DIVI-Register

MDR-Bericht: Kliniken melden falsche Bettenzahlen

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MDR-Bericht: Kliniken melden falsche Bettenzahlen
© ©Werner Krueper Fotografie und Film
Krankenhäuser in Sachsen melden einem MDR-Bericht zufolge freie Intensivbetten an das DIVI-Register, obwohl diese gar nicht verfügbar sind. Die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) weist die Vorwürfe zurück.

Krankenhäuser in Sachsen melden einem MDR-Bericht zufolge freie Intensivbetten an das Divi-Register", obwohl diese gar nicht verfügbar sind. Auf einen entsprechenden Abgleich der freien Behandlungskapazitäten im "Divi-Intensivregister" mit internen Bettenlisten der Krankenhäuser von fünf sächsischen Landkreisen verweist das ARD Magazin FAKT.

Demnach lag bereits vergangene Woche die Gesamtzahl der freien Intensivbetten in den Landkreisen Bautzen, Dresden, Sächsische Schweiz Osterzgebirge, Görlitz und Meißen bei lediglich rund 20. Mit 50 freien Intensivbetten habe das "Divi-Intensivregister" aber mehr als doppelt so viele Intensivbetten für diese Landkreise ausgewiesen, heißt es in diesem Bericht. Auch im Zittauer Klinikum Oberlausitzer Bergland, das vergangene Woche wegen Berichten über erste Tragierung von Patienten Schlagzeilen machte, habe die interne Bettenliste zu diesem Zeitpunkt tatsächlich null freie Betten ausgewiesen - obwohl im "Divi-Intensivregister" noch immer verfügbare Bettenkapazitäten gemeldet wurden.

Zwei der Kliniken mit abweichenden Angaben in der Divi-Datenbank und der internen Bettenliste haben dem ARD-Magazin auf schriftliche Anfragen geantwortet. Das Klinikum Görlitz erklärt abweichende Angaben demnach mit krankem oder in Quarantäne befindlichem Personal, wodurch freie Betten nicht belegt werden könnten. Die Bettenliste für die Krankhausleitstelle sei tatsächlich "praxisrelevanter und pragmatischer" als das "Divi-Intensivregister". Die Oberlausitz-Klinik Bautzen hingegen teilte mit: "Die Realität, die wir gerade in den deutschen Krankenhäusern erleben, ist wohl etwas komplexer als die 'Divi-Datenbank' sie darstellt." Ausgleichsbeträge oder "Freihaltepauschalen" beziehe man nicht.

Ein namentlich nicht genanntes Mitglied des sächsischen Corona-Krisenstabes vermutet laut MDR, die Kliniken würden offiziell mehr Intensivbetten melden, weil sie für freie Covid-19-Betten Ausgleichszahlungen erhielten.

Aktualisierung vom 14.1.2021:

Coronapatienten binden überdurchschnittlich viel Personal, daher müssten Krankenhäuser, wenn sie solche Patienten aufnehmen, immer wieder eine höhere Bettenzahl abmelden, als eigentlich Neupatienten vorhanden sind, so ein Sprecher der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG) auf Anfrage von BibliomedManager. Dadurch verringere sich auch die Gesamtzahl der betreibbaren Intensivbetten. "Das Divi-Intensivregister kann diese häufig sehr kurzfristige Entwicklung nicht immer sofort abbilden. Auf diese Weise entsteht immer wieder der Eindruck, Krankenhäuser würden Betten melden, die in Wirklichkeit nicht existieren." Zu den konkrete Hintergründen in Sachsen will sich der Verband nicht äußern.

Die Vorwürfe des "Insiders" stellten zudem das System der Ausgleichszahlungen grob verzerrt dar. "Maßgeblich ist die Zahl der Behandlungstage des Vorjahres. Erreicht ein Krankenhaus nachweislich die Durchschnittszahl der Behandlungstage aus dem Jahr 2019 nicht, wird es anspruchsberechtigt. Es ist weder möglich, für gemeldete aber angeblich nicht vorhandene Betten einen Ausgleich zu erhalten, noch für das bloße Aufstellen neuer Betten. Insofern hätte ein Krankenhaus, das auf diese Weise 'tricksen' möchte, keinerlei Nutzen", so der Sprecher.

Autor

 Florian Albert

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