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Orientierungswert von Rudolf Henke

Klare Regelungen zum Schutz vor Überlastung

Klare Regelungen zum Schutz vor Überlastung

  • Orientierungswerte
  • 11.02.2019

Rudolf Henke

Was denken Sie? Ist Alkohol am Steuer das größte Risiko im Straßenverkehr? Nach einer Studie des Deutschen Luft- und Raumfahrtzentrum ist fast jeder fünfte Unfall (18,5 Prozent) müdigkeitsbedingt. Nachts sollen sogar mehr als vier von zehn Unfällen (42 Prozent) ihre Ursache darin haben, dass mindestens ein Unfallteilnehmer ermüdet war. Nach den Daten des Statistischen Bundesamtes kam es im Jahr 2017 zu 1.940 Straßenverkehrsunfällen mit Personenschäden durch Übermüdung und zusätzlich zu 1.420 schwerwiegenden Straßenverkehrsunfällen mit Sachschäden aus dem gleichen Grund. Deshalb will die Deutsche Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM) nun mit einer Informationskampagne bundesweit Autofahrer vor den Risiken einer Übermüdung aufklären.

Und wie ist es im nächtlichen Voll- oder Bereitschaftsdienst von Pflegekräften oder Ärzten? Sind die Arbeitsbelastungen so gestaltet, dass es in diesen bekanntermaßen gefahrgeneigten Tätigkeiten zu keiner Übermüdung kommen kann?

Theoretisch ja. Aber niemand kennt konkrete Zahlen, wie viele Patienten pro Jahr durch Übermüdung ihrer professionellen Helfer zu Schaden kommen. Belanglos ist diese Frage sicher nicht. Das Deutsche Ärzteblatt hat bereits 2015 eine anwaltliche Analyse veröffentlicht, die Empfehlungen zum Umgang mit Übermüdungssituationen im Krankenhaus gibt. Die Autorin Gabriele Bernd aus Duisburg sieht es so: „Hat der Arzt seine zulässige Arbeitszeit überschritten, muss er sich selbst die Frage beantworten, ob er aufgrund seiner eigenen körperlichen Konstitution noch weitere Behandlungen lege artis ausführen kann.“ 

Krankenhausarbeitgeber, die ihre Ärzte trotz solche Umstände zwingen, über die gesetzlichen bzw. tariflichen Grenzen hinaus Dienst zu tun, handeln nicht nur grob rechtswidrig, sondern gefährden damit auch die Patientensicherheit. Es ist eben im Hinblick auf die Patientensicherheit nicht gleichgültig, bis zu welcher Grenze Ärzte mit ermüdenden Anforderungen belastet werden dürfen. Dass sie überlastet sind, steht außer Frage. Nicht nur die regelmäßigen Befragungen des Marburger Bundes haben eindeutige Ergebnisse hervorgebracht – auch arbeitswissenschaftliche Studien zu Bereitschafts- und Schichtdiensten geben Auskunft darüber, welche Gefährdungen solche Dienste vor allem in der Nacht mit sich bringen. 

Deshalb will der Marburger Bund in der aktuellen Tarifrunde mit der Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände (VKA) durch eine Reform der tarifvertraglichen Regelungen zu den Bereitschaftsdiensten eine substanzielle Reduktion der Gesamtarbeitsbelastung der Ärztinnen und Ärzte erreichen. Der MB fordert unter anderem, dass „die Anordnung von Bereitschaftsdienst nur dann zulässig“ ist, „wenn innerhalb eines Kalendermonats zwei Wochenenden in der Zeit von freitags 18 Uhr bis montags 7 Uhr von jedweder Arbeitsleistung wie Vollarbeit, Rufbereitschaft, Bereitschaftsdienst frei sind“. Auch weitere Forderungen – klare Höchstgrenzen für Bereitschaftsdienste, eine manipulationsfreie Zeiterfassung sowie eine frühzeitige und verlässliche Dienstplangestaltung – dienen dem Ziel, Arbeitszeitexzesse zu verhindern, Ärztinnen und Ärzte vor psychischer und physischer Überforderung zu schützen und damit auch die Patientensicherheit besser zu gewährleisten.

Alkohol am Steuer ist verboten und strafbar. Auch wer sich übermüdet ans Steuer setzt und einen Unfall verursacht, muss mit Strafe rechnen. Eine Übermüdung erzeugende Arbeitslast oder Dienstabfolge im Krankenhaus muss ebenso ausgeschlossen werden. Die nächste Verhandlungsrunde zwischen MB und VKA am 20./21. Februar wird zeigen, ob die Arbeitgeber sich ihrer besonderen Verantwortung für die Ärztegesundheit und Patientensicherheit bewusst sind.

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