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Wirtschaftliche Lage in Niedersachsen am Tiefpunkt

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Wirtschaftliche Lage in Niedersachsen am Tiefpunkt
© GettyImages/imaginima

Nach zwei Jahren Pandemie ist die wirtschaftliche Lage der Krankenhäuser in Niedersachsen schlechter als je zuvor. Das teilt die Niedersächsische Krankenhausgesellschaft (NKG) mit. Eine Umfrage zur Finanzlage der Krankenhäuser im Rahmen des NKG-Indikators 2021 habe ergeben, dass lediglich 27 Prozent der Häuser im Jahr 2020 ein positives Jahresergebnis erzielen konnten, 2019 waren es noch 46,1 Prozent. Mehr als die Hälfte der Krankenhäuser wiesen demnach ein negatives Jahresergebnis auf, 17,5 Prozent ein ausgeglichenes. Nach der jüngsten Erhebung der NKG sind mehr als drei Viertel der Krankenhäuser in Niedersachsen langfristig in ihrer Existenz gefährdet, wie aus einem aktuellen Positionspapier hervorgeht.

„Die ohnehin schwierige Situation vieler Krankenhäuser hat sich infolge der Pandemie dramatisch zugespitzt. Das Vergütungssystem stößt erkennbar an seine Grenzen und die unzureichende Investitionsfinanzierung auf Landesebene verschärft die Lage zusätzlich“, sagte Dr. Hans-Heinrich Aldag, Vorsitzender der NKG in einer Mitteilung. Einerseits hätten die Kliniken auch mit dem gravierenden Fachkräftemangel zu kämpfen sowie mit der Bürokratiebelastung der Beschäftigten, die ein "Ausmaß erreicht, das kaum noch zu bewältigen ist", so Aldag weiter. Es müssten daher zeitnah und nachhaltig die Weichen für zukunftsfähige Krankenhausstrukturen in Niedersachsen gestellt werden. Für die kommende Legislaturperiode des niedersächsischen Landtags hat die NKG daher ein Positionspapier erarbeitet, mit diesem "wollen wir einen Beitrag zur Debatte um die künftige Krankenhauslandschaft in Niedersachsen und die hierfür notwendigen Voraussetzungen leisten", sagte Aldag. 

Flächendeckende Versorgung

Ein Punkt ist zur Gewährleistung der Versorgungssicherheit die flächendecke Versorgung. Angesichts der wirtschaftlichen Lage vieler Krankenhäuser sei das gerade im ländlichen Raum keine Selbstverständlichkeit mehr. Schon jetzt ist Niedersachsen auf dem vorletzten Platz was die Zahl der Krankenhausbetten je 100.000 Einwohner betrifft, wie aus dem Positionspapier hervorgeht. Stand 2017 gab es 528 Betten je 100.000 Einwohner. Schlusslicht ist in dieser Liste Baden-Württemberg mit 508 Betten je 100.000 Einwohner. Die größte Bettendichte hat Bremen mit 738 Betten je 100.000 Einwohner. Oberstes Ziel müsse sein, dass jeder Mensch innerhalb von 30 Minuten eine Krankenhausgrundversorgung erreichen könne, so eine der Kernforderungen. Die Krankenhausplanung sei Ländersache, das Land dürfe sich die Planungskompetenz nicht aus der Hand nehmen lassen. 

Mehr Investitionen nötig

Ein weiterer Punkt sei der Investitionsstau, der sich für Baumaßnahmen auf aktuell 2,2 Milliarden Euro beläuft. Erforderlich sei eine Anhebung der jährlichen Gesamtinvestitionsmittel inklusive Pauschalförderung auf 520 Millionen Euro und zusätzlich eine Berücksichtigung von Baupreissteigerungen. Für die bereits geplanten Strukturmaßnahmen sei zudem ein landeseigener Strukturfonds in Höhe von einer Milliarde Euro notwendig. Zudem sollte das Vergütungssystem weiter entwickelt werden. Die Fallpauschalen würden die Höhe der tatsächlichen Kosten nicht ausreichend abbilden, so die Kritik. Die Anpassung des Vergütungssystems sei dringend notwendig, damit die Betriebskosten dauerhaft vollständig refinanziert werden. Ein wesentlicher Bestandteil hiervon seien die Pflegepersonalkosten. Mit dem Pflegepersonalstärkungsgesetz wurde den Krankenhäusern ab dem Jahr 2020 eine vollumfängliche Finanzierung der Pflegepersonalkosten sowie der Kosten für neu eingestellte Pflegekräfte über das Pflegebudget zugesichert. Trotzdem würden wie auch in nahezu allen anderen Bundesländern nur wenige Häuser in Niedersachsen über ein mit den Krankenkassen vereinbartes Pflegebudget verfügen. Dies habe erhebliche Liquiditätsausfälle zur Folge. Neben einer verbindlichen, vollumfänglichen und zeitnahen Finanzierung der Personalkosten fordert die NKG auch eine Anhebung des Landesbasisfallwerts. Zudem müssten Aufwendungen der Krankenhäuser zur Vorbereitung und Bewältigung künftiger Pandemien refinanziert werden. 

Alle Forderungen im Überblick: 10 Punkte für eine gute stationäre Versorgung und leistungsfähige Krankenhäuser in Niedersachsen

  • Dem Fachkräftemangel durch zielgenauen Personaleinsatz begegnen.
  • Bürokratiebelastung reduzieren und Vertrauenskultur stärken.
  • Faire und attraktive Arbeitsbedingungen fördern.
  • Die flächendeckende Versorgung aufrechterhalten.
  • Patientensicherheit als Richtschnur für Versorgungsqualität.
  • Notfall-, ambulante und stationäre Versorgung aufeinander abstimmen.
  • Psychiatrische und psychosomatische Versorgung sicherstellen.
  • Krankenhausbauprojekte nachhaltig finanzieren.
  • Das Vergütungssystem weiterentwickeln.
  • Sonderinvestitionen für Digitalisierung bereitstellen.

Zum Positionspapier

Autor

 Luisa-Maria Hollmig

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