Orientierungswert von Prof. Heinz Lohmann

Kunst kann heilen helfen

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Kunst kann heilen helfen
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Ganz offen gesagt, wirken Krankenhäuser auf mich in ihrer Gestaltung ganz häufig fürchterlich steril, ja befremdlich und furchteinflößend. Das passiert mir sogar, wenn ich nur Besucher bin. Erst recht kann das natürlich für Patienten gelten, die sich in aller Regel in einem Extremzustand befinden. Sie sind aus ihrer Normalität herauskatapultiert. Was gestern und vorgestern galt, ist hier und heute ungültig. Sie fühlen sich deshalb äußerst verunsichert. Es gibt Kliniken, die auf diese Herausforderung mit einem verblüffenden Angebot reagieren, sie präsentieren Kunst. Welche Rolle kann aber in einer solchen Situation ein Bild oder eine Skulptur überhaupt spielen? Kommt denn einem Kunstwerk in einer derartigen Befindlichkeit tatsächlich irgendeine Bedeutung zu? Auf diese sehr berechtigten Fragen gibt es eine plausible Antwort. Kranke werden in Kliniken häufig auf ihre Defizite reduziert. Sie werden im medizinischen Routinebetrieb immer wieder auch mal funktionalisiert. Für den Genesungsprozess ist es aber ganz wichtig, sie aus der erzwungenen Passivität zu befreien und sie zu Co-Behandlern zu machen. Die Ausstattung des Krankenhauses mit Kunst ist dazu geeignet, sie als ganze Persönlichkeit anzusprechen. Scheinbar für die Therapie überflüssig, adressiert Kunst den „Gesunden im Kranken“ und kann damit ein Beitrag sein, der die Wertschätzung durch die Klinik signalisiert. 

Kunst in Kliniken kann zeigen, dass es um mehr als nur um die „Reparatur von Defekten“ geht. Vielleicht kann sie sogar helfen, neuen Mut und Lebenswillen zu erzeugen. Dazu kann ich ein Beispiel von mir selbst berichten: Mitte der 90er Jahre wurde ich bei einem Autounfall schwer verletzt. Nachts habe ich in einem Bett vor der Röntgenabteilung eines Krankenhauses auf meine Untersuchung gewartet und nach oben an die Flurdecke gestarrt. Und dann sah ich dort ein mehr als 10 Meter langes Gemälde. Es stellt die Aufsicht auf einen Strand mit Seesternen und Krebsen dar. Das Werk ist, wie sich später herausstellte, eine Arbeit des ZEBRA-Künstlers Peter Nagel. Zuvor war ich schon gelegentlich beruflich an diesem Ort, das Kunstwerk allerdings hatte ich nie bemerkt. In dieser Nacht nun hat mir das Bild das Gefühl gegeben, dass es mehr gibt als nur Krankheit. Nachdem meine Gedanken sich stundenlang nur um den Unfall und meine Verletzungen gedreht hatten, gab mir dieses Kunsterlebnis wieder eine Perspektive über diesen schrecklichen Tag hinaus. Viele Jahre später habe ich mich sehr dafür eingesetzt, dass das Bild von Peter Nagel in dem Krankenhaus, für das es bei seinem Bau vom Künstler eigens gemalt worden war, nach einem größeren Umbau wieder aufgehängt wurde. Selbstverständlich war das leider nicht, sollte es aber sein und überall Schule machen, denn Kunst kann heilen helfen.

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