Leben mit dem Spahnsinn

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  • Editorial
  • 26.11.2019
Ausgabe 12/2019

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Ausgabe 12/2019

Seite 1057

Leben mit dem Spahnsinn
Florian Albert

Für diese Ausgabe haben wir ein Titelthema gewählt, das bislang wenig im Fokus der Krankenhausszene stand, jedoch jede Menge gesellschaftlichen und gesundheitspolitischen Sprengstoff birgt. In der EU sind bisher nur wenig neue und teure Gentherapien zugelassen. Doch die Pipelines der Pharma­firmen sind voll, 40 weitere stehen kurz vor der Zulassung – darunter das teuerste Medikament der Welt, Zolgensma, das die Heilung der Erbkrankheit Spinale Muskelathropie bei Kindern verspricht. Zwei Millionen Dollar werden für die Behandlung dieser seltenen Erkrankung fällig. Zum Vergleich: Vor gar nicht allzu langer Zeit lag das jährliche Volumen aller Neuer Untersuchungs- und Behandlungsmethoden (NUB) am Universitätsklinikum Heidelberg bei zwei Millionen Euro. Inzwischen verhandelt man dort über acht Millionen Euro allein für die neuen Gentherapien. Es ist absehbar, dass die etablierten Preisbildungsmechanismen, Zulassungsverfahren und Zugangswege dem kaum gerecht werden können. Kurz vor Redaktionsschluss konnten wir auch im Wirtschaftsteil der FAZ lesen, dass Kostenträger, Uniklinika und der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) Alarm schlagen und von Minister Jens Spahn neue gesetzliche Regelungen fordern. Meine Kollegin Lena Reseck hat zahlreiche Gespräche mit Vertretern aus Krankenhäusern, Krankenkassen, der Pharmaindustrie und Ärzteschaft geführt und eine umfassende Titel­strecke geschnürt (Seite 1069).

In der Tagespolitik gab es für die Krankenhäuser bei der MDK-Reform ein böses Erwachen. Vor ziemlich genau einem Jahr hatten die Krankenhaus­manager Minister Jens Spahn auf dem Deutschen Krankenhaustag noch applaudiert, als dieser den „Irrsinn, Starrsinn, Wahnsinn“ der Krankenkassen bei der Abrechnungsprüfung kritisierte. Umso größer ist nun die Ernüchterung und nach Meinung nicht weniger regiert inzwischen der „Spahnsinn“, wie es Sebastian Polag, Geschäftsführer der Agaplesion Krankenhaus Mittelhessen gGmbH auf dem Bibliomed-Seminar „Best Practice Controlling“ im November formulierte. „Was würden Sie tun, wenn Sie Krankenkasse sind?“, fragte Polag dort. Die Antwort bleibt offen. Gleichwohl: Trotz Prüfquoten und vermeintlich unabhängigem MDK könnten den Kliniken noch höhere Verluste als bislang drohen. Unser Hauptstadtkorrespondent Jens Mau hat das Gesetzgebungsverfahren und die möglichen Folgen auf Seite 1089 analysiert.

Für Aufregung sorgte zuletzt auch eine Entscheidung aus Bonn. Seit einem Jahr hatten das Sankt-Elisabeth-Hospital und das Gütersloher Klinikum über eine Kooperation verhandelt. Sogar eine Vollfusion war im Gespräch. Nach dem Veto des Bundeskartellamts liegen die Verhandlungen in Westfalen vorerst auf Eis. Auch jede Form der verbindlichen Abstimmung der Behandlungsangebote ist untersagt worden. In dieser Ausgabe meldet sich der Geschäftsführer des Elisabeth-Hospitals, Stephan Pantenburg, persönlich zu Wort. Er fordert einen neuen Handlungsrahmen, der es auch den Wettbewerbshütern ermöglicht, trägerübergreifende, regionale Verbundbildungen zu unterstützen statt zu behindern. Übrigens: Für die Januar-Ausgabe hat uns Andreas Mundt, Präsident des Bundeskartellamts, ein Interview zugesagt.

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