PowerPoint, Lerntypen & Co.

5 Lernmythen im Faktencheck: Was wirklich beim Lernen hilft

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  • 29.04.2026

f&w

Ausgabe 4/2026

Seite 318

Viele Glaubenssätze rund um das Thema Lernen halten sich hartnäckig. Zeit für einen Realitätscheck.

These 1: „PowerPoint-Vorträge sind überholt.“

Klassische Vorträge gelten oft als antiquierte Vermittlungsmethode, denn Lernen ist bekanntlich ein aktiver, selbstbestimmter Prozess. Formate wie Workshops oder Hands-On-Training mit viel Eigenaktivität, praktischem Handeln und geselligem Miteinander haben daher ein besseres Image.

Doch die Bildungsforschung zeigt, dass der sogenannte Frontalvortrag genauso lernwirksam sein kann wie modernere Methoden der Wissensvermittlung. Wichtig ist, dass er gut gemacht ist. Das heißt, die Teilnehmenden erhalten klare Ziele des Vortrags, komplexe Themen werden verständlich erklärt und Gesprächssequenzen regen zum Mitdenken und Nachfragen an. Vor allem Neulinge auf einem Gebiet profitieren von der Lenkung in klassischen Vorträgen. Der verfrühte Einsatz selbst organisierter Methoden kann Menschen sogar überfordern. Der klassische PowerPoint-Vortrag ist also kein Auslaufmodell, sondern in vielen Fällen ein hilfreiches Werkzeug zur effizienten Vermittlung von Wissen.

These 2: „Wer jung ist, lernt leichter.“

Zu den Vorurteilen gegenüber dem Älterwerden gehört, dass die Lernfähigkeit abnimmt. Derartige Glaubenssätze führen zu nachweisbaren Benachteiligungen in der beruflichen Weiterbildung. Tatsächlich verändern sich Eigenschaften wie unsere Verarbeitungsgeschwindigkeit.

Demgegenüber steht aber ein umso größerer Vorrat an Erfahrungswissen und Problemlösekompetenzen. Entscheidend ist, das Lernen an individuelle Gegebenheiten anzupassen. Mit 60 Jahren noch eine neue Sprache lernen? Das geht, aber anders als in jungen Jahren. Ältere Lernende profitieren etwa davon, wenn die Lehrperson neue Lerninhalte mit Vorwissen verknüpft, sehr strukturiert vorgeht und häufiger Wiederholungen einbaut. Die Lernfähigkeit bleibt ein Leben lang erhalten, nur der Weg zum (Lern-)Ziel verändert sich. Fortbildungen mit altersgemischten Gruppen können sogar sehr von den unterschiedlichen Erfahrungen, Kompetenzen und Herangehensweisen profitieren.

These 3: „Eine gute Fortbildung muss meinem Lerntyp entsprechen.“

„Ich lerne visuell am besten!“, „Ich lerne am besten, wenn ich etwas selbst mache!“ – Kennen Sie derartige Aussagen? Sie basieren auf der Lerntypen-Theorie, wonach jeder Mensch besonders empfänglich ist für Lerninhalte, die dem persönlichen Lerntypus entsprechen.

Klingt plausibel, ist aber nicht haltbar. Welche Darbietungsform am besten passt, entscheidet sich oft am Inhalt.

Ein Beispiel: Wie eine Infusionspumpe funktioniert, veranschaulicht eine Animation besser als ein Podcast. Das Handling der Pumpe erlernt man nachhaltig direkt am Gerät und weniger gut allein durch ein Erklärvideo. Pauschalisierungen zur besten Vermittlung von Lerninhalten sind selten hilfreich und verschleiern die Komplexität von Lernprozessen. Wer etwas Neues lernt, profitiert vielfach von einer Kombination aus fein aufeinander abgestimmten Methoden und Veranschaulichungen.

These 4: „Nur formelles Lernen führt zum Erfolg.“

Wissenschaftliche Studien konnten zeigen, dass bis zu 80 Prozent des Lernens am Arbeitsplatz informell erfolgt, etwa durch das Sammeln von praktischen Erfahrungen und durch soziale Interaktion. Oder anders ausgedrückt: Für den Lernerfolg ist formelles Lernen, wie in Kursen, ein Werkzeug unter vielen. Es kann Grundlagen vermitteln und theoretische Zusammenhänge verdeutlichen. Doch Lernerfolg braucht auch das praktische Handeln in realen Situationen und zeitnahe Rückmeldungen durch andere Menschen. Eine Lernkultur im beruflichen Umfeld zu entwickeln, Wissen zu teilen, Erfahrungen auszutauschen und sich gegenseitig im Erlernen neuer Fähigkeiten zu unterstützen, erhält vor dem Hintergrund dieser Ergebnisse eine größere Bedeutung, als man vielleicht erwarten würde.

These 5: „Kaugummikauen macht schlau.“

Kaugummikauen ist kein „Gehirn-Booster“, der uns schlauer macht. Es verändert nicht unsere Intelligenz oder verhilft uns zu Wissen.

Aber: Es kann helfen, die Konzentration zu halten. Das Kauen funktioniert wie ein kleiner motorischer Antrieb, der im Hintergrund läuft. Die rhythmische Bewegung aktiviert bestimmte Hirnregionen, steigert die Durchblutung und kann dadurch die Aufmerksamkeit kurzfristig verbessern. Studien zeigen, dass Menschen, die während einer Aufgabe Kaugummi kauen, oft wacher und konzentrierter sind. Dies kann etwa bei besonders monotonen Tätigkeiten hilfreich sein. Der Effekt ist jedoch zeitlich begrenzt und verhilft nicht aus sich heraus zu mehr Wissen.

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