, Regen, Wind. Also drinnen fotografieren, aber dann Masken, Masken, Masken. Wenig Hirn-Stimulus für den Betrachter.

Improvisation bleibt also auch nach Monaten noch angesagt. Auch bei den einst sehr beliebten Patientenveranstaltungen. Wo sich regelmäßige hunderte Menschen zum Vortrag eines Chefarztes einfanden, herrscht Betretungsverbot. Einige unserer Kliniken haben das Konzept längst auf ein virtuelles Format übertragen, andere haben sich auf bewährte Telefonaktionen zurückbesonnen. Beides funktioniert!

Ernährungsberatung geht auch als Webinar. Das haben wir gelernt, als eine Expertin aus unserem Bergmannsheil in Gelsenkirchen-Buer sich mit Sternekoch Stefan Marquard zusammentat, um live gesunde Pausensnacks für Kinder zuzubereiten – Rezeptdownload und Tipps inklusive.

Die Gewinner des Innovationspreises Knappschaft Kliniken Award hörten nur leisen Applaus und auch die große Bühne vor 200 Führungskräften blieb ihnen verwehrt. Immerhin hatten wir das Glück, noch vor dem Einsetzen der Pandemie, Filme  produziert  zu haben, die die drei Projekte (noch ohne Maskeneinsatz) bei Youtube vorstellen. 

Trotz der Ausnahmesituation haben wir entschieden, uns weiter intensiv mit unserem Profil als Arbeitgeber zu beschäftigen. Nach einer großen Online-Befragung der Mitarbeitenden sollten Workshops in allen Kliniken die Ergebnisse vertiefen. Daraus wurden dann spontan Telefoninterviews. Projektplanung anno 2020.

Ironie hilft manchmal, aber nicht immer. Seit dem Frühjahr gibt es für alle Mitarbeitenden im Verbund eine kostenlose 24-Stunden-Hotline der Klinik für Psychiatrie im Klinikum Westfalen, die belastete Kolleginnen und Kollegen unterstützt und berät, natürlich auch anonym. Unserer Verantwortung als Arbeitgeber kommen wir auch nach, indem wir natürlich nicht nur an unzähligen Stellen zur Einhaltung der Hygieneregeln mahnen, sondern wiederholt zur Nutzung der Corona-Warn-App aufrufen.

Bei einem internen Designwettbewerb für Alltagsmasken für alle 12.500 Mitarbeitenden haben wir unter anderem den Vorschlag bekommen, ein fotorealistisches Gesicht draufzudrucken.  Ein fantastischer Lösungsansatz für das eingangs erwähnte PR-Bild-Problem. Wirkt erstmal wie ein normales Antlitz, freut unser Gehirn. Auch wenn dann trotzdem in der Bildzeile der Hinweis nicht fehlen darf: ES WURDEN ALLE HYGIENEREGELN EINGEHALTEN.

 

Videos der Gewinner des Innovationspreises:

Autor

 Felix Ehlert

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