Orientierungswert von Thomas Bublitz

Zurück zur Vernunft

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Zurück zur Vernunft

Die Bilder von den zum Teil gewaltsamen Demonstrationen der sogenannten „Querdenker 711“ in Berlin von Ende August, die mit kruden und absurden Theorien Corona leugnen, machen mich auch nach längerer Zeit noch fassungslos. In welcher Welt leben diese Menschen? Die einen behaupten, dass es Corona gar nicht gibt. Die anderen sind der Überzeugung, dass Bill Gates den Virus in Umlauf gebracht hat, um am von ihm entwickelten Impfstoff zu verdienen. Egal, wie unterschiedlich ihre Theorien sein mögen, sie eint die Überzeugung, dass Maskenpflicht, Abstandsregeln und Veranstaltungsverbote nicht akzeptable Eingriffe in ihre Grundrechte darstellen, mit denen endlich Schluss sein muss. Dafür interpretieren sie die Statistiken nach Belieben und sind der Ansicht, dass es für Einschränkungen keinen Grund mehr gibt. Die Zahl der Corona-Toten sei schließlich so niedrig wie nie zuvor.

Die richtige Antwort darauf haben die Helios Kliniken mit einer kürzlich veröffentlichten Studie gegeben: Klare Fakten. Sie analysierten die Behandlungsdaten von rund 2.000 deutschlandweit in ihren Kliniken versorgten Corona-Patienten. Ergebnis: Knapp 80 Prozent der Patienten konnten bis zum Zeitpunkt der Auswertung wieder aus der Klinik entlassen werden, 16,6 Prozent starben, 3,6 Prozent befanden sich noch immer in stationärer Behandlung. Von besonderer Bedeutung ist die Feststellung, dass von den beatmeten Intensivpatienten jeder Dritte verstorben ist. Es gibt also keinen Grund, die Gefährlichkeit des Virus anzuzweifeln und es macht klar, dass die Zahlen in Deutschland vergleichbar mit anderen EU-Ländern sind. Zwar infizierten sich während der ersten Welle in Deutschland vergleichsweise wenige Menschen mit Sars-CoV-2. Wenn Erkrankte jedoch auf der Intensivstation behandelt werden mussten, waren ihre Überlebenschancen ähnlich wie in stärker betroffenen Nachbarländern. Die wichtigste Erkenntnis daraus ist, dass die Infektionszahlen unbedingt niedrig gehalten werden müssen, mit Maske, mit Abstand und dem Verbot von Massenveranstaltungen.

An die Skeptiker, auch, wenn Ihr es wahrscheinlich gar nicht lesen werdet: Schreit nicht und hört auf, Minister Jens Spahn zu bespucken! Macht Euch selbst ein Bild und sprecht mit Patienten, die Corona überlebt haben. Informiert Euch bei unseren Ärzten und Pflegekräften auf den Intensivstationen in den Krankenhäusern und in den Reha-Kliniken über deren anstrengenden und häufig erfolglosen Kampf um Patientenleben. Das Medizinische Zentrum in Bad Lippspringe hat das vorgemacht, Bundesgesundheitsminister Jens Spahn informierte sich hier vor Ort über den Kampf gegen das Virus. Vielleicht können wir auf diese Weise auch die Zweifler und Panikmacher davon überzeugen, dass Masken, Abstand und Einsicht die besseren Mittel sind. Aggressionen und fehlende Vernunft sind dagegen letztlich auch ein Schlag ins Gesicht der Ärzte und Pflegekräfte, für die es zuvor noch Beifall von den Balkonen gab.

 

 

 

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