Interview

Julia Gumpp über Hürden und Chancen für Chirurginnen

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  • 29.06.2026

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Ausgabe 6/2026

Seite 484

Dr. Julia Gumpp ist Leitende Oberärztin der Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Thoraxchirurgie sowie stellvertretende Chefärztin am Klinikum Amberg.

Oberärztin Julia Gumpp hat den Verein „Die Chirurginnen“ mitgegründet. Er ermutigt Medizinerinnen, für ihre beruflichen Ziele einzutreten. Denn eine Karriere im OP ist für Frauen nach wie vor viel schwieriger als für ihre männlichen Kollegen.

Frau Gumpp, ist es heute leichter als vor 10, 20 Jahren, als Chirurgin im Krankenhaus Fuß zu fassen?

Nein, da hat sich leider wenig verändert. Die Zahlen sprechen für sich: 69 Prozent der Medizinstudierenden sind weiblich, doch in der Chirurgie liegt ihr Anteil nur bei 23 Prozent, in leitender Funktion in einer Klinik sind sie nur mit 9 Prozent vertreten.

Woran liegt das konkret, sind es noch immer die alten Machtstrukturen?

Es liegt schon auch an den noch immer vorhandenen hierarchischen Strukturen im OP, das öffnet Machtmissbrauch leichter die Tür. Für viele Studierende ist das Praktikum in der Chirurgie abschreckend wegen des oft rauen Tons und der zotigen Witze. Und noch immer wird an der Eignung von Frauen für die Chirurgie gezweifelt, auch wenn sie wirklich gut sind. „Sind Sie sicher, dass Sie das wollen?“, werden sie oft gefragt. Vielen fehlt dann auch ein Role Model, ein weibliches Vorbild, da es so wenige Chirurginnen in Führungsposition gibt. Und natürlich ist die Vereinbarkeit von Familie und Beruf auch eine Herausforderung. Aber da gibt es Lösungen, da müssen alle mit ran. Kinder brauchen in den ersten Jahren viel Zeit und Fürsorge, aber das darf Frauen nicht für immer ihren beruflichen Weg verbauen. Wir brauchen die Frauen in der Chirurgie!

Wie kann Ihr Verein „Die Chirurginnen“ dazu beitragen?

Anfang 2021 gegründet, haben wir inzwischen fast 3.000 Mitglieder. Wir bieten ein breites Netzwerk für Austausch, haben 20 Themenreferate und ein Mentoringprogramm. Mittlerweile sind wir in den meisten Berufsverbänden vertreten. Wir haben eine Arbeitsgruppe „Kids & Surgery“, darin tauschen sich Vereinsmitglieder zum Beispiel über den Wiedereinstieg nach der Elternzeit aus, zu verschiedenen Dienstmodellen, Kinderbetreuung oder Homeoffice-Tagen. Wir sorgen dafür, dass auf Chirurgiekongressen regelmäßig Frauen auf den Podien sitzen und beraten auch auf dem Weg zur Führungsposition. Durch das Netzwerk werden Frauen ermutigt, für ihre beruflichen Ziele einzutreten. Einiges ändert sich schon: Der Berufsverband der Deutschen Chirurgie hat sich 2022 umbenannt, um Chirurginnen und Chirurgen auch im Namen gleichermaßen anzusprechen.

Hatten Sie ein weibliches Vorbild, als Sie sich für die Chirurgie entschieden haben?

Leider nein, ich bin ausschließlich von Männern gefördert worden und habe meinen Weg dann fast im Alleingang beschritten. Diese Lücke wollen wir schließen.

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