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Kommentar von Michael A. Weber

„Krankenhausversorgung gemeinsam gestalten, aber bitte ohne Fake News“

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Michael A. Weber, Präsident des Verbands Leitender Krankenhausärzte (VLK) bekundet in diesem Kommentar seinen Unmut über ein Interview im „Spiegel“. Professor Reinhard Busse hatte darin die Herzinfarktsterblichkeit in Deutschland als Argument für eine Strukturbereinigung der Krankenhauslandschaft angeführt. 

Akute Herzinfarkte primär in Kliniken mit einer Herzkatheterbereitschaft rund um die Uhr einzuliefern macht Sinn und rettet Menschenleben. Daraus die Schlussfolgerung zu ziehen, dass man die anderen ohne Herzkatheter deswegen schließen sollte, ist Blödsinn. Dennoch argumentiert Professor Reinhard Busse immer wieder in diesem Sinne. Er beruft sich auf die OECD-Daten zur Herzinfarktsterblichkeit, in denen Deutschland einen hinteren Platz einnimmt, obwohl die Krankenhäuser mit Herzkatheterbereitschaft einen internationalen Spitzenplatz belegen (FITT, STEMI-Register). Er argumentiert, dass Infarktpatienten in kleinen Häusern aufgenommen und dort nicht adäquat therapiert werden können.

Als Erklärung für diese Unterschiede in der Sterblichkeit reicht die Zahl der verspätet zur invasiven Diagnostik und Therapie eingewiesenen Patienten und ihr dadurch verschlechterter Outcome nicht aus. Der Grund liegt auch in der unterschiedlichen Eintragung der Todesursache in den Sterblichkeitsregistern der OECD-Länder. In Deutschland wird häufiger die Todesursache Herzinfarkt auch bei Patienten ohne akute Infarktzeichen, zum Beispiel mit einer Troponin-Erhöhung im Endstadium ihrer Erkrankung, kodiert. Dafür spricht auch, dass von allen Patienten mit der Diagnose Herzinfarkt, die in einer Studie der Herzinfarktbehandlung in Deutschland anhand von DRG-Zahlen untersucht wurden, nur 60 Prozent einer Herzkatherteruntersuchung unterzogen wurden, weit unter der leitliniengerechten über 90-prozentigen Rate bei akuten ST-Hebungsinfarkten. Im Gegensatz dazu belegen die Zahlen des Deutschen Herzberichtes 2017 eine Halbierung der Herzinfarktsterblichkeit in deutschen Kliniken seit 1990. Wird hier ein Problem hochstilisiert, dass so gar nicht existiert? Zusätzlich gibt es enorme Unterschiede in der Sterblichkeit zwischen den einzelnen Bundesländern, am ehesten durch sozioökonomische Unterschiede getriggert. Die Situation ist also äußert komplex und schwer zu interpretieren.

In kleineren und mittleren Krankenhäusern sind akute Infarkte selten und sollen primär in Kliniken mit Herzkatheterbereitschaft verlegt werden. Die kleineren Häuser haben ganz andere Versorgungsaufgaben wie die Behandlung älterer multimorbider Patienten mit Herzinsuffizienz, Pneumonie oder anderen Erkrankungen, die der wohnortnahen stationären Versorgung bedürfen. Ihre Existenzberechtigung auf die optimale Infarktbehandlung zu reduzieren, ist deutlich zu kurz gesprungen. Diese komplexen Zusammenhänge kennt Herr Busse seit Jahren, dennoch kann er es nicht lassen, die Herzinfarktsterblichkeit als Argument für eine drastische Strukturbereinigung der Krankenhäuser nach dänischem Vorbild zu missbrauchen. Das diskreditiert ihn als seriösen Gutachter in Fragen der Krankenhausplanung.

Das Interview mit Reinhard Busse finden Sie (hinter der Bezahlschranke) hier.

Autor

PD Dr. med. Michael Weber

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