Impfskepsis

Mehr Aufklärung für mehr Impfbereitschaft

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Mehr Aufklärung für mehr Impfbereitschaft
© Bild von DoroT Schenk auf Pixabay

Die Bereitschaft zur Impfung unter Pflegekräften ist noch zurückhaltend. Kliniken ist das Problem bekannt. Sie wollen Mitarbeiter mit Aufklärung von der Impfung überzeugen.

Bis Dienstag wurden laut RKI bundesweit mehr als 367.000 Menschen gegen Corona geimpft. Die Priorität liegt zunächst vor allem bei Pflegeheimbewohnern und medizinischem Personal. Doch Ärzte und vor allem Pflegekräfte sind einer Umfrage der Deutschen Gesellschaft für Internistische Intensivmedizin und Notfallmedizin (DGIIN) und der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) zufolge - zumindest bisher - zurückhaltend. Demnach haben Mitte Dezember 73 Prozent der Ärzte und 50 Prozent der Pflegenden angegeben, sich impfen zu lassen. Etwa die Hälfte der 2.305 anonym Befragten äußerte Bedenken zu Nebenwirkungen und Langzeitschäden. 

Auch die Art des Impfstoffes sorgt mitunter für Skepsis. "Ein weiteres Phänomen ist, dass viele dem mRNA-Impfstoff nicht trauen", sagt Arne Evers, Pflegedienstleiter am St. Josefs-Hospital Wiesbaden. Dort registrierten sich ihm zufolge 8.900 Mitarbeiter für die Impfung, was 50 bis 60 Prozent entspricht. Die Zahl der Mitarbeiter könnte sich jedoch erhöhen, da Kurzentschlossene nicht unter diese Statistik fallen, so Evers. So gaben einige Mitarbeiter an, auf einen anderen Impfstoff zu warten oder aufgrund möglicher Nebenwirkungen noch einige Monate zu warten. Bisher konnten mehr als 200 Mitarbeiter geimpft werden. Vorrang hatten dabei diejenigen der "ersten Welle", also Mitarbeiter mit dem höchsten Expositionsrisiko, unter anderem von der Intensivstation, den Covid-19-Stationen oder der Notaufnahme. Diese erste Welle sei inzwischen so gut wie durchgeimpft, sagt Evers. 

Generell seien die Erkenntnisse zur Impfbereitschaft bisher "anekdotisch", erklärte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn bei einer Pressekonferenz am Mittwoch, wie BibliomedManager berichtete. Ein ähnliches Bild zeichnet auch PD Dr. Bernhard Jahn-Mühl, Leiter Agaplesion Institut für Hygiene und Umweltmedizin. Aufgrund der unterschiedlichen Impforganisation der Bundesländer sehe man große regionale und überregionale Unterschiede. Für valide Zahlen zur Impfquote und Impfbereitschaft sei es daher zu früh. Hinzu komme, dass "die aktuell noch knappe Impfstoffverfügbarkeit hier der limitierende Faktor ist und nicht eine fehlende Impfbereitschaft", sagt Jahn-Mühl auf Anfrage. Am Beispiel der Agaplesion Frankfurter Diakonie Kliniken könne man eine hohe Impfbereitschaft beobachten, viele Mitarbeiter hätten sich in den ersten Impfterminen bereits impfen lassen. 

Eine Frage der Organisation und Aufklärung

Bundesweit appellieren Verbände wie der Deutsche Pflegerat oder der Deutsche Berufsverband für Pflegeberufe (DBfK) und die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) für eine Impfung. Der DBfK empfiehlt den Pflegefachpersonen eine Impfung, sofern persönliche Gesundheitsrisiken nicht dagegen sprechen. Franz Wagner, Präsident des Deutschen Pflegerats e.V. (DPR), betont: "Das dient dem eigenen Schutz der Pflegenden und dem Schutz der von ihnen gepflegten und betreuten Menschen."

Organisatorisch müsse jedoch nachjustiert werden, auch um die Impfbereitschaft zu erhöhen. Vielerorts stünden Impfstoffe nicht zur Verfügung und die Impfungen gestalten sich aufgrund von Organisationsproblemen der Länder schwierig. "Diese Anfangsprobleme müssen schnellstmöglich behoben werden", fordert Wagner in einer Mitteilung. Bundesärztekammer-Präsident Dr. Klaus Reinhardt hat sich für ein bundesweit abgestimmtes Vorgehen ausgesprochen. "Ein Potpourri länderspezifischer Regelungen, welche Bevölkerungsgruppen zuerst geimpft werden und wie Impftermine vereinbart werden können, führt nur zu Verunsicherung und stellt Krisenmanagement infrage. Die Menschen erwarten, dass sich die Länder auf ein bundesweit einheitliches Vorgehen verständigen, wann sie wo geimpft werden können", so Reinhardt. 

Beim Thema Transparenz und Aufklärung gibt es Einigkeit. Kliniken und Verbände betonten, wie wichtig Informationen etwa zu Nebenwirkungen oder Wirkmechanismen seien. Hinzu komme, dass die Impfbereitschaft mit jeder erfolgreichen Impfung steige. Der Klinikkonzern Agaplesion beispielsweise hat im Dezember eine Kampagne gestartet mit dem Ziel, möglichst viele der rund 20.000 Mitarbeitenden von einer Impfung zu überzeugen. Die Mitarbeitenden sind nicht nur Zielgruppe, sondern auch die Gesichter der Kampagne. 

Autor

 Luisa-Maria Hollmig

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