Telemedizin

Video-Konsil im Krankenhaus

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  • 18.10.2018

Das Projekt erarbeitet, inwieweit sich eine vorhandene IHE XDS-konforme Plattform für die elektronische einrichtungsübergreifende Patientenakte durch den Aspekt Audio-/Video-Konsultationen einfach erweitern lässt und welche Rahmenbedingungen dafür erfüllt sein müssen.

Eine ganzheitliche Sicht auf den Patienten ist heute essenzieller denn je für eine effektive und effiziente Behandlung. Informationen schnell und umfassend bereitzustellen, und Behandlungsprozesse zu vernetzen wird daher immer wichtiger. Grundlage dafür ist eine interoperable Prozessstandardisierung, sodass – unabhängig von Lieferantenbeziehungen bei den Leistungserbringern und lokal gelebten technischen Gegebenheiten – Austauschbeziehungen einfacher gelebt werden können. Hierfür stellt die IHE (Integrating the Healthcare Enterprise) mit dem IT-Infrastructure Framework beziehungsweise den darin definierten Profilen eine praxistaugliche standardisierte Basis für die Vernetzung von Einrichtungen und Systemen im Gesundheitswesen bereit.

Eine IHE-konforme Affinity Domain (Affinity Domain = Organisatorischer Zusammenschluss von Modulen, welche auf eine gemeinsame Registrierungsdatenbank zugreifen) stellt einen geregelten global standardisierten Rahmen zur Verfügung, über die eine konsolidierte Sicht, inklusive eines regelbasierten Zugriffs, auf Daten eines Patienten im Behandlungskontext möglich ist, unabhängig vom Ort der Entstehung der Informationen. Nationale Projekte im europäischen Ausland, als Beispiel sei hier die ELGA in Österreich oder das Elektronische Patientendossier in der Schweiz genannt, zeigen, dass solche IHE-konformen Netzwerke in der Praxis auch im großen Maßstab funktionieren.

Problemstellung

Das bloße Bereitstellen von Informationen, durch eine technische Plattform adressiert die reine Dokumentationsebene. Sie ist somit nur als Basis für die eigentliche Kollaboration zwischen den beteiligten Handlungsträgern, wie Ärzten, Pflegekräften aber auch den Patienten, zu verstehen. Es gibt folglich immer noch die Notwendigkeit, den Handlungsträgern die Möglichkeit für einen direkten Austausch zu geben, während sie auf die einrichtungsübergreifend verfügbaren Dokumente zugreifen.

Ein bilateraler Austausch mit standardisierten Vorgaben zwischen Leistungserbringern ist zum Beispiel durch XDW-basierte Workflows (Cross Enterprise Document Workflow) möglich. So können etwa schriftliche Tele-Konsultationen als vorgegebener Prozess durchgeführt werden, welche auf Dokumente innerhalb der Affinity Domain zurückgreifen. Über den technisch vorgegebenen Ordnungsrahmen lassen sich Unterstützungsfunktionen im Sinne der Abbildung von Regeln, Dokumentenvervollständigungen und Filterfunktionen für bereitgestellte strukturierte Dokumentationsinhalte steuern. Zusätzlich ist es sinnvoll, den Handlungsträgern die Möglichkeiten zum mündlichen und visuellen Austausch in einem geschützten Rahmen zu geben, zum Beispiel durch Funktionen wie Videokommunikation und Screen-Sharing. Auch die spontane sichere Verfügbarkeit von weiteren Dokumenten während eines Konsils sollte möglich sein.

Lösungsfindung

Als Basis des Konzepts dient eine IHE XDS-konforme Affinity Domain (Cross-Enterprise Document Sharing). Die Kollaboration zwischen den Handlungsträgern soll durch XDW-basierte Work- flows abgebildet werden. Somit ist sichergestellt, dass die Kommunikation zwischen allen beteiligten Systemen nach der Standardmethode IHE erfolgt.

Im Rahmen des Projekts kommt die IHE-konforme Vernetzungslösung eHealth Solutions von Siemens Healthineers zum Einsatz. Diese umfasst, neben den relevanten Zentraldiensten einer IHE XDS-Affinity Domain (z.B. Document Registry oder PIX/PDQ Manager), auch fachliche Mehrwertdienste, wie eine XDW-konforme Tele-Konsil Applikation.

Mit Mitarbeitern aus den medizinischen Bereichen der Universitätsmedizin Rostock und dem Universitätsklinikum Jena wurden Use Cases erarbeitet, welche den Arbeitsalltag erleichtern und jetzige Prozesse beschleunigen. Ein Use Case ist die Kommunikation von Arzt zu Arzt im Rahmen eines Konsils. Grundlegende Voraussetzung ist die Einverständniserklärung des Patienten. Technisch wird hierfür APPC (Advanced Patient Privacy Consents) oder XUA (Cross-Enterprise User Assertion) bzw. XACML (Extensible Access Control Markup Language) nach OASIS (Organization for the Advancement of Structured Information Standards) verwendet. Hiermit wird spezifiziert, wie Richtlinien (Policies) interpretiert werden müssen, um eine Autorisierungsanfrage, beispielsweise einen Dokumentenzugriff, zu erlauben oder zu verbieten. Die Policies greifen direkt nach Erhebung und regeln den Zugriff der unterschiedlichen Rollen aus den verschiedenen Einrichtungen auf die Daten in der IHE-Plattform. Darüber hinaus müssen relevante Dokumente und radiologische Objekte in der IHE-Plattform bereitgestellt werden, damit im Rahmen des XDW-Workflows darauf verwiesen werden kann. Die Dokumente können zum Beispiel von einem IHE-konformen DMS (Document Management System) bereitgestellt werden.

