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GroKo schmeißt Pflege aus dem Team

GroKo schmeißt Pflege aus dem Team

  • News des Tages
  • 19.02.2018

Boris Augurzky

Künftig sollen die Kosten für die Pflege im Krankenhaus aus der DRG-Vergütung herausgerechnet werden und über ein eigenes separates Vergütungssystem den Krankenhäusern erstattet werden. Ab dann ist es vorbei mit der eigentlich ebenfalls angedachten Neujustierung der Aufgabenverteilung der Gesundheitsberufe. Wohin gehört zum Beispiel der Physician Assistant? Zur Pflege oder zum DRG-Bereich? Und wozu werden Sachmittel zur Unterstützung der Pflege wie beispielsweise Roboterassistenzsysteme gezählt? Wie bildet man die zu erwartende Ambulantisierung und Digitalisierung der Medizin in diesen parallel laufenden Vergütungssystemen ab? Prozessinnovationen können damit von Krankenhäusern gar nicht mehr ohne weiteres eigenständig umgesetzt werden, weil zuerst ein Beschluss auf politischer Ebene gefasst werden muss, in welchen Kostenbereich sie fallen sollen: DRG oder Pflegekosten? In letzter Konsequenz treibt die Politik damit einen Keil in die Teamarbeit der medizinischen Dienste. Oder anders formuliert: Sie schmeißt die Pflege aus dem Team. 

Hinzu kommt, dass bei einer Selbstkostenerstattung der Pflegekosten jeder Anreiz zur effizienten Organisation der Pflege entfällt. Wie meistern wir damit die Herausforderung der 2020er Jahre, die dadurch geprägt sein werden, dass wir in Deutschland weniger Nachwuchsfachkräfte bei einer steigenden Zahl an zu versorgenden älteren Menschen haben werden? Wenn es außerdem Personalmindestvorgaben in der Pflege gibt, die aber mangels Nachwuchs nicht erfüllt werden können, müssen Leistungen zwangsläufig rationiert werden. Nicht jeder Patient kann dann noch optimal versorgt werden. Das heißt, durch die Hintertür kommt die Zwei-Klassen-Medizin in ganz neuer Form daher. Denn zahlungswillige Patienten werden sich die knappen Arbeitskräfte einfach außerhalb des Sozialsystems auf eigene Kosten besorgen. 

Die zentrale Frage der nahen Zukunft wird sein: Wie schaffen wir es, mehr Menschen mit Versorgungsbedarf mit weniger Personal zu versorgen? Die GroKo versucht darauf durchaus passende Antworten zu geben: sektorenübergreifende Versorgung, Optimierung der Krankenhausstrukturen, Digitalisierung, elektronische Patientenakte, Telemedizin und besserer Zugang von Innovationen ins System. All diese Themen haben das Potenzial, die Versorgung effizienter zu gestalten.

Gleichzeitig zementiert die GroKo mit den Maßnahmen im Pflegedienst jedoch die gegenwärtigen Strukturen, sodass diese dringend nötigen Potenziale gar nicht zur Gänze gehoben werden können.Das ist schade und zeigt den um sich greifenden Irrsinn der Politik, immer stärker die Freiheit der Bürger in vielen gesellschaftlichen Bereichen, nicht nur im Gesundheitswesen, einzuschränken. Woher kommt eigentlich ihre Hybris, besser zu wissen, wie man Leistungen erbringt als die Leistungserbringer selbst? Vermutlich aus der Tatsache, dass kaum ein Politiker jemals unternehmerische Verantwortung getragen hat. 

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