Thesenpapier

2.500 Ärzte fehlen in Niedersachsens Kliniken

  • Krankenhausplanung
2.500 Ärzte fehlen in Niedersachsens Kliniken
© ©Werner Krueper Fotografie

Der Marburger Bund fordert einen Ausbau der gesundheitlichen Versorgung in Niedersachsen. Es würden dringend mehr Ärzte benötigt, allein in den Krankenhäusern fehlten 2.500 Mediziner. Das berichtet der NDR.

Die Corona-Pandemie stelle das Gesundheitssystem vor neue Herausforderungen, zeige aber auch die Schwachstellen auf. So hätte eine Mitgliederbefragung des Marburger Bundes Niedersachsen verdeutlicht, dass die Arbeitsbedingungen für medizinisches Personal dringend verbesserungswürdig seien. Bereits vor der Pandemie hätten 49 Prozent der Mitglieder die Arbeitsbedingungen als mittelmäßig beurteilt, 20 Prozent als schlecht oder sehr schlecht, heißt es in einem Thesenpapier, das am Mittwoch vorgestellt wurde. Viele fühlten sich überlastet und leisteten teilweise mehr als 29 Überstunden pro Woche. In der Pandemie sehen sich die Beschäftigten vor allem mit einem Mangel an Schutzausrüstung konfrontiert. Deshalb wird in dem Thesenpapier unter anderem auch eine bessere Bevorratung von Schutzausrüstung für künftige Pandemien gefordert. 

Mehr Studienplätze für mehr Personal

"Wir brauchen dringend mehr Ärztinnen und Ärzte", sagt Vorstandsmitglied Andreas Hammerschmidt. Auf einen Arzt kämen in Niedersachsen derzeit fast 250 Einwohner, was die zweitschlechteste Quote hinter Brandenburg sei. Zudem würden viele Ärzte in den kommenden Jahren in den Ruhestand gehen, gleichzeitig steige der Bedarf durch den demografischen Wandel. In dem Thesenpapier "Lehren aus der Corona-Pandemie - Warum wir das niedersächsische Gesundheitssystem neu denken müssen" schlägt der Bund den Ausbau und die Finanzierung an Kapazitäten an der Medizinischen Hochschule Hannover, der Universität Oldenburg und der Universitätsmedizin Göttingen durch das Land Niedersachsen vor. Zudem wird die Gründung einer medizinischen Fakultät in Braunschweig gefordert. Die finanziellen Mittel für den Ausbau der Infrastruktur der Universitätsmedizin in Niedersachsen sei vollumfänglich im Landeshaushalt zu verankern. 

Auch der öffentliche Gesundheitsdienst (ÖGD) müsse wieder aufgebaut werden. Trotz wachsender Aufgaben in den Bereichen Infektionsschutz, Hygiene, Trinkwasserüberwachung sowie kinder- und jugendärztlicher Dienst wurden die Planstellen reduziert. Dies sei der falsche Weg. Eine reine Erhöhung der Stellen reiche jedoch nicht aus, auch die Ärzte im ÖGD müssten besser bezahlt werden. Es müsse ein Tarifvertrag gelten, etwa der TV-Ärzte/VKA, nach der sich die kommunalen Krankenhäuser richten. 

Die Forderungen des Marburger Bund Niedersachsen im Überblick: 

I. Wir brauchen verbindliche und sanktionierbare Personalbemessungsgrenzen.
II. Wir brauchen dauerhaft mehr Personal in den Krankenhäusern, Praxen und im ÖGD.
III. Das Land muss sich zu einer qualitativ hochwertigen Versorgung bekennen.
IV. Der Druck im Gesundheitssystem muss raus.
V. Niedersachsen braucht eine zukunftsweisende Krankenhausstrukturplanung.
VI. Wir brauchen eine bessere Verzahnung ambulanter und stationärer Strukturen.
VII. Der öffentliche Gesundheitsdienst muss wieder aufgebaut werden.
VIII. Wir brauchen dringend mehr Ärztinnen und Ärzte in Niedersachsen.
IX. Medizin vor Ökonomie.
X. Das DRG-System muss abgeschafft werden.
XI. Investitionen in Weiterbildung lohnen sich.
XII. Wir brauchen eine unabhängige und sektorenübergreifende Versorgungsforschung.
XIII. Das Land muss den Infektionsschutz baulich berücksichtigen.
XIV. Wir brauchen aktuelle und schnell anpassbare Pandemiepläne.
XV. Wir brauchen eine bessere Bevorratung von Schutzausrüstung für künftige Pandemien.
XVI. Wir brauchen eine leistungsfähige und moderne IT-Infrastruktur im Gesundheitswesen.
XVII. Die Pandemiebekämpfung und -prävention ist eine grenzüberschreitende Aufgabe.
XVIII. Niedersachsen braucht mehr Laborkapazitäten.
XIX. Wir brauchen eine dauerhafte Trackinglösung zur Infektionsnachverfolgung.
XX. Niedersachsen muss die Digitalisierung im Gesundheitswesen vorantreiben.
XXI. Ärztinnen und Ärzte müssen von Bürokratie und Dokumentationsaufwand entlastet werden.
XXII. Wir müssen interdisziplinäre Versorgung zwischen den Gesundheitsberufen neu zu denken.
XXIII. Unser Gesundheitssystem braucht eine adäquate Finanzierung.

Autor

 Luisa-Maria Hollmig

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