Das Klinikum Aschaffenburg-Alzenau steht wie viele Krankenhäuser unter massivem wirtschaftlichen Druck. Geschäftsführer Sebastian Lehotzki beschreibt konkret, wie Tarif- und Sachkostenschere, GKV-Sparpaket und fehlende Investitionsfinanzierung das Ergebnis belasten. Strukturell ist der aktuelle Reformkurs zwar herausfordernd, doch das Haus steuert gegen.
Herr Lehotzki, wenn Sie das vergangene Jahr zusammenfassen: Welche wirtschaftlichen und politischen Einschnitte haben Ihr Haus am stärksten geprägt?
Es gab noch keine Krankenhausreform, nach der es den Krankenhäusern besser ging als vorher. Es gab immer Einschnitte. Die Tarif- und Sachkostenschere ist der zentrale Punkt. Die Kosten sind massiv gestiegen, die Erlöse nicht. Das Verhältnis stimmt einfach nicht mehr. Wir brauchen eine einmalige Erhöhung des Landesbasisfallwerts um etwa 10 bis 12 Prozent, um diese Schere zumindest teilweise zu schließen. Auch das GKV-Sparpaket wird die Situation der Krankenhäuser verschlechtern. Wir haben aktuell das Gefühl, dass wir hart gegen einen starken Strom rudern. Indes wird dieser Strom immer stärker, während die Strecke, die wir zurücklegen müssen, länger wird.
Wie stellen sich Ihre wirtschaftlichen Ergebnisse konkret dar?
Im Geschäftsjahr 2024 hatten wir ein strukturelles Defizit von rund 40 Millionen Euro. Für 2025 erwarten wir – vorbehaltlich der finalen Prüfung – ein Defizit von etwa 34,8 Millionen Euro. Geplant waren ursprünglich 44 Millionen Euro. Das heißt, wir haben uns um rund 10 Millionen Euro verbessert. Für 2026 kalkulierten wir mit einem Defizit von rund 32 Millionen Euro. Aber angesichts der Performance in den ersten Monaten 2026 gehen wir davon aus, etwa 3 bis 4 Millionen Euro besser zu sein. Das hängt stark mit unserer Leistungserbringung zusammen. Seit 2023 haben wir kontinuierlich hohe Patientenzahlen und eine hohe Auslastung. Gleichzeitig haben wir große Sorge, dass diese Gewinne durch politische Maßnahmen wieder komplett aufgezehrt werden.
Welche Erlösbereiche stehen besonders unter Druck?
Im Grunde alle – weil sich strukturelle Veränderungen immer auf das gesamte Haus auswirken. Besonders sichtbar wird es aber in hochtechnischen Bereichen. Unsere Kardiologie mit mehreren Herzkatheterlaboren oder die Robotik sind gute Beispiele. Diese Leistungen sind medizinisch sinnvoll, sie sind für die Patienten nachweislich besser, aber sie sind auch kostenintensiv. Wenn diese Leistungen nicht ausreichend refinanziert werden, wirkt sich das auf das gesamte Haus aus.
Welche konkreten finanziellen Auswirkungen hat das GKV-Sparpaket auf Ihr Haus?
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Klinikum Aschaffenburg-Alzenau
Das Klinikum Aschaffenburg-Alzenau ist ein kommunaler Klinikverbund in Bayern. Die beiden Standorte Aschaffenburg und Alzenau halten rund 900 Betten vor, die Versorgung erstreckt sich von der Grund- und Regel- versorgung bis zur Schwerpunktversorgung.
Über 2.700 Mitarbeitende beschäftigt das Klinikum in mehr als 20 Kliniken und Instituten. Als akademisches Lehrkrankenhaus der Universität Würzburg ist das Haus eng in die medizinische Ausbildung und Forschung eingebunden.
Jährlich werden rund 32.000 Patienten stationär sowie über 40.000 Menschen ambulant versorgt. Träger ist ein kommunaler Krankenhauszweckverband.