Mit Hilfe der Konsil-App, die in das KIS eingebettet wird, kann ein Arzt den Konsil-Workflow starten. Hierbei werden wichtige Inhalte, wie zum Beispiel Fragestellung und Beschwerden des Patienten, strukturiert erfasst und relevante Dokumente aus der IHE-Plattform mit der Anfrage verlinkt. Schließlich wird der Adressat für das Konsil ausgewählt.

  Die Anfrage erscheint im Konsil-Postfach des angefragten Arztes. Dieser kann die Anfrage sowie die für das Konsil relevanten Dokumente einsehen. Nachdem die Anfrage vom Adressaten angenommen wurde, kann dieser in dem Konsil-Dokument die Antwort erfassen und eigene Dokumente hochladen und anhängen. Sollte es im Laufe des Konsils Unklarheiten oder Rückfragen geben, besteht jederzeit die Möglichkeit einen integrierten Video-Anruf zu starten. Beide Ärzte können sich direkt über die Anfrage und die relevanten Dokumente austauschen. Als Protokoll der Beratung wird ein Konsil-Dokument in der IHE-Plattform bereitgestellt, und das Konsil kann abgeschlossen werden. Provider-Modell und DSGVO Eine Reihe relevanter Aufgaben übernimmt in diesem Schlüsselprojekt die Firma DMI. Für das Konzept des Projekts erarbeitet sie den integrierten Workflow für die Ad-hoc-Registrierung im Rahmen des Konsil-Workflows, mit automatischer Erkennung des Dokumenttyps und der geeigneten Metadaten. DMI organisiert die Datenschutzfolgeabschätzung, auch im Hinblick auf die Anforderungen der DSGVO (Datenschutzgrundverordnung) von Mai 2018, klärt das Vorgehen beim Upload von DICOM-Studien, die von externen/ambulanten Teilnehmern bereitgestellt werden, sowie den Upload von Non-DICOM-Dokumenten. Ferner erarbeitet DMI das Konzept für die Bereitstellung von Inhalten für Patienten, beurteilt die Nutzung von XDW über IHE Domänengrenzen (XCA, Cross-Community Access) und überprüft die Rahmenbedingungen zur Sicherheit und Verfügbarkeit einer Lösung, die durch den Dienstleister bereitgestellt wird. Der Vorteil dieses Ansatzes besteht darin, dass Krankenhäuser die Lösung über einen Dienstleister beziehen und betreiben lassen können, von einzelnen Modulen bis hin zum kompletten Outsourcing, ohne das eine eigne IHE-Plattform vorhanden sein muss. Das Universitätsklinikum Jena und die Universitätsmedizin Rostock erarbeiten weiterführend zusammen mit den Industriepartnern die Konzepte zur Umsetzung eines XDW-basierten Informationssautausches zwischen Arzt-Arzt und Arzt-Patient. Die Umsetzung der Konzepte sollen an der Universitätsmedizin Rostock in einem Pilotbetrieb getestet und auf Praxistauglichkeit geprüft werden. Hierbei kommt die IHE-konforme Vernetzungslösung eHealth Solutions von Siemens Healthineers zum Einsatz. Diese Lösung hat bereits in komplexen Vernetzungsprojekten, wie z.B. der ELGA in Österreich, ihre Praxistauglichkeit und Interoperabilität bewiesen. Für das Projekt wird die Siemens-Healthineers-Lösung um eine XDW-konforme Telekonsil-Anwendung erweitert. Hiermit ist der direkte Informationsaustausch über Dokumente (z.B. Befunde und DICOM-Studien) und schriftliche sowie Video-Kommunikation möglich. Als Ergebnis des Projekts möchte die Unimedizin Rostock bei erfolgreichen Tests die Lösung im Klinikum flächendeckend zur Verfügung stellen und für die Vernetzungspartner im direkten Umfeld anbieten. Das Universitätsklinikum Jena prüft die Integration und Einsatzszenarien einer solchen Lösung in die bereits bestehende IHE-Infrastruktur mit einer eigenen Affinity Domain.  

Das Projekt-Team

  • Thomas Dehne, Marcus Kuper, Universitätsmedizin Rostock
  • Andreas Henkel, Dr. Danny Ammon, Universitätsklinikum Jena
  • Dirk Holthaus, promedtheus AG, Mönchengladbach
  • Dr. Samrend Saboor, Siemens Healthcare GmbH
  • Christoph Schmelter, Hannes Zehrer, DMI GmbH & Co. KG

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