Pflegebudget

"Wir klären viele Fragen vorab"

  • Finanzierung
  • Szene
  • 31.05.2022

f&w

Ausgabe 6/2022

Seite 492

Roland Engehausen ist Geschäftsführer der Bayerischen Krankenhausgesellschaft. Vorher war er Chef der Krankenkasse IKK Südwest.

Was die Budgetabschlüsse betrifft, ist Bayern Vorzeigeland. 90 Prozent der Klinikbudgets für 2020 sind ausgehandelt. f&w hat beim Chef der Bayerischen Krankenhausgesellschaft nachgefragt, wieso Bayern so aus dem Rahmen fällt.

Herr Engehausen. Überall hört man die Klage über stockende Budgetverhandlungen, außer aus Bremen und Bayern. Wieso schaffen die bayerischen Kliniken es trotz Pflegebudget, sich mit den Kassen zu einigen?

Die Bayerische Krankenhausgesellschaft und die Arbeitsgemeinschaft der Kassen klären vorab etliche Fragen, die anderswo auf Hausebene in Einzelfällen ausgefochten werden. Dafür gehen wir die sogenannten AEBs (Aufstellung Entgelte Budgetberechnung) gemeinsam durch und stimmen eine Ausfüllhilfe ab. Wenn sich die Budgetverhandler daran halten, sind viele Konflikte vom Eis.

Die Arbeitsgemeinschaft der Kassen in Bayern macht also den Unterschied?

Ja, die gut funktionierende Arbeitsgemeinschaft der Krankenkassen ist aus unserer Sicht ein Vorteil, weil wir viele Fragen verbindlich abstimmen können. Dies scheint in anderen Bundesländern etwas problematischer zu sein. Über die Jahre hat sich in Bayern so eine gewisse Vertrauensstruktur entwickelt. Man hat die Möglichkeit, aufeinander zuzugehen und Lösungen zu finden. Wir sind übrigens auch das erste Land, das einen Rahmenvertrag für die Übergangspflege aushandeln konnte.

Sind wir generell zu sehr davon abhängig, wie die Chefverhandler miteinander klarkommen?

Wenn die Chemie nicht stimmt, kann vieles ins Stocken geraten – zumal wenn ein komplexes System nicht optimal aufeinander abgestimmt ist, was bei der Krankenhaus-finanzierung mit Landesbasisfallwerten, DRGs, Einzelabrechnungen, Budgetverhandlungen und jetzt noch dem Pflegebudget der Fall ist. Dies gilt übrigens bei allen Verhandlungsbeteiligten und nicht nur bei den Verhandlungsführungen.

Sie waren selbst lange für Krankenkassen im Einsatz. Ist es für eine Kasse strategisch sinnvoll, beim Klinikbudget auf Zeit zu spielen?

Zumindest die Finanzchefs der Krankenkassen dürften daran kein Interesse haben. Denn für alle ungeklärten Kosten, wie etwa das Pflegebudget, müssen sie Rückstellungen bilden, also Geld einbuchen, das noch nicht geflossen ist. Dieser Gap zwischen Vermögen und Liquidität geht immer weiter auseinander – und verursacht Minuszinsen für die Krankenkassen und erhöht das Risiko für die Finanzkalkulation. 

Aus der neuen f&w

"Der Basar kommt an seine Grenzen" - f&w-Hauptstadtkorresponent Jens Mau kommentiert die schleppenden Budgetverhandlungen.

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