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Sachverständigenrat: Endlich Digitalisierung nutzen

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Sachverständigenrat: Endlich Digitalisierung nutzen
© Natali_Mis

Leben und Gesundheit der Menschen in Deutschland könnten besser geschützt werden, wenn endlich die Möglichkeiten der Digitalisierung im Gesundheitswesen sinnvoll genützt würden. Zu diesem Schluss kommt der siebenköpfige Sachverständigenrat Gesundheit (SVR) in seinem aktuellen Gutachten, das gestern Herrn Minister Spahn übergeben und anschließend in der Bundespressekonferenz vorgestellt wurde.

Die Politik habe in den letzten Jahren Schritte in die richtige Richtung getan, es gebe aber noch Fehlentwicklungen. „Ziel muss die Neuausrichtung der Gesundheitsversorgung sein: hin auf ein digitales, ein systematisch lernendes Gesundheitssystem“, betont der SVR-Vorsitzende, Prof. Dr. Ferdinand Gerlach. Gesundheitsdaten müssten in richtige Hände gelangen können. "In Hände, die Leben und Gesundheit schützen wollen." Die Angehörigen der Heilberufe in Deutschland wollten dies, ebenso die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. "Kluges Misstrauen sollte zu geeigneten Schutzmaßnahmen führen – nicht Hilfe verhindern, denn Daten teilen heißt besser heilen“, appelliert Gerlach.

"Sinnvolle Datennutzung in Deutschland nicht möglich"

Er erinnert daran, dass die Menschen in Deutschland jeden Tag Abermillionen von Daten produzieren, darunter sehr viele, die ihre Gesundheit betreffen. "Die meisten dieser Daten wandern in die Arme von Datenkraken außerhalb der EU und werden von diesen für kommerzielle Zwecke, Werbung und Angebote ausgewertet." In Deutschland jedoch würden Probleme aufgetürmt, die eine sinnvolle Datennutzung fast unmöglich machten. Gerlach nennt die Skepsis gegenüber der elektronischen Patientenakte (ePA) und generell gegenüber der Sammlung von Daten zur Gesundheitsversorgung, zur Forschung, Prävention, Diagnostik und Therapie: „Das ist unverantwortlich. Länder wie Dänemark oder Estland, in denen auch die Datenschutzgrundverordnung gilt, nutzen die Chancen der Digitalisierung viel besser.“

Der Gesundheitsökonom und stellvertretende SVR-Vorsitzende Prof. Dr. Wolfgang Greiner ergänzt: „In der Corona-Pandemie hat sich zudem gezeigt, wie wichtig es wäre, Gesundheitsdaten wie eine nachgewiesene Ansteckung mit Bewegungs- und Kontaktdaten verknüpfen zu können, um zu erkennen, welche Situationen wirklich risikoreich im Sinne von Infektionsketten sind. Mit diesem Wissen könnten Maßnahmen zur Eindämmung viel gezielter sein.“ Die Corona-Krise zeige, dass es beim Thema Datennutzung um den effizienten Schutz von Leben und Gesundheit geht sowie darum, das Wirtschaftsleben ebenso wie Bildung, Kultur und Freizeitaktivitäten nicht unnötig einzuschränken. Um beurteilen zu können, welche Einschränkungen wirklich nötig und angemessen sind, müssten Forschende Daten auswerten dürfen.

Daten für gezieltere Forschung und Versorgung nutzen

Der Sachverständigenrat knüpfe an den Deutschen Ethikrat an, der in seiner Stellungnahme zu ‚Big Data und Gesundheit‘ feststellte, einem Datenmissbrauch könne ‚mit Handlungsformen und Schutzmechanismen des traditionellen Datenschutzrechts nur unzureichend begegnet‘ werden. Der Sachverständigenrat hält es für an der Zeit, "mit geeigneten technischen Maßnahmen, mit empfindlichen Strafandrohungen und wirksamen Kontrollen die Datensicherheit zu stärken und zugleich Möglichkeiten zu schaffen, Daten für gezieltere Forschung und Versorgung zu nutzen".

Der Rat formulierte in seinem Gutachten "Digitalisierung für Gesundheit Ziele und Rahmenbedingungen eines dynamisch lernenden Gesundheitssystems" Empfehlungen zur patientenwohldienlichen Ausgestaltung der ePA ebenso wie zur treuhänderisch kontrollierten Nutzung von Gesundheitsdaten für die Forschung. Das Gutachten erörtert ferner die Nutzung und Kostenerstattung von digitalen Gesundheitsanwendungen und die Steigerung digitaler Gesundheitskompetenz in den Heilberufen im Besonderen und bei den Bürger im Allgemeinen. Es skizziert die normativen, rechtlichen und ökonomischen Rahmenbedingungen der Digitalisierung und die strategischen Schritte, die auf ein dynamisch lernendes Gesundheitssystem hin zu tun sind.

Autor

 Christina Spies

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