Bilanzgespräch

Sontheimer: "Solange das Defizit einstellig ist, bin ich zufrieden"

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Sontheimer: "Solange das Defizit einstellig ist, bin ich zufrieden"
Gerhard Sontheimer © Gerhard Sontheimer

Herr Dr. Sontheimer, bei Ihrem Start als Geschäftsführer der Anregiomed Kliniken 2018 hieß es noch, Sie sollten das Unternehmen aus einer finanziellen Schieflage retten – wie fällt nach fünf Jahren Amtszeit Ihr Resümee aus? Wie ist die wirtschaftliche Lage des Hauses?

Meine Vorgabe war vor allem die einer guten Medizin. Als ich 2018 angetreten bin, hatten wir einen Jahresabschluss von minus 18,7 Millionen Euro und in den Folgejahren 2019, 2020 und 2021 Defizite von 8,5 Millionen Euro, 7,5 Millionen Euro und 7,5 Millionen Euro. In diesen Jahren habe ich immer wieder meinen Gesellschaftern – der Stadt und dem Landkreis Ansbach – signalisiert, dass Defizite, die unter zehn Millionen Euro liegen, im Hinblick auf die Struktur positiv zu bewerten sind. Wir haben einige Fachgebiete, die wir nur mit wenig Betten belegen können, weil die Nachfrage niedrig ist, beispielsweise eine Pädiatrie oder Palliativmedizin, die jeweils zwölf Betten haben. Wenn es aber weniger als 25 Betten sind, kann man nur von einer schwarzen Zahl träumen. Aber es besteht Konsens darüber, dass diese Leistungen weiterhin vor Ort angeboten werden sollten.

Ihr Vertrag wurde Anfang des Jahres um fünf weitere Jahre verlängert. Welche Akzente möchten Sie bis 2028 setzen?

Im Grunde die Strategie, die wir auch in den letzten Jahren gefahren sind. Als erstes eine bestmögliche Medizin für Stadt und Landkreis Ansbach sicherstellen. Das zweite Thema ist die Wirtschaftlichkeit. Hier im Landkreis geht es nicht darum, große Überschüsse zu produzieren, aber alles muss finanzierbar sein. Drittens: Das Unternehmen in kommunaler Trägerschaft mitarbeiterorientiert ausrichten. Auch im Bereich der Maximalversorgung kann keine Klinik heute mehr alles leisten. Wir hingegen haben einen Schwerpunktversorger in Ansbach und zwei Grundversorger in Rothenburg sowie Dinkelsbühl. An jedem Standort nehmen wir 24/7 an der Notfallversorgung teil, darüber hinaus fokussieren wir uns auf Elektiveingriffe. Dafür haben wir an jedem Standort ein eigenes Profil definiert. Hüft- oder Knieendoprothesen werden beispielsweise am Standort Dinkelsbühl schwerpunktmäßig versorgt. Die Vorgabe der Mindestmengen ist für Knieendoprothesen 50, wir knacken dort Ende dieses Jahres voraussichtlich die 300er-Marke. Der Anspruch ist nicht, so viel wie möglich in die Fläche zu tragen, sondern ein Angebot an Leistungen vorzuhalten, das dem Bedarf entspricht.

Was treibt Ihr Haus aktuell um?

Wir haben im Moment drei Krisen: die Rohstoffkrise, den Fachkräftemangel und die Pandemie. Wir kommen aus zwei Jahrzehnten mit niedrigen Inflationsraten, inzwischen liegt sie bei knapp zehn Prozent. Aus dem Einkauf erhalte ich jedoch immer wieder Mitteilungen über Produkte, die teilweise nicht nur um 50 Prozent, sondern um den Faktor 3 teurer geworden sind. Was wir deshalb dringend noch in diesem Jahr bräuchten, wäre ein Inflationsausgleich und die volle Refinanzierung der Lohnkostensteigerungen. Die Kampagne „Alarmstufe Rot“ der DKG spiegelt die Situation vor Ort gut wider – wir sind in einem Überlebenskampf. Die Frage ist, wo Krankenhausträger bereit oder überhaupt in der Lage sein werden, ein entsprechendes Defizit auszugleichen. Im Bereich der Personalkosten beispielsweise, die 80 Prozent unserer Gesamtkosten ausmachen, sind uns als Tarifhaus die Zahlungen vorgegeben. Die steigenden Kosten müssen wir refinanziert bekommen. Aber wir leben in einem Finanzierungssystem, in dem letztlich der Preis- und Erlösanstieg durch die Landesbasisfallwerte gedeckelt sind – in unserem Fall mit 2,3 Prozent. Das wird nicht reichen, um die Tarifsteigerungen zu refinanzieren oder die Kostensteigerungen auszugleichen – eine Zwickmühle, aus der wir allein nicht herauskommen. Im Worst Case werden wir viele Insolvenzen erleben, was die Struktur der Versorgung komplett durcheinanderbringen würde.

Die Anregiomed Kliniken haben in den letzten Jahren noch nicht den Sprung in die schwarzen Zahlen geschafft. Gibt es angesichts der Inflation für Sie dahingehend noch Hoffnung?

Solange das Defizit einstellig ist, bin ich zufrieden. [...] (weiter zum vollständigen Interview im Abo-Bereich)

Autor

 Anika Pfeiffer

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