Covid-19-Schutzgesetz

Kliniken zweifeln an Pandemie-Radar

  • Covid-19
Kliniken zweifeln an Pandemie-Radar
© GettyImages.com/Taechit Taechamanodom

Das Pandemie-Radar soll von September an einen besseren Überblick über das Infektionsgeschehen liefern. Das hat Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) im Rahmen des Covid-19-Schutzgesetzes angekündigt, über das der Bundestag am heutigen Donnerstag abstimmt. Die Basis dafür sollen mehr Daten aus den Krankenhäusern bilden. 

Doch schon zur Beurteilung der Machbarkeit fehlten dem Sachverständigenausschuss der Bundesregierung entsprechende Daten. Eine konkretisierte Meldepflicht soll aber mit der sogenannten Surveillance-Verordnung kommen. Kliniken müssen danach täglich darüber informieren, wie viele Patienten auf den Normalstationen behandelt werden und wie viele Betten tatsächlich betreibbar sind. Zudem soll eine Pflicht bestehen, die Belegung der Notfallambulanzen je nach Diagnose mitzuteilen.

Kritik von Krankenhäusern 

Das Pandemie-Radar greift zentrale Empfehlungen des Sachverständigenausschusses auf. Es sei schon lange an der Zeit dafür gewesen, verdeutlicht Lauterbach am Donnerstagmittag im Bundestag. „Jetzt können wir bessere Daten tagesaktuell anbieten“, so der Minister. „Wir gehen mit der Wissenschaft, wir gehen mit dem Expertenrat.“ Das Gesundheitsministerium erhofft sich von den Daten eine Art Frühwarnsystem. „Wir werden viele Daten haben, arbeiten aber ohne fixe Werte“, fügt Lauterbach zum Covid-19-Schutzgesetz hinzu. 

Die Kliniken selbst zweifeln jedoch an der Machbarkeit des Pandemie-Radars, wie die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) berichtet. Bereits seit Monaten bereiten sie sich mit Unterstützung der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG) auf die Neuregelung vor. Diese sei laut DKG „nicht mehr umsetzbar“, heißt es in dem FAZ-Bericht. Meldungen von Normalstationen seien zwar geplant gewesen, doch im Zuge des Pandemie-Radars wurde der Start der Meldepflicht vom 1. Januar 2023 auf 17. September dieses Jahres vorgezogen. Weil die Software dafür jedoch nicht rechtzeitig fertig werden könne, müssten viele Kliniken zunächst auf ein anderes Programm ausweichen, das eigentlich für Arztpraxen entwickelt wurde, und darin jeden Fall einzeln eintragen und analog notieren, kritisiert Markus Holzbrecher-Morys von der DKG sowie Leiter des Geschäftsbereichs Digitalisierung und eHealth. Er fürchtet Mehraufwand – insbesondere für das Personal – und appelliert für schnelle Lösungen. Denn: Die neuen Vorgaben sollen ab Tag eins gelten, Verstöße sollen mit einem Bußgeld geahndet werden.

Autor

 Anika Pfeiffer

Abonnieren Sie unseren Newsletter

Mit unserem täglichen Newsletter informieren wir bereits rund 10.000 Empfänger über alle wichtigen Meldungen aus den Krankenhäusern und der Gesundheitsbranche

Kontakt zum Kundenservice

Rufen Sie an: 0 56 61 / 73 44-0
Mo - Fr 08:00 bis 17:00 Uhr

Senden Sie uns eine E-Mail:
info@bibliomedmanager.de

Häufige Fragen und Antworten finden Sie im Hilfe-Bereich