Für die Klinik Tettnang ist das Ende absehbar: Der Gläubigerausschuss des Medizin Campus Bodensee hat entschieden, den Krankenhausbetrieb nur noch bis zum 31. Mai 2026 aufrechtzuerhalten. Trotz einer kurzfristigen Finanzhilfe durch die Stadt Friedrichshafen fehlt eine wirtschaftliche Perspektive für den Standort.
Der Krankenhausbetrieb in Tettnang wird bis zum 31. Mai 2026 fortgeführt. Das teilte der Gläubigerausschuss des Medizin Campus Bodensee mit, der das Planinsolvenzverfahren in Eigenverwaltung begleitet.
Die Stadt Friedrichshafen hat zugesagt, den defizitären Betrieb für einen weiteren Monat finanziell zu überbrücken. Damit verschiebt sich eine ursprünglich zum 30. April erwogene Schließung. Zugleich bleibt es nach Angaben des Gläubigerausschusses bei dem Ziel, den Standort Ende Mai aufzugeben. „Aber an der Schließung zum 31. Mai 2026 führt leider kein Weg vorbei“, heißt es aus dem Gremium.
Stadt Friedrichshafen überbrückt Finanzierung
Nach Angaben der Geschäftsführung verschafft die Zusage der Stadt dem Klinikverbund Zeit, die Schließung geordnet vorzubereiten. Friedrichshafen war bis Ende 2025 Träger des Klinikums und damit auch der Klinik Tettnang. Geschäftsführer Jan-Ove Faust sagte, der zusätzliche Monat ermögliche Verhandlungen mit dem Betriebsrat. Termine zu einem Sozialplan und weiteren Vereinbarungen stehen bereits fest.
Keine Perspektive im Investorenverfahren
Die Beschäftigten hatte die Klinikleitung bereits im Januar über die angespannte Lage informiert. Ziel sei gewesen, den Betrieb möglichst bis zum 1. Juni aufrechtzuerhalten. „Diese Anstrengungen haben wir unternommen, um einem möglichen Investor keine Steine in den Weg zu legen“, erklärte das Eigenverwaltungsteam. Im laufenden Bieterverfahren sehen die verbliebenen Investoren jedoch keine Fortführung des Standorts als Krankenhaus vor.
Finanzlage bleibt angespannt
Als Hauptgrund für die drohende Schließung nennt die Geschäftsführung die wirtschaftliche Entwicklung. „Dass eine Schließung bereits zum 30. April im Raum stand, liegt an der immer schieferen Finanzlage der Klinik, die auf die negative Leistungsentwicklung zurückzuführen ist“, sagte Faust. Sollte es an Personal fehlen, könne sich die Schließung weiter vorziehen.
Über die künftige Nutzung des Standorts entscheidet der Kreistag des Bodenseekreises am 13. Mai in öffentlicher Sitzung. Zur Debatte steht, ob die Klinik vollständig geschlossen wird oder ob dort ein ambulantes Operationszentrum entstehen soll.
cs
