Stellungnahme

Leopoldina empfiehlt Reform des Gesundheitssystems

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Leopoldina empfiehlt Reform des Gesundheitssystems
© ©Werner Krueper Fotografie

Die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina hat heute Empfehlungen für eine Reform des deutschen Gesundheitswesens vorgelegt. Die Autorinnen und Autoren der vierten Ad-hoc-Stellungnahme zur Corona-Pandemie sprechen sich darin unter anderem für eine starke Rolle des Staates, eine Reform der DRG und die bessere Bezahlung von Pflegekräften aus. Bisherige Überlegungen einer Krankenhausreform seien angesichts der Krise nicht obsolet geworden, mahnen die Autoren.

Die Leopoldina plädiert in ihrer heute veröffentlichten vierten Ad-hoc-Analyse (zum Download auf der Website der Leopoldina) für ein "bedarfs- und nicht primär gewinnorientiertes System, das sich am Patientenwohl orientiert und qualitätsgesichert arbeitet". Die Coronavirus-Pandemie habe das deutsche Gesundheitssystem in den vergangenen Wochen vor außergewöhnliche Herausforderungen gestellt. Nun müsse man die bedarfsgerechte Prävention, Diagnostik und Behandlung aller Patientinnen und Patienten zeitnah und vollumfänglich wiederaufnehmen. Kurz- und mittelfristig empfehlen die Autoren unter anderem die Vorhaltung von ausreichenden Kapzitäten zur Versorgung von Covid-19-Erkrankten, den Ausbau eines regionalen und krankenhausinternen Frühwarnsystems für SARS-CoV-2-Infektionen und die Umsetzung wissenschaftlich unterlegter, zielgerichteter Teststrategien.

"Wie diese Krise deutlich zeigt, können in einem Gesundheitssystem, das ein integraler Bestandteil der Daseinsvorsorge ist, grundsätzlich nicht die gleichen wirtschaftlichen Maßstäbe angelegt werden wie in der freien, wettbewerbsorientierten Wirtschaft", schreiben die Autoren. Die Gestaltung eines adaptiven Gesundheitssystems, das auch Ausnahmesituationen meistern kann, sei eine staatliche Aufgabe. "Es muss eine klare Abgrenzung und Zuschreibung der Versorgungsniveaus und der Behandlungsbedingungen geben", heißt es. Zudem betonen die Autoren: "Reformbemühungen im Krankenhaussystem, die in diese Richtung gehen, sind durch die gegenwärtige Krise nicht obsolet geworden."

Langfristig plädieren die Autoren unter anderem für regionale Versorgungs- und Forschungsnetzwerke. Eine Schlüsselrolle komme dabei der Universitätsmedizin zu. Sie müsse umfassende Laborkapazitäten und technische Einrichtungen für spezialisierte Behandlungen sowie die spezifische Expertise vorhalten und sich etwa über Telemedizin "mit allen Leistungserbringern verbinden und so eine überregionale Beratungs- und Mitbehandlungstätigkeit ausüben". Zentral sei zudem die Digitalisierung und Vernetzung aller Krankenhäuser und ambulanten Versorger sowie die "bedarfsgerechte Ausstattung mit qualifiziertem medizinischen und pflegerischen Personal".

Die Autoren sprechen sich zudem für eine "Weiterentwicklung des Fallpauschalen-Systems" aus, hin zu "einem System, das den Leistungsbezug beibehält, dabei aber Elemente struktureller Entwicklung (z.B. durch Festlegung von Versorgungsstufen) und der Vorhaltefinanzierung so stärkt, dass grundsätzliche Fehlanreize des derzeitigen Systems korrigiert und vermieden werden, seltene und komplexe Krankheiten besser behandelt werden und die Bildung von Reserven (z.B. zusätzliche Intensiv- und Infektionsbereiche, Notfallmedizin) ermöglicht wird".

Die Sicherstellung der Versorgungsaufgaben müsse gewährleistet werden, etwa  "durch die Ergänzung der bisherigen Fallpauschalen um strukturelle Komponenten und unter Vermeidung von Fehlanreizen". Zudem fordern die Autoren "gesellschaftliche Wertschätzung, eine angemessene Entlohnung, attraktive und bedarfsgerechte Ausbildungsstrukturen und gute Arbeitsbedingungen für medizinisches und pflegerisches Fachpersonal".

Zu den Autoren bzw. Mitwirkenden, die fast alle aus den Uniklinika stammen, zählten unter anderem Prof. Dr. Heyo K. Kroemer und Prof. Dr. Christian Drosten (Charité Berlin), Prof. Dr. Axel Ekkernkamp (BG-Kliniken), Dr. Andrea Grebe (Vivantes)Prof. Dr. Jens Scholz (Universitätsklinikum Schleswig-Holstein) und Prof. Dr. Jochen A. Werner (Universitätsmedizin Essen).

Autor

 Florian Albert

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