Positionspapier

Klinikträger und AOK wollen Versorgungsstrukturen neu aufstellen

  • Krankenhausplanung
Klinikträger und AOK wollen Versorgungsstrukturen neu aufstellen
© ©Werner Krueper Fotografie

Der AOK-Bundesverband und die Krankenhausträger Diakoneo, Bezirkskliniken Mittelfranken und Helios sprechen sich in einem Positionspapier für die Umstellung der bisherigen, sektorenbezogenen Bedarfsplanung (s. auch Themenseite Krankenhausplanung) aus, die noch streng nach stationären und ambulanten Leistungen unterscheidet. Auch die Ergebnisqualität soll künftig eine stärke Bedeutung bekommen.

"Die Chance für eine grundlegende strukturelle Erneuerung der Versorgungslandschaft ist in den letzten Legislaturperioden nicht genutzt worden", kritisiert Dr. Francesco De Meo, Vorsitzender der Geschäftsführung bei den Helios Kliniken. "Reformen zur Überwindung der sektoralen Trennung der Leistungsangebote sind ausgeblieben und regionale Gestaltungsmöglichkeiten wurden beschnitten." Die regionale Vergabe von Versorgungsaufträgen würde den Weg frei machen für passgenaue regionale Versorgungs- und Vergütungsvarianten, heißt es in einer Mitteilung der AOK. Diese Vergütungsvarianten können auch regionale Versorgungsnetzwerke umfassen, die gemeinsam Verantwortung für Kosten und Qualität der Versorgung der Bevölkerung tragen, um eine bessere Verzahnung ambulanter, stationärer und digitaler Angebote zu erreichen. 

Gesundheitsversorgung müsse sich nicht an den Einrichtungen, sondern an den Bedürfnissen der Patienten orientieren, sagt Dr. Matthias Keilen, strategischer Vorstand bei den Bezirkskliniken Mittelfranken. Daher spielen auch regionale Aspekte eine große Rolle. Regionale Handlungsspielräume seien die Voraussetzung für die dringend notwendige Weiterentwicklung des Versorgungsangebotes, etwa durch ambulante Gesundheitszentren. Ebenso müsste es beim Thema Vergütung mehr Spielraum geben. 

In dem Positionspapier werden sieben Aspekte genannt:

1. Ambulante Versorgung wird sekorenunabhängig erbracht; Vertragsärzte und Krankenhäuser nehmen teil
Die Sektorengrenzen sollen aufgelöst werden, ambulante Leistungen werden auf Basis konkreter Versorgungsaufträge, die regional ausgeschrieben werden, erbracht. Zudem wird die Übernachtungsmöglichkeit in einzelnen Leistungsaspekten berücksichtigt, etwa nach ambulanten Operationen. Die Umgestaltung soll mit einem Vergütungssystem flankiert werden, das Anreize für die Entwicklung setzt.

2. Die stationäre Versorgung muss nachhaltig bereinigt werden, mit einer deutlichen Erweiterung der regionalen vertraglichen Gestaltungsmöglichkeiten
Versorgungsstrukturell nicht notwendige Einrichtungen sollen geschlossen beziehungsweise von der Versorgung ausgeschlossen werden. Stationäre Leistungen sollen durch weiter auszuweitende Mindestmengen und Qualitätsvorgaben weiter zentralisiert werden, wobei die Ergebnisqualität Vorrang vor der Strukturqualität hat. Differenzierte Versorgungsaufträge sollen an eine bedarfsgerechte Anzahl von Krankenhäusern erteilt werden. Die Leistungen der Häuser können nur innerhalb der Versorgungsaufträge geleistet werden. 

3. Erweiterung der regionalen Spielräume für die vertragliche Regelung passgenauer Versorgungsvarianten
Etablierung regionaler Versorgungsnetzwerke und Aufbau ambulanter Gesundheitszentren. Diese könnten aus nicht mehr bedarfsnotwendigen Krankenhäusern entstehen. 

4. Erweiterung der regionalen Spielräume für die vertragliche Regelung passgenauer Vergütungsvarianten
Ermöglichung einer qualitätsbezogenen episodenbasierten Vergütung, Budgets für regionale Versorgungsaufträge sowie Elemente einer erfolgsabhängigen Vergütung. 

5. Umstellung der sektorbezogenen Bedarfsplanung auf eine sektorenunabhängige Definition von Versorgungsaufträgen
Zusammenführung der Krankenhausplanung und der Bedarfsplanung in der niedergelassenen Versorgung in eine abgestimmte Gesamtplanung. Die ambulante Versorgung erfolgt durch Vertragsärzte, Krankenhäuser, Pflege und weitere Leistungserbringer. Der Versorgungsumfang richtet sich nach der Morbidität und der zu versorgenden Einwohnerzahl in der jeweiligen Region. 

6. Ein regionales gemeinsames Gremium verantwortet und lenkt unter Aufsicht der Länder die Planung und Sicherstellung der regionalen Leistungsbedarfe auf Landesebene
Die regionale Planung soll in einem neuen, sektorenübergreifenden Gremium analog zur Besetzung des G-BA zusammengeführt werden und ist mit Vertretern der Krankenkassenverbände, niedergelassenen Ärzte und Krankenhäuser besetzt. Für die Sicherstellung der Versorgung werden Versorgungsaufträge ausgeschrieben und vergeben (ambulant) oder zugewiesen (stationär). 

7. Ergebnisqualität als Treiber im Qualitätswettbewerb
Ein systematisches, flächendeckendes Erheben der Ergebnisqualität, das sich an etablierten internationalen Standards orientiert, soll eingeführt werden. Mindestmengen haben einen positiven Einfluss auf die Ergebnisqualität und sollen daher angehoben ausgeweitet werden. Ziel ist eine verringerte Morbidität und Mortalität.

 

Hier geht es zu den vollständigen Positionen.

Autor

 Luisa-Maria Hollmig

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