Krankenhausfinanzierung

GKV warnt: Krankenhauskosten steigen rasant – Reformen sollen Milliarden sparen

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Johannes Wolff, Leiter Abteilung Krankenhäuser, GKV-Spitzenverband
Johannes Wolff, Leiter Abteilung Krankenhäuser, GKV-Spitzenverband © Regina Sablotny

Die Krankenhausausgaben steigen schneller als die Wirtschaft. Der GKV‑Spitzenverband warnt vor einer Finanzierungslücke ab 2027 und setzt auf vier Reformmaßnahmen, um Milliarden einzusparen. Im Mittelpunkt stehen Ambulantisierung, eine schärfere DRG‑Normierung und das Ende der Selbstkostendeckung im Pflegebudget.

Seit Jahren driften Krankenhausausgaben und Sozialleistungen auseinander. Während das Bruttoinlandsprodukt nur langsam wächst, verzeichnet das Krankenhauswesen deutliche Ausgabensteigerungen – Tendenz steigend. Zweistellige Wachstumsraten gelten inzwischen als normal, moniert Johannes Wolff, Leiter Abteilung Krankenhäuser, GKV-Spitzenverband, auf dem DRG|FORUM, besonders in der Psychiatrie und Pflege.

Gleichzeitig müsse der Staat immer mehr Mittel in grundsätzliche Aufgaben wie Verteidigung und Energiehilfe stecken. Die Konkurrenz um staatliche Ressourcen wächst – und mit dem Renteneintritt der Babyboomer verschärfe sich das Bild weiter. Ohne staatliche Finanzspritzen wäre das System kollabiert, so Wolff. Allein seit 2020 flossen über 30 Milliarden Euro an Bundesmitteln in die Kliniken. "Das System ist in einer ziemlichen Schieflage", so Wolffs Fazit. 2027 endet zudem die Sofort-Transformation – ein Loch von mehr als 3,5 Milliarden Euro bleibt. 

Vier zentrale Vorschläge des GKV Spitzenverbands

Um die Ausgabenentwicklung zu bremsen, präsentiert der GKV-Spitzenverband Reformvorschläge. Mithilfe der vier zentralen Maßnahmen sollen rund fünf Milliarden Euro jährlich eingespart werden.

1. Effizienzreserven heben – über die DRG‑Normierung

Der Verband fordert eine konsequente Produktivitätssteigerung, orientiert an der dänischen 2‑Prozent‑Regel. Durch Konzentration, Ambulantisierung und eine schärfere DRG‑Normierung sollen rund ein Milliarde Euro eingespart werden.

2. Krankenhauspreise begrenzen – „Price Cap“

Preissteigerungen sollen gedeckelt werden, unter anderem durch Umkehrung der Meistbegünstigungsklausel und der Streichung der vollen Tarifrate. Das Ziel: zwei Milliarden Euro geringere Preiszuwächse im stationären Bereich.

3. Ausstieg aus dem Pflegebudget in Selbstkosten

Der starke Personalaufbau bei gleichzeitig sinkenden Fallzahlen mache Pflege zum größten Kostentreiber, so Wolff. Seine Forderung: Pflege zurück in die DRG überführen und die Selbstkostendeckung beenden. Einsparpotenzial: rund zwei Milliarden Euro weniger Ausgabenzuwachs.

4. Abrechnungsprüfung und Ambulantisierung stärken

Die Ambulantisierung soll über Prüfmechanismen und neue Vergütungsformen wie Hybrid‑DRGs und Kurzzeitfallpauschalen („observation care“) beschleunigt werden. Das bringt laut Wolff zusätzliche eine Milliarde Euro Effizienzgewinne.

Wolff betonte: Ohne tiefgreifende Strukturveränderungen drohen ab 2027 massive finanzielle Schieflagen. Die Reformen sollen den stationären Sektor entlasten, Ambulantisierung fördern und die Krankenhauslandschaft effizienter und tragfähiger machen.

Autor

 Christina Spies

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