Notfallreform im GVWG

Schreyögg: "Erstes Element der eigentlichen Reform"

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Schreyögg: "Erstes Element der eigentlichen Reform"
Jonas Schreyögg © Uni Hamburg

Die Reform der Notfallversorgung ist abgesagt. Im GVWG will der Gesundheitsminister einen Teil der gescheiterten Reform umsetzen. Prof. Jonas Schreyögg befürwortet diesen Schritt. Er ist Mitglied des Sachverständigenrates und einer der Väter des Reformvorschlags.

Im GVWG möchte der Gesundheitsminister einen Teil der eigentlichen Notfallreform umsetzen: Kassenärzte sollen ein ambulantes Ersteinschätzungsverfahren in Kliniken einführen. Ist es aus Ihrer Sicht sinnvoll, die Reform scheibchenweise umzusetzen?

Für mich ist das ein erstes Element der eigentlichen Reform. Wenn die politische Lage so vertrackt ist wie sie ist, finde ich richtig, mit einzelnen Teilen der Reform zu beginnen. Die Selbstverwaltung sollte aber bei der Implementierung sicherstellen, dass wir keine Strukturen schaffen, die nachher verworfen werden. Ziel der Reform sollte es am Ende sein, dass nur noch die potenziell lebensbedrohlichen Fälle ohne Termin im Krankenhaus landen.

Die Kliniken stören sich seit Beginn der Reformdiskussion an der Gatekeeper-Position der Kassenärzte im Krankenhaus – und gehen in Frontalopposition. Ist dieses Konstrukt so überhaupt noch umsetzbar?

Ein wichtiger Bestandteil der Reform ist die telefonische Triage – wie das Vorbild in Dänemark zeigt. Eine systematische Triage im Krankenhaus ist ebenfalls wichtig. Ob das dann der niedergelassene Arzt machen muss, sei mal dahingestellt. Irgendwer muss aber den Hut aufhaben und formal ist das derzeit die KV. Diese Frage wird für meinen Geschmack aber viel zu polarisierend diskutiert. Die KV-Ärzte haben kein Interesse, den Kliniken Patienten wegzunehmen. Insofern ist der Zwist zwischen DKG und KBV für mich teilweise eine Show-Diskussion, die an der Praxis vorbeigeht. Denn vielerorts, etwa in Schleswig-Holstein, funktioniert diese Arbeitsteilung in der Notaufnahme bereits ziemlich reibungslos.

Seit etwa zwei Jahren kommen die Kassenärzte ihrem Versorgungsauftrag in der ambulanten Notfallversorgung besser nach. Sie haben mit der Telefontriage begonnen – und die Patientenzahlen in den Notaufnahmen steigen nicht mehr. Wie viel Potenzial steckt denn noch in der Telefontriage?

Dort, wo eine einheitliche Telefontriage stattfindet – also in Dänemark und mit Abstrichen auch in Frankreich und Holland – ist die Hospitalisierungsquote (teilweise) deutlich geringer als in Deutschland.
 

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Autor

 Jens Mau

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