Die Kreiskliniken Hofgeismar und Wolfhagen müssen sich auf ein deutlich kleineres Leistungsspektrum einstellen. Mehrere beantragte Leistungsgruppen hat das Land Hessen abgelehnt oder nur befristet zugewiesen. Gleichzeitig erwartet der Landkreis für 2026 ein Klinikdefizit von 17 Millionen Euro.
Die Kreiskliniken Hofgeismar und Wolfhagen müssen ihr medizinisches Angebot nach den vorläufigen Entscheidungen des Landes Hessen deutlich reduzieren. Dazu berichtet die Lokalzeitung HNA.
Mehrere beantragte Leistungsgruppen wurden abgelehnt oder nur befristet zugewiesen. Der Kreistag will gegen die Befristungen vorgehen. Gleichzeitig rechnet der Landkreis für 2026 mit einem Klinikdefizit von 17 Millionen Euro.
Nur wenige Leistungsgruppen dauerhaft gesichert
Für Hofgeismar hatte die Betriebsleitung sieben, für Wolfhagen zwölf Leistungsgruppen beantragt. Unbefristet genehmigt wurden vor allem Leistungen der Grund- und Regelversorgung.
In Hofgeismar bleiben Allgemeine Innere Medizin, Allgemeine Chirurgie und Intensivmedizin dauerhaft erhalten. Die Zuweisungen für Allgemeine Frauenheilkunde, Geburtshilfe und den Perinatalen Schwerpunkt laufen dagegen Ende 2029 aus. Eine Stroke Unit wurde nicht genehmigt.
Wolfhagen erhält unbefristete Zuweisungen für Allgemeine Innere Medizin, Allgemeine Chirurgie, Palliativmedizin und Intensivmedizin. Die Leistungsgruppen für Hüft- und Knieoperationen sowie Angebote in Frauenheilkunde, HNO und Urologie sind nur bis Ende 2027 vorgesehen. Auch hier lehnte das Land eine Stroke Unit ab.
Sollten die Befristungen bestehen bleiben, würde sich das Leistungsspektrum in Wolfhagen bereits zum 1. Januar 2028 erheblich verkleinern. In Hofgeismar greifen weitere Veränderungen ab 2030.
Endoprothetik hat wirtschaftliche Bedeutung für Wolfhagen
Besonders relevant für die wirtschaftliche Situation in Wolfhagen ist die geplante Befristung der Endoprothetik. Dort werden jährlich 130 Hüft- und 100 Knieprothesen eingesetzt sowie 30 Prothesen gewechselt. Nach Angaben des Landkreises haben diese Leistungen eine hohe Bedeutung für die wirtschaftliche Tragfähigkeit des Standorts.
Die strukturellen Veränderungen treffen damit auf eine bereits angespannte Finanzlage. Die beiden Kreiskliniken verzeichneten im vergangenen Jahr ein Minus von rund 14 Millionen Euro. Für 2026 erwartet der Landkreis einen Fehlbetrag von 17 Millionen Euro, den er ausgleichen muss.
Beide Häuser beschäftigen zusammen rund 450 Mitarbeiter. Hofgeismar verfügt derzeit über 114 Betten, Wolfhagen über 84. Der Landkreis geht davon aus, dass die Bettenzahl mit einem kleineren Leistungsspektrum sinken wird.
Personalentwicklung in Hofgeismar wird zum Risiko
In Hofgeismar erwartet die Betriebsleitung weitere Auswirkungen bereits vor dem Auslaufen der befristeten Leistungsgruppen. Ab Mitte 2027 könnte sich die Personalstruktur ausdünnen, wenn Mitarbeiter in Bereichen ohne langfristige Perspektive den Standort verlassen.
Hinzu kommt der bauliche Zustand des Krankenhauses. Nach Einschätzung des Landkreises kann der Betrieb in den bestehenden Strukturen nur noch für eine begrenzte Zeit fortgeführt werden.
Damit wächst der Handlungsdruck auf das bereits 2024 beschlossene Zukunftskonzept. Dieses sieht vor, Hofgeismar als Krankenhaus der Grund- und Regelversorgung weiterzuführen und Wolfhagen zu einem sektorenübergreifenden Versorger mit Notfallversorgung umzubauen. An beiden Standorten waren zudem Neubauten vorgesehen. Die weitere Planung hängt nun von den endgültigen Zuweisungen des Landes ab.
Kreistag will gegen Befristungen vorgehen
Der Kreistag hat sich dafür ausgesprochen, dass der Landkreis gegen die Befristung der Leistungsgruppen Widerspruch einlegt. Bereits am 23. Oktober hatte er fristgerecht Stellung genommen und sich gegen Ablehnungen sowie Befristungen gewandt. Zudem verlangt er Klarheit darüber, ob weitere Leistungsgruppen nur zeitlich begrenzt zugewiesen werden sollen.
Die endgültigen Bescheide des Landes Hessen werden im Dezember erwartet. Erst dann steht fest, welche medizinischen Angebote den beiden Kreiskliniken langfristig verbleiben und auf welcher Grundlage der Landkreis seine weiteren Strukturentscheidungen treffen kann.
